Montag, 31. Mai 2010

Konfrontation vor Gaza: Von der Sackgasse in den Abgrund

Die blutige Stürmung der »Gaza Freedom Flotilla« löst internationale Empörung und israelische Selbstverteidigungsreflexe aus. Trotz undurchsichtiger Faktenlage steht fest: Israels Gaza-Politik ist gescheitert, die internationale Gemeinschaft muss auf das Ende der Blockade drängen

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Kommentare:

Hallore49 hat gesagt…

Ein kluger Standpunkt. Zu ergänzen wäre noch, dass die jetzige israelische Regierung, durch diese Politik, die Zukunft der Juden im Nahen Osten immer problematischer werden lässt.

le jou hat gesagt…

waren auf dem schiff nun "militante aktivisten" (á la nonnenmacher:
http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E0DB3AF4D003D4A238A1058F54BE3E143~ATpl~Ecommon~Sspezial.html) oder nicht?
wie wird dieser angriff auf das schiff in der israelischen presse aufgenommen?
kann von einer starken propaganda ausgegangen werden?

Anonym hat gesagt…

Gut gesagt, der klügste Beitrag in der bisherigen Debatte, da blickt mal einer über den Tellerrand hinaus.

Wieso nimmt die Welt eigentlich seit drei Jahren die Blockade des Gazastreifens hin - die gegen jedes internationales Recht errichtet wurde und aufrechterhalten wird? Ich finde es furchtbar deprimierend, dass die Welt immer einen Krieg oder einen Vorfall wie diesen braucht, um zu merken, dass etwas nicht stimmt in Gaza. Die absolut untragbare Situation ist aber tägliche Realität, und das seit drei Jahren.

Jede Wette, dass in zwei Wochen niemand mehr über den Vorfall spricht. Und Konsequenzen für Israel wird es auch keine geben. Geht ja irgendwie um zehn Ecken gegen die Hamas - und die frisst ja bekanntlich jeden Morgen kleine Kinder zum Frühstück.

Wenn solches Handeln ohne Konsequenzen bleibt, schadet das allen - und letztlich am meisten Israel selbst. Es muss sich etwas ändern. Schnell und grundlegend.

Jazz hat gesagt…

Guter Artikel, benennt auf den Punkt gebracht wichtige Kernprobleme des Ganzen und spricht zu recht auch das Versagen der Weltgemeinschaft an! Nur mit den einseitigen Kommentaren zu der "bösen Hamas" bin ich nicht ganz glücklich. Ein differenzierteres Bild der Hamas hätte in den wenigen Zeilen aber wohl auch keinen Platz gehabt?!
Ich bin jedenfalls gespannt, wie es nun weiter geht, wahrscheinlich nicht sehr weit und auch nicht längerfristig... :-(

Tobias hat gesagt…

"Das erste Kapitel ist aber nicht die von israelischen Regierungssprechern verbreitete, reichlich absurde Geschichte, die berüchtigten »Shayetet 13«-Eliteeinheiten seien von den Friedensaktivisten mit Äxten und Messern angegriffen worden und hätten daher in Notwehr gehandelt."

Reichlich absurd? Einfach die beiden Videos - besonders das zweite - sich anschauen: http://www.shining-city.de/2010/05/31/civilians-asleep/

Die meisten israelischen Soldaten sind mittlerweile mit Kameras ausgerüstet. Da werden sicher noch weitere Videos kommen.

C.Sydow hat gesagt…

@ Tobias

Ich habe die Videos auch gesehen. Offenbar wurden die ersten Soldaten nach dem Entern des Schiffes mit Stühlen und Eisenstangen angegriffen. Das erklärt aber noch lange nicht, wie am Ende 10 bis 20 Tote zurückbleiben.

Noch absurder finde ich das Video, das die sichergestellten Waffen zeigt: Steinschleudern, eine Eisenstange und irgendwas was aussieht wie Murmeln.

Tobias hat gesagt…

Mittlerweile wird von 9 Toten gesprochen.

Das Video, in dem die Eisenstangen gezeigt wurden ist sicher nicht "absurder", wenn man vorher gesehen hat, wie die Friedensaktivisten mit den gezeigten Eisenstangen auf Soldaten einprügelten.

KH hat gesagt…

Israel zeigt ihr Wahres Gesicht. Nur Gewaltausübung.
Kein Respekt vor der internationalen Gemeinschaft.
Es ist beschämend für alle Eurpäer und Demokraten der ganzen Welt hierzu zu schweigen

Anonym hat gesagt…

lassen wir uns einfach mal annehmen, dass die israelischen bahauptungen wahr sind und unprovozierte angriffe mit eisenstangen und scharfen gegenständen erfolgten: wieso zum teufel schickt man soldaten mit scharfer munition in eine solche situation bzw. ohne entsprechende schutzwesten-/helme?

Anonym hat gesagt…

@ Tobias: Achso, nur 9 Tote. Na dann ist ja alles klar. Ernsthaft: Ich kann nicht verstehen, wie man ein derartiges, völlig unverhältnismäßiges Vorgehen des israelischen Militärs, das zudem in internationalen Gewässern erfolgte, rechtfertigen kann. Ich will hier nicht persönlich werden, aber Du solltest Dir ernsthaft Gedanken machen, was Du hier schreibst.

Anonym hat gesagt…

Dieses abscheuliche Verbrechen gegen einen Hilfskonvoi, dieser Überfall und Akt der Piraterie in internationalen Gewässern gegen Zivilisten zeigt ganz deutlich die widerliche, barbarische Fratze des israelischen Besatzungsregimes. Israels Geschichte ist voll von Beispielen internationales Recht zu ignorieren und mit militärischer Macht seine eigenen Vorstellungen von Recht durchzusetzen. Siehe Gaza-Blockade. Israel meint für sich in Anspruch nehmen zu können, ihnen missliebige Menschen nach eigenem Gusto ermorden zu dürfen, um seine angestrebte Vormachtsstellung im Nahen Osten zu etablieren.
Mörder!!

Tobi hat gesagt…

Eliteeinheiten werden von den Friedensaktivisten werden mit Äxten und Messern angegriffen? find ich gut! weiter so! Wem der Kampf gegen eine Armee ernst ist, kommt mit Gandhi-Methoden nicht weit.
Ich habe auf jeden Fall mehr Respekt vor Menschen, die sich auf dem Weg zu ihren Zielen aktiv verteidigen als vor solchen, die das aus PR-Gründen nicht tun und nachher mit altbekannten Sprüchen ("abscheuliche Verbrechen", "illegal", "unverhältnismässig" etc) rum heulen. Dass (alle) Armeen per se menschenverachtend sind, sollte eigentlich jedem/jeder klar sein.

Anonym hat gesagt…

Also wenn auf die am Boden liegenden Kameraden mit Eisenstangen eingeprügelt wird, dann ist es zumindest nachvollziehbar, dass da Schüsse fallen.
Damit will ich hier nichts beschönigen. Aber wer denkt, die Israelis sind so blöd und schießen einfach mal so auf die Aktivisten, weil sie gerne mal die internationale Gemeindschaft aufmischen, der hat nichts verstanden.
Also sollten wir erstmal abwarten, was da noch an Informationen durchsickert.
Den Kommentar finde ich in der Sache gut. Was mich allerdings sehr irritiert ist die Bezeichnung "Friedensaktivisten".
Humanitäre Hilfe hat erstmal wenig mit Frieden zu tun. Außerdem war das kalkulierte Ziel der Veranstalter, durch Gewalt gestoppt zu werden, um Aufmerksamkeit zu gewinnen. Denn dass sie nicht nach Gaza dürfen, hatten ihnen die Israelis mehr als deutlich gemacht. Da haben ein paar Zyniker es drauf ankommen lassen. Aber es ist ja so schön einfach ins Wehklagen zu verfallen

Anonym hat gesagt…

Also wenn auf die am Boden liegenden Kameraden mit Eisenstangen eingeprügelt wird, ist das ein Angriffs aufs Leben und es ist zumindest nachvollziehbar, dass da Schüsse fallen.
Wer glaubt, die Israelis sind so blöd, dass sie aus Spass ein paar Aktivisten erschießen, um sich den gesammelten Zorn der internationalen Gemeinde aufzuladen, der hat nichts verstanden.
Es war kalkuliertes Ziel der Aktivisten, gewaltsam gestoppt zu werden, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Denn, dass sie ungeprüft Schiffsladungen voll nach Gaza bringen dürfen, hatten ihn die Israelis vorher sehr klar gemacht. trotzdem haben es die Aktivisten drauf angelegt.
Sehr irritierend finde ich in diesem Zusammenhang den Begriff "Friedensaktivisten", den der Autor gebraucht. Auch humantitäre Hilfe (so positiv das auch klingen mag) ist kein Frieden.

jockie hat gesagt…

Hilfsgüter verteidigt man neuerdings mit der Brechstange, ja?! Nach dem Videos der Angriffe auf sich abseilende Soldaten glaube ich auch nicht mehr an die vorgebliche Schiffsladung.

Bei einem über dem Schiff schwebenden Hubschrauber und nur noch 34 km (siehe Live-GPS-Karte unter freegaza.org) zur Küste von „schlafenden Passagieren“ zu reden, spottet ebenso jedem Vergleich.

Die Blockade selbst möchte ich mitnichten rechtfertigen, aber das harte Durchgreifen war zu erwarten.

Die möglichen Szenarien waren vor der „Reise“ an einer Hand abzählbar und entsprechende Deeskalationstaktiken hätte man durchsprechen und/oder einhalten müssen.
Erster Schuss fällt … alle auf den Boden und Hände hinter den Kopf.

Diese vom Gutmenschentum verklärte Sicht und Formulierungsweise von bewusst provokativen Akten ist Rosinenpickerei.

Anonym hat gesagt…

@Tobias: "Ich habe auf jeden Fall mehr Respekt vor Menschen, die sich auf dem Weg zu ihren Zielen aktiv verteidigen"
--> Interessante Ansicht. Kann man ja so sehen, dass Gewalt zur Verteidigung ein legitimes Mittel sei. Wenn allerdings in internationalen Gewässern ein ziviles Schiff gekapert wird: Wer hat dann das moralische Recht, sich zu verteidigen? Sicherlich nicht diejenigen, die in einem illegalen Akt das Schiff angegriffen haben.

Dieser Gewaltausbruch wie er geschehen ist, spiegelt dann den gesamten israelisch-palästinensischen Konflikt. Mit einer Mistgabel und einer Bierflasche greifen zwei Palästinenser angeblich einen israelischen Checkpoint innerhalb des besetzten palästinensische Westjordanlandes an und werden "in Selbstverteidigung" mit 16 Schüssen vom israelischen Militär getötet. Aus Gaza werden handgefertigte Qassamraketen geschossen, denen in Sderot und der südlichen Stadtgrenze von Aschkelon von 2001 bis 2008 insgesamt 16 israelische Zivilisten zum Opfer fallen und die Reaktion ist ein Krieg, dem in Gaza knapp 1000 Zivilisten zum Opfer fallen.

Noch ein Punkt ist typisch für den Konflikt: Alle Informationen, die bislang verbreitet wurden, stammen ausschließlich vom israelischen Militär. Sämtliche Videos der Schiffsbesatzung wurden konfisziert und keiner der Zeugen hatte bislang die Möglichkeit, sich zu äußern.

Abschließend nochmals: Der Skandal, auf den die Schiffe wie hier bereits geschrieben, aufmerksam machen wollten, ist die unsägliche Blockade des Gazastreifens - eine Kollektivstrafe gegen eine Zivilbevölkerung, die nichts anderes getan hat, als in einer freien und fairen demokratischen Wahl gegen eine korrupte Fatah zu stimmen.

Mag sein, dass die Besatzungen den israelischen Einheiten, die ihre Boote in einem illegalen Akt kaperten, mit Eisenstangen entgegen getreten sind. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass der eigentliche Skandal darin besteht, diese Erstürmung der Schiffe überhaupt durchzuführen und den Tod von Menschen dabei in Kauf zu nehmen.

Diese Aktion ist die Krönung einer langen Reihe von Provokationen der israelischen Regierung seit Anfang des Jahres. Diese Provokationen machen nur Sinn, wenn man annimmt, dass die israelische Absicht dahinter das Auslösen einer dritten Intifada ist, um die Palästinenser in der Weltöffentlichkeit endlich wieder als brutale Terroristen darstellen zu können.

Salam Fayyad, der gewaltlose Widerstand der Palästinenser gegen die Sperranlage und Anti-Apartheids-Bewegungen sind die größte Gefahr für Israel, da sie mit friedlichen Mitteln die Rechte des palästinensischen Volkes einfordern und die Inhumanität der Besatzung, die völkerrechtswidrige Besiedlung des Westjordanlandes sowie die völlig inakzeptablen Blockade des Gazastreifens und die einhergehende humanitäre Krise anpranger.

Weil diese Tatsachen einfach nicht in das Bild des friedliebenden und von allen Seiten durch böse Araber bedrohten Israel passen, versucht die israelische Regierung mit allen Mittel, endlich wieder die Gewalt in die palästinensischen Gebiete zu tragen, um einen Anti-Terror-Krieg weiterzuführen, dem derzeit die Terroristen ausgehen.

Anonym hat gesagt…

Eine Sache verstehe ich weder hier, noch in den sonstigen zahlreichen Kommentarbereichen: Wieso ist für so viele Kommentierende entscheidend, ob die Aktivisten sich gewehrt haben?
1. Wenn mein Schiff angegriffen wird, wehre ich mich. Das ist weder überraschend, noch illegal.
2. Wenn ich keine Waffen habe, greife ich alles, was ich greifen kann. Eisenstangen, Plastikstühle und … Murmeln
3. Wie lässt sich angesichts der Opferbilanz (2-20 zu 0) die Vorgehensweise rechtfertigen? Denn selbst wenn es – legitimen – Widerstand gab: Rechtfertigt das Aufhalten von E-Rollis Tote? Das ist doch einfach nur lächerlich.

Mal ganz im Ernst, liebe „pro-israelische“ Gemeinde à la Tobias: Es gibt wirklich viele Felder, auf denen man lange debattieren kann, wer für was verantwortlich ist. Aber in diesem Fall könnten die Fakten doch nun wirklich keine eindeutigere Sprache sprechen. Die israelische Armee überfällt in internationalen Gewässern einen humanitären Hilfskonvoi und tötet zahlreiche Menschen. Die Marginalien (Eisenstangen) ändern an dieser Sachlage nichts, rein gar nichts.

Und wie zynisch und menschenverachtend muss man eigentlich sein, um zu schreiben, die Aktivisten hätten „es drauf ankommen lassen. Aber es ist ja so schön einfach ins Wehklagen zu verfallen.“ Da glaubt doch Anonym tatsächlich, es sei ja so angenehm, zehn Leute erschießen zu lassen, um dann ins Wehklagen zu verfallen? Wie bitte? Mal ganz im Ernst, rück mal die Dimensionen zurecht. Überleg Dir nur ein einziges Mal, dieses Argument in Analogie auf einen anderen Fall von friedlichem Protest zu übertragen.
„Die Demonstranten haben es drauf ankommen lassen“, sagte Kanzlerin Merkel in einer ersten Pressemitteilung, nachdem in Berlin 20 Menschen erschossen worden waren. „Wir haben sie gewarnt, die Demonstration gegen die Erhöhung der Mehrwertsteuer nicht auf das Finanzministerium umzuleiten. Aber jetzt ist es natürlich so schön einfach, ins Wehklagen zu verfallen.“

Anonym hat gesagt…

guter kommentar, ja.
zu erwähnen wäre allerdings noch, dass man mitnichten davon ausgehen kann, dass an bord nur friedliche "friedensaktivisten" waren. das ganze war eine einzige hamas-propaganda aktion. beim auslaufen des schiffes Mavi Marmara unter türkischer flagge, das von der organisation IHH finanziert wurde, wurden antisemitische lieder gesungen.
und dann war da noch das angebot israels, die schiffe im hafen von ashdot zu landen und dort die ladung (nach einer kontrolle) zu löschen, um die güter von dort über den landweg nach gaza zu bringen. also, wäre es wirklich nur um humanitäre hilfe gegangen, warum hat man das nicht getan? zudem wurden die schiffe mehrmals gewarnt, die seeblockade zu akzeptieren.
aber ja, es hat mal wieder alles funktioniert: das ewige spiel geht weiter, die bilder von wütenden menschen auf den straßen arabischer städte gehen um die welt und man kann sich wieder ungeniert über israel empören!

Anonym hat gesagt…

Zum letzten Kommentar:

1) Der Konvoi wurde unterstützt durch Pax Christi und Internationale Ärzte gegen Atomkrieg. An Bord waren Abgeordnete des Deutschen Bundestags und des Europäischen Parlaments, ein Holocaustüberlebender sowie weitere jüdische Bürger verschiedener Staaten. Darüber hinaus ein Friedensnobelpreisträger, der Schriftsteller Henning Mankell, eine Wissenschaftlerin der SOAS, hochrangige pensionierte Mitarbeiter der Vereinten Nationen sowie zahlreiche Journalisten.
--> Es wird Israel auch mit der bestgerüsteten Propagandamaschinerie der Welt nicht gelingen, die Besatzung der Schiffe als antisemitische al-Qaida-Terroristen zu diffamieren.

2) Ablehnung der Übergabe der Hilfsgüter an die israelische Behörden.
--> Zur Praxis, was in den Gazastreifen gelassen wird und was nicht, hier ein kurzer Überblick: http://news.bbc.co.uk/2/hi/8654337.stm.
--> Folgendes Szenario wäre im Fall einer Übergabe der Hilfsgüter höchstwahrscheinlich eingetreten: Die Prüfung der Waren hätte sich ca. zwei bis drei Wochen hingezogen bis auch das letzte Medieninteresse abgeklungen wäre. Bis dahin wären die verderblichen Güter hinüber gewesen. Vom Rest wären 50% als "gefährlich" eingestuft worden, denn jeder weiß, dass sich aus Rollstühlen erstklassige Qassamraketen bauen lassen. Die eine LKW-Ladung, die dann noch übrig geblieben wäre, hätte man von dem Wenigen, was normalerweise in den Gazastreifen gelassen wird, abgezogen, so das unter dem Strich nichts angekommen wäre. Und das Ganze hätte wegen mangelndem Medieninteresse in Deutschland wie immer Niemand erfahren, was so manche hier getätigte Äußerung erklärt.

3) Zu Deiner Unterstellung, es handele sich bei den Protesten wie immer nur um Antisemitismus, der sich ein Ventil suche.
--> Sorry, aber wenn Du Probleme oder Komplexe aufgrund der deutschen Geschichte hast, solltest Du das aufarbeiten. Mit dieser Aktion sowie den völlig gerechtfertigten Protesten, die sich bei einem ähnlichen Vorfall auch gegen jedes andere Land richten würden, hat das schlicht nichts zu tun. Die Behauptung, alle Araber seien eh Antisemiten, entbehrt jeglicher Grundlage und ist einfach nur offen rassistisch. Da hast Du letztlich aus der deutschen Geschichte wohl doch nix gelernt.

4) Zur "Hamas-Propaganda-Aktion": Die Einschätzung teile ich nicht. In erster Linie war dies eine Propaganda-Aktion gegen die völlig inakzeptable Blockade bzw. der Kollektivstrafe gegen die palästinensische Zivilbevölkerung im Gazastreifen. Ein Besuch des UN-Generalsekretärs und sämtliche Appelle reichen ja anscheinend nicht aus.

Darüber hinaus mal ganz provokant gefragt: Wo läge denn überhaupt das Problem, wenn es eine Propagandaaktion der Hamas gewesen wäre?

Anonym hat gesagt…

von al-qaida terroristen habe ich nicht gesprochen, sondern von der radikalislamischen türkischen Organisation IHH, die den konvoi maßgeblich finanziert hat und deren vorsitzender noch bei der einweihung des schiffes sätze wie den folgenden von sich gegeben hat: „Israel verhält sich, wie Hitler sich gegenüber den Juden verhalten hat. Hitler baute Konzentrationslager in Deutschland, und heute baut das zionistische Gebilde Konzentrationslager in Palästina.“ ein eindeutig antisemitisches statement.
und dass solchen statements auch henning mankell nicht abgeneigt ist, ist ja nun hinlänglich bekannt. nobelpreis hin oder her. dass auch pax christi und abgeordnete der LINKEN an bord waren sagt auch überhaupt nichts. ich bleibe dabei: es handelte sich um eine dezidiert anti-israelische aktion. ziel war nicht wirklich, hilfsgüter nach gaza zu bringen, sondern israel zu einer solchen reaktion, wie sie geschehen ist, zu provozieren. es ist ein großes unglück, dass ihnen das gelungen ist und menschen sterben mussten oder verletzt wurden (übrigens auch auf israelischer seite).

ich habe überhaupt nicht behauptet, alle araber seien antisemiten. das hast du hineininterpretiert. ich habe lediglich von protesten in arabischen ländern gesprochen, die wie auf knopfdruck kommen, ohne dass mal ein zweites mal nachgedacht wird. ich denke nur, dass die menschen in den arabischen staaten genauso auf die radikal-palästinensische propaganda hereinfallen und es nicht besser wissen. sie wachsen damit auf, gesagt zu bekommen, das "zionistische gebilde" sei des teufels und muss verschwinden.
was bitte ist daran rassistisch?
und deine behauptung, dass sich solche "gerechtfertigen proteste" bei solchen vorfällen gegen jedes andere land richten würde, ist schlicht falsch.
was sagen die arabische straße und die gutmenschen in europa denn zu den massakern in darfur? sri lanka? die situation der kopten in ägypten? der baha'i in iran? eben.
nur wenn es gegen israel geht.
da fragt sich, wer hier nichts aus der geschichte gelernt hat.
damit wäre ich schon bei deiner frage, wo das problem wäre, wenn es eine hamas-propaganda aktion gewesen wäre: ganz einfach, ziel der hamas ist es, israel, die juden zu vernichten, also hitlers job endlich zu ende zu bringen. das steht klipp und klar in deren charta. warum nur nimmt das keiner ernst?
aber klar, die nazis sind immer die anderen.

mondoprinte hat gesagt…

@ le jou:
"kann von einer starken propaganda ausgegangen werden?"
Anders gefragt: Ist der Papst katholisch?

Anonym hat gesagt…

Leute, wir können einpacken. Die Hamas-Charta wurde rausgeholt. Versuchen wir es beim nächsten Mal wieder!

Anonym hat gesagt…

Bei der Aussage „Israel verhält sich, wie Hitler sich gegenüber den Juden verhalten hat. Hitler baute Konzentrationslager in Deutschland, und heute baut das zionistische Gebilde Konzentrationslager in Palästina.“ handelt es sich ganz klar um einen unangebrachten historischen Vergleich, der eine Relativierung des Holocaustes mit sich bringt und schlicht sachlich falsch ist. Keine Frage.

Wenn überhaupt ein Vergleich gezogen werden will, dann am ehesten mit den Bantustans des südafrikanischen Apartheidsregimes wobei auch dieser Vergleich hinkt. Der Gazastreifen als größtes Freiluftgefängnis der Welt ist nun einmal eine historische Singularität - zumindest in der jüngeren Geschichte.

Aber warum ist es Deiner Meinung nach direkt Antisemitismus wenn man die unhaltbare Sitation kritisiert, die durch die israelische Blockade des Gazastreifens herbeigeführt wurde? Kritisiert wird hier schließlich eine konkrete politische Maßnahme der israelischen Regierung und es werden nicht irgendwelche angeblich typisch jüdischen charakterzüge oder sonstiges verunglimpft.

Dass die Aktion des Hilfkonvois primär auf die Herstellung von öffentlicher Aufmerksamkeit für die untragbare humanitäre Situation in Gaza abzielte, will ich gar nicht bestreiten.

Wenn Du des weiteren "israelisch" durch die seit drei Jahren andauernden Kollektivbestrafung von 1,6 Millionen Zivilisten definieren willst, die man auf einer Fläche einsperrt, die kleiner als Bremen ist und gerade soviel Grundnahrungsmittel reinlässt, dass die Leute nicht direkt verhungern, ihnen zudem verbietet, die im Zuge des Gazakrieges zerstörte Infrastruktur (bspw. Abwasserkläranlagen) wieder in Stand zu setzen und dies alles vor dem Hintergrund geschieht, dass fast täglich Luftangriffe gegen das Gebiet geflogen werden, dann war die Aktion in diesem Sinne sicher auch anti-israelisch.

Allerdings verstehe ich weder, was am Protest gegen diesen unsäglichen Zustand und die Forderung nach der Einhaltung von Menschenrechten oder wenigstens den Genfer Konventionen radikal-islamistische propaganda seien soll, noch ist mir ersichtlich, was sich an der Einschätzung der Lage durch ein "zweites mal nachdenken" ändern sollte.

Auf Deinen Massakereinwand gehe ich nicht im Einzelnen ein - das würde zu weit führen. Nur so viel: Letztlich bringst Du hier das alte, klassische Kirchtürme-in-Saudi-Arabien-Argument: Solange es irgendwo noch furchtbarer zur Sache geht, können wir geruhig diskriminieren, Menschenrechte verletzen usw. usf. Wenn das unser moralischer Kompass ist, dann herzlichen Glückwunsch. Damit bist du in etwa auf dem Niveau Neanderthaler, womit ich das "Aus der Geschichte lernen" dann gerne nochmal zurückgebe.

Warum nimmt die Hamascharta keiner ernst? Ganz einfach: Sie ist über 20 Jahre alt und wird von der Hamas mittlerweile selbst nicht mehr ernst genommen.

Anonym hat gesagt…

Yardım gönüllüsü Fatih Kavakdan İsrailli komandoların operasyonunun ayrıntılarını da ağabeyi aracılığıyla şöyle aktardı: “Gece saat dört buçukta askeri helikopterlerle bize saldırdılar. Askerler gemilere indirme yapmadan ateş etti. Ateş ede ede gemiye indirme yaptılar. Bize saldırdılar, biz de karşılık verdik. Ondan sonra gerçek mermiler kullandılar. (http://www.taraf.com.tr/haber/botlardan-ates-ederek-geldiler.htm)

Das stand heute in Taraf einer türkischen Zeitung. Es besagt zusätzlich zu dem bereits bekannten, dass von israelischer Seite bereits vor und während dem Abseilen mit Gummigeschossen geschossen wurde.

Anonym hat gesagt…

Der Angriff auf die Gaza-Flotille ist von den deutschen Nachrichtenseiten schon fast wieder verschwunden. Das ist echt witzig, angesichts der theoretisch möglichen Folgen (NATO-Bündnisfall, Ausweisung Botschafter).
Was müsste eigentlich geschehen, damit Israel wirklich Konsequenzen zu spüren bekommt?

Nils hat gesagt…

Der Spiegelfechter hat ebenfalls eine Analyse der Ereignisse veröffentlicht. Lohnt sich zu lesen.
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/2801/staatspiraterie-mit-todesfolge
Zudem ist das Interview, welches der Freitag mit Norman Paech geführt hat, ebenfalls sehr zu empfehlen:
http://www.freitag.de/politik/1022-gefesselt-und-auf-knien

Anonym hat gesagt…

Zu dem Spiegelfechter-Artikel:
- Vergleich DDR/BRD-Grenze: Ein Kovoi wäre in diesem Falle nicht bereits in Hannover überfallen worden. Und ob ostdeutsche Grenzschützer in diesem Fall tatsächlich scharf geschossen hätten, wage ich auch mal zu bezweifeln.
- Piraterie: Es ist nicht ganz korrekt, von Piraterie zu sprechen, da es sich bei den israelischen Seestreitkräften um staatliches Militär handelt und der Begriff "Piraterie" in der Regel auf nicht-staatliche Akteure angewandt wird. Ändert aber nichts daran, dass die israelischen Truppen das Boot in internationalen Gewässern geentert haben und somit aus meiner Sicht als Angreifer nicht das Recht auf Selbstverteidigung für sich reklamieren können - schon gar nicht mit diesen Mitteln.

Ein guter Kommentar war in der SZ: http://www.sueddeutsche.de/politik/angriff-auf-gaza-konvoi-jedes-mass-verloren-1.952254

Ich habe darüber hinaus nicht den Eindruck, dass das Thema bereits aus der deutschen Öffentlichkeit bzw. Presse verschwunden ist. Neben der Präsidentenwahl, die einiges überschattet, war es gestern abend die eigentlich einzige wirkliche weitere Meldung in den wegen Fußballländerspiel verkürzten Tagesthemen. Süddeutsche, FAZ, FR, Spiegelonline und ARD.de haben allesamt noch was dazu auf ihren Startseiten - zwar nicht mehr an oberster Stelle, aber verschwunden ist es noch nicht.