Mittwoch, 29. Dezember 2010

Kirgistan nach den Sommerunruhen: »Die Atmosphäre ist vergiftet«

Ein halbes Jahr ist seit den blutigen Unruhen in Kirgistan vergangen. Im Interview berichtet der Geograf und Zentralasien-Experte Matthias Schmidt über die Aufarbeitung der Ereignisse, das sowjetische Erbe und die Chancen für Versöhnung zwischen Kirgisen und Usbeken

Montag, 27. Dezember 2010

Alsharq zu Gast bei DRadio Wissen

Liebe Leserinnen und Leser,

wir hoffen ihr hattet schöne und erholsame Weihnachtsfeiertage. Bevor in wenigen Tagen der Jahreswechsel ansteht, wartet noch ein besonderes Schmankerl auf euch und uns. Björn, Max und ich sind morgen, also am Dienstag, dem 28.12. zu Gast beim DRadio Wissen. In der Sendung "Redaktionskonferenz" reden wir ab 18 Uhr 30 über Alsharq, den Nahen Osten, das Jahr 2010 zwischen Kairo und Katar und alles, was uns in 90 Minuten noch so einfällt. Dazu gibt es arabische und israelische Musik. Reinhören lohnt sich also!

DRadio Wissen könnt ihr digital über Kabel, Satellit, Web-Radios oder direkt im Internet hören. Weitere Infos gibt es hier.

Update: Eine Aufzeichnung der Sendung könnt ihr euch ab sofort online anhören.

Freitag, 24. Dezember 2010

Wenn Christen und Muslime gemeinsam der Armut entfliehen - Zum 150-jährigen Bestehen der Schneller Schulen im Nahen Osten

Lieber Leserinnen und Leser,

die Schneller-Schulen im Nahen Osten feiern in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen im Nahen Osten. Auch für Alsharq ein Grund zum Feiern, schließlich trug insbesondere die Schneller-Schule im Libanon bei einigen "Sharqisten" in nicht unerheblichem Maße dazu bei, dass sie sich bis heute eingehend mit Politik und Gesellschaft des Nahen Osten beschäftigen. Unser Reiseexperte Simon Welte und ich absolvierten unseren Zivildienst an der Schule, außerdem diente die Schule Robert Chatterjee und Christoph Sydow während der turbulenten Tage der sogenannten Zedernrevolution 2005 als Herberge.
Es folgt ein ausführlicher Artikel der freien Journalistin Katja Dorothea Buck zur bewegten Geschichte und zur gegenwärtigen Situation der Schneller-Schulen.

Von Katja Dorothea Buck
Seit 150 Jahren setzen sich die evangelischen Schneller-Schulen im Nahen Osten für Kinder aus armen Verhältnissen ein – egal ob sie Christen oder Muslime sind. Die Kinder bekommen nicht nur eine Schul- und Berufsausbildung, sie lernen gleichzeitig, dass Religion nicht trennen muss.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Alsharq-Reise nach Israel und Palästina 2011

Liebe Leserinnen und Leser,

in den vergangenen Wochen war es um Alsharq etwas ruhig geworden. Dies hat gute Gründe: Alsharq wird professionalisiert. Immer häufiger erhalten wir Macherinnen und Macher des Blogs Aufträge für Seminare, Vorträge, Dossiers, etc. Momentan überarbeiten wir deshalb mit Hilfe eines Programmierers und eines Grafikers den Webauftritt von Alsharq grundlegend. In Übereinstimmung mit unserem Selbstverständnis als Nachrichten- und Analyseportal sowie als Reiseveranstalter werden wir das Blogformat durch eine komplexere und vor allem professionellere Website ergänzen.

Apropos Reisen: Neben der Reise in den Libanon im April 2011, für die man sich noch anmelden kann, bieten wir im September 2011 (15.-28.9.) eine politische Studienreise nach Israel und Palästina an:

Zur Grundidee:

Täglich sind wir durch Nachrichten und Bilder mit dem Nahostkonflikt konfrontiert. Trotz einer breiten Berichterstattung in den Medien ist das Wissen um Hintergründe und Geschichte des Konfliktes zwischen den Israelis und Palästinensern jedoch häufig nur gering und besteht nicht selten aus vereinfachten und polarisierenden Meinungsbildern.

Freitag, 17. Dezember 2010

Waldbrände in Israel: »Die Umwelt kennt keine Grenzen«

Vor zwei Wochen wüteten die schwersten Waldbrände in der Geschichte Israels. Schaul Chorev, Hauptdelegierter des Jüdischen Nationalfonds (KKL) in Deutschland, im Gespräch über die ökologischen Folgen der verheerenden Waldbrände und langfristige Auswirkungen auf die Touristenregion

Montag, 13. Dezember 2010

Trikotwerbung beim FC Barcelona: Zwischen Katar und Katalonien

Nach 111 Jahren bricht der FC Barcelona mit einer Tradition. Die Qatar Foundation zahlt 170 Millionen Euro um für fünf Jahre auf dem Trikot der Katalanen zu werben. In Spanien ist die Aufregung groß, einige befürchten Werbung für Islamisten

Mittwoch, 8. Dezember 2010

„Wie ein Wald entsteht.“ - Eine literarische Begegnung in Tel Aviv

Liebe Leserinnen und Leser,

die Filmemacherin Yulia Lokshina arbeitet momentan an einer Dokumentation über die größte jüdische Minderheit innerhalb Israels, den russischprachigen Einwanderern. Durch massive Zuwanderungswellen, ausgelöst durch den Zusammenbruch der Sowjetunion, ist ihr Anteil an der gesamten israelischen Bevölkerung auf etwa 15 Prozent gestiegen. Unter anderem zeichnen sich die russischsprachigen Juden in Israel durch einen vergleichsweise sehr hohen Bildungsgrad aus - ihr Einfluss auf die israelische Ökonomie und Wissenschaft, aber etwa auch auf die Kunstszene ist dementsprechend groß.
Gleichwohl hat sich die Minderheit ihre partikulare Identität innerhalb der jüdischen Gesellschaft Israels bewahrt. Weiterhin wird untereinander auf Russisch kommunziert. Darüber hinaus rezipiert die Minderheit größtenteils russischsprachige Medien, organisiert sich in russischsprachigen Interessensverbänden und wählt nicht zuletzt Parteien, die hauptsächlich von russischsprachigen Einwanderern repräsentiert werden. Prominentestes Beispiel ist die an der Regierung beteiligte säkular-konservative Partei "Jisrael Beitenu", deren schillernde Führungsfigur Avigdor Liebermann 1978 aus Moldawien einwanderte.

Bei ihren Recherchen trifft Yulia auf Charaktere, deren Lebenswege hätten kaum unterschiedlicher verlaufen können. Ihre Eindrücke verarbeitet und teilt sie auf literarische Weise mit ihren Lesern auf ihrem Blog zuhause projekt. Auf Alsharq schreibt sie über einen Abend mit dem russischsprachigen Dichter Michail Ziv.

Hо землю,                Doch das Land
с которою                mit dem du
вместе мерз,            gemeinsam frorst,
вовек                        für ewig
разлюбить нельзя.  nicht aufhörst zu lieben.

Samstag, 4. Dezember 2010

Amerikas Diplomatenberichte bei Wikileaks: Die schmutzige Wäsche der USA

von Christoph Sydow, Kathrin Hagemann und Dominik Peters

Ein großer Teil der von Wikileaks veröffentlichen US-Diplomatenberichte befasst sich mit dem Nahen Osten. Über die Bedeutung der Enthüllungen und ihre Folgen gehen die Meinungen in arabischen, türkischen und israelischen Zeitungen auseinander

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Entscheidung für Katar 2022: FIFA setzt WM in den Sand

Die Sensation ist perfekt: Katar ist Gastgeber der Fußball-WM 2022. Das Land punktete mit einer emotionalen Bewerbung und versteht sich als Vertreter der gesamten Arabischen Welt. Doch in den nächsten zwölf Jahren liegen gewaltige Aufgaben vor dem Golfemirat

Dienstag, 30. November 2010

Erdogan im Libanon: »Oh mein Gott...er spricht türkisch!«

Von Christoph Sydow, Kathrin Hagemann und Dominik Peters
Die libanesischen Kommentarspalten sehen den Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan als weiteren Beleg für die wichtige Rolle, die Ankara in der Region spielen kann. Während in Israel wieder einmal mit Sorge nach Norden geschaut wird, interessieren sich die türkischen Kommentatoren kaum für die Visite des Premiers

Montag, 29. November 2010

Lebanon at stake

Liebe Leserinnen und Leser,
es folgt ein Gastbeitrag der libanesischen Journalistin Sarah El-Richani zu gegenwärtigen politischen Entwicklungen im Zedernstaat. Zurzeit promoviert sie in Erfurt über das libanesische Mediensystem. Auf Bitten vieler Alsharq-Freunde, die nicht deutsch sprechen, veröffentlichen wir den Artikel in seinem englischen Original.


As the truce brokered by Lebanese brawling camps for the Al-Adha feast holidays and Independence Day came to an end early last week, the weary and the wary in Lebanon are holding their breath.

Donnerstag, 25. November 2010

"Brücken statt Mauern" - Ein Internationales Seminar zu Israel und Palästina

Wir möchten auf ein Internationales Seminar zu Israel und Palästina hinweisen, das zum Jahreswechsel 2010/11 im Westjordanland stattfinden wird und für Alsharq-Leser interessant sein könnte. Das Seminar unter dem Titel "Bridges instead of Walls" wird vom "Alternative Information Center" (AIC) durchgeführt, einer israelisch-palästinensischen NGO, die es sich zum Ziel gesetzt hat, über den israelisch-palästinensischen Konflikt zu informieren und diesen "kritisch zu analysieren".

Das Seminar vom 28. Dezember 2010 bis 04. Januar 2011 führt die Teilnehmer ins israelische Jaffa, nach Jerusalem und verschiedene Orte in der West Bank, darunter Bethlehem, Ramallah und Hebron. Auf dem Programm  stehen Termine mit israelischen und palästinensischen Organisationen und Politikern, die für ein Ende der israelischen Besatzung arbeiten, Vorträge von Wissenschaftlern, Gespräche mit palästinensischen Familien, sowie "die Teilnahme an gewaltfreien pro-palästinensischen Demonstrationen."

Die Teilnahmegebühr für das AIC-Seminar beträgt 350 Euro. Anmeldeschluss ist der 15. Dezember 2010. Weitere Informationen gibt es hier.

Übrigens leiten wir selbst ein Seminar zu Israel und Palästina im Rahmen der Sommeruniversität des Evangelischen Studienwerks in Villigst, das vom 05. bis 09. September 2011 allen Interessierten offen stehen wird. Und last but not least werden wir vom 15. bis 28. September 2011 eine Studienreise nach Israel und Palästina durchführen. Alle Informationen zu diesen Veranstaltungen gibt es in Kürze auf diesem Blog.

Mittwoch, 24. November 2010

„Selbst wenn sie freigesprochen werden, sind sie bestraft“ - der KCK-Prozess

Die türkische Regierung macht 152 kurdischen Aktivisten, die unter dem Dach einer PKK-Nachfolgeorganisation, der KCK, die Grundlagen einer »demokratischen Autonomie« aufbauen wollen, den Prozess. Der Staat will hart bleiben, gerät aber immer stärker in die Kritik – und untergräbt die Annäherungen in der Kurdenfrage

Dienstag, 23. November 2010

Nomadisches Denken. Edward Saids Werk und seine Relevanz für die Gegenwart

von Florian Grosser

Mit Erscheinen seines Hauptwerkes Orientalism vor gut dreißig Jahren avancierte der palästinensisch-amerikanische Literaturtheoretiker Edward Said zu einem der globalen Stars des postmodernen linksliberalen Diskurses. In den geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern wie auch in den Medien, die diesen Diskurs tragen, wurde er seitdem nicht nur als besonders anerkennungswürdige Stimme eines aufgeklärten Palästina wahrgenommen und gehört.

Vielmehr galt und gilt er neben Homi Bhabha auch als einer derjenigen Intellektuellen, die einem machtbesessenen, eigene Wert- und Rationalitätsmaßstäbe verabsolutierenden Westen den Spiegel vorhalten und das nicht-westliche „Andere“ vor Augen führen, welches sich mit dessen politischen, moralischen und wissenschaftlichen Kategorien nie vollständig fassen lässt. Welche Anziehungskraft Saids Überlegungen und insbesondere die zentrale These, das im Okzident verbreitete Bild des Orients beruhe auf exotistischen Projektionen und stehe bis in die Gegenwart im Dienst einer imperialen Interessenpolitik, auch sieben Jahre nach dessen Krebstod noch ausüben, hat eine internationale Tagung gezeigt, die zu Monatsmitte in Krakau stattfand.

Montag, 22. November 2010

Interview mit Sari Hanafi zur Lage der Palästinenser im Libanon: „Das neue Gesetz ist ein Fiasko!“

von Ray Smith*

Im August verabschiedete das libanesische Parlament Änderungen am Arbeits- und am Sozialversicherungsgesetz. Damit sollte die Lage der PalästinenserInnen auf dem Arbeitsmarkt verbessert werden. Was in vielen Medien als bemerkenswerte Reform gefeiert wurde, relativiert sich bei näherem Blick stark. Von einer „vollen Arbeitserlaubnis“ kann nach wie vor nicht die Rede sein.

Mitte November wurde im Rahmen des UPR-Mechanismus des UNO-Menschenrechtsrates, einem System zur Kontrolle des Menschenrechtsschutzes in den UN-Mitgliedsländern, die Menschenrechtssituation im Libanon unter die Lupe genommen. Der Libanon wurde für die Diskriminierung der 250.000 palästinensischen Flüchtlinge im Land von vielen Mitgliedstaaten, darunter auch von den USA, Frankreich und Großbritannien, gerügt. Der Libanon wurde aufgefordert, konkrete Maßnahmen zu ergreifen um die Diskriminierung der palästinensischen Flüchtlinge insbesondere auf dem Arbeitsmarkt abzubauen und ihre Bewegungsfreiheit zu garantieren.**

Sari Hanafi ist außerordentlicher Professor für Soziologie an der American University of Beirut. Als Wissenschaftler und Aktivist hat er dazu beigetragen, dass der Lage der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon verstärkt öffentliche Aufmerksamkeit geschenkt wird. Der Autor hat ihn in Beirut zu einem Gespräch getroffen.

Donnerstag, 18. November 2010

Neue Regierung im Irak - Bleibt alles anders

Lange hat es gedauert und wirklich zufrieden ist keiner der Beteiligten, aber immerhin hat der Irak acht Monate nach den Wahlen eine neue Regierung. Doch die gegenseitige Blockade nach libanesischem Vorbild wird das Land auch in Zukunft prägen – auf Kosten dringend benötigter Sachpolitik

Mittwoch, 17. November 2010

Interview mit Franziska Keller zur Türkei und Euromed


Liebe Leserinnen und Leser,

vor sieben Jahren saß Franziska "Ska" Keller mit den Alsharq-Gründern im gemeinsamen Arabisch-Kurs, heute sitzt die Grünen-Politikerin im Europäischen Parlament in Straßburg. Unter anderem gehört die Brandenburgerin dem Gemeinsamen Parlamentarischen Ausschuss EU-Türkei sowie der Delegation der Parlamentarischen Versammlung Europa-Mittelmeer an. Alsharq sprach mit Ska, die über ein abgeschlossenes Magisterstudium der Islamwissenschaft, Turkologie und Judaistik verfügt, über die Beziehungen der EU zur Türkei und dem gesamten Mittelmeerraum.

1. Ist der mögliche EU-Beitritt der Türkei im Europaparlament überhaupt noch ein Thema, das unter den Abgeordneten großes Interesse generiert?

Dienstag, 16. November 2010

Interview mit Yossi Beilin: »Netanjahu geht es nicht um Frieden«

Von Daniel Gerlach und Robert Chatterjee
In den 1990er Jahren galt Yossi Beilin als heißer Kandidat der Arbeiterpartei auf den Posten des israelischen Premierministers. 2003 stellte er zusammen mit seinem palästinensischen Kollegen Yasser Abed Rabbo die Genfer Iniativie vor. Im Interview erklärt Beilin, warum er seinen Friedensplan für den einzig umsetzbaren hält - und warum unter den gegenwärtigen Umständen wohl höchstens ein Interimsabkommen zwischen Israelis und Palästinensers erreicht werden kann

Montag, 15. November 2010

Ägypten - Die dynastische Republik am Nil

Ein Beitrag von Thomas Pantoi

Die Ära des ägyptischen Präsidenten Mubarak neigt sich dem Ende zu. Bei anstehenden Parlamentswahlen droht erneut eine demokratische Farce. Anmerkungen zu den Metamorphosen des politischen Stillstands.

Freitag, 12. November 2010

Alsharq präsentiert: Libanonreise 2011

Liebe Leserinnen und Leser,

nach der gelungenen Premiere im April dieses Jahres werden wir auch 2011 wieder eine Alsharq-Studienreise in den Libanon anbieten. Vom 20. bis 30. April 2011 heißt es „10 Tage Kultur, Politik und Natur des Libanon“. Ein vielfältiges Programm, von uns konzipiert und geführt, erwartet euch. Neben den beeindruckenden historischen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten wollen wir euch außerdem mit den politischen Realitäten des Zedernstaates konfrontieren. Etwa durch Stadtrundgänge auf den Spuren des Bürgerkriegs, Tagestouren in touristisch bisher kaum erschlossene Gebiete sowie Diskussionen mit libanesischen und deutschen Experten.

Die Reise im April war ein großer Erfolg und hat allen Teilnehmern sehr gefallen. Highlights waren unter anderem Wanderungen durch Zedernwälder und das weltberühmte Qadisha-Tal, die Besichtigung der Ruinen von Baalbek, aber auch der Besuch eines palästinensischen Flüchtlingslagers, der abschließende Workshop sowie die Fahrt in den sowohl politisch als auch landschaftlich reizvollen Südlibanon. Diese Punkte wollen wir auch auf der Studienreise 2011 wieder anbieten. Abgerundet wird die Reise von einem Workshop mit deutschen und libanesischen Journalisten und Wissenschaftlern.

Donnerstag, 11. November 2010

Wahlen auf Jordanisch: Über die Risiken einer Scheindemokratie

Die Parlamentswahlen vom Dienstag haben angesichts des oppositionellen Boykotts erwartungsgemäß eine breite regimetreue Mehrheit hervorgebracht. Überraschend war lediglich, dass 78 Kandidaten neu in das 120-köpfige Unterhaus gewählt wurden. Dennoch sind viele bekannte Gesichter aus den bekannten pro-haschemitischen Clans wieder dabei, sodass weder Reformanstöße noch harte Regierungskontrolle in der neuen Legislaturperiode zu erwarten sind.

Die Wahlen verliefen in den meisten Regionen und in den Großstädten friedlich, und die boykottierende Opposition gab sich zurückhaltend und verzichtete auf Provokationen. Allerdings kam es in der süd-jordanischen Kleinstadt Imrea zu bewaffneten Auseinandersetzungen, bei denen ein 25-jähriger Mann ums Leben kam. Anlass waren Rivalitäten zwischen zwei rivalisierenden Stämmen. Auch eine Wahlstation und mehrere Autos wurde bei den Kämpfen zerstört. Zu Unruhen dieser Art kam es in den südlichen Stammesgebieten Jordaniens schon häufig und sie sind kein Ausdruck politischer Opposition zur jordanischen Monarchie.

Mittwoch, 10. November 2010

Konflikt um Westsahara: Mundtot in Marokko

Bei schweren Kämpfen in der Westsahara sind in den letzten Tagen mehrere Menschen getötet worden. Auch 35 Jahre nachdem Marokko das Wüstengebiet im Nordwesten Afrikas annektierte, liegt eine Lösung des Konflikts noch immer in weiter Ferne

Dienstag, 9. November 2010

Blogger in Ägypten: »Fluch und Segen zugleich«

Von Nils Metzger

Die ägyptische Polit- und Kulturbloggerin Zeinobia erzählt, wie die Liebe zu ihrem Land sie das politische Versagen der aktuellen Regierung aushalten lässt. Ihr Blog »Egyptian Chronicles« versucht, aus dem Geist der Vergangenheit eine glorreiche Zukunft zu erschaffen.

Montag, 8. November 2010

100 Jahre Kibbuzbewegung: Für tot erklärt und doch noch am leben


Im Oktober 1910 wurde Degania Aleph, das erste Kibbuz, gegründet. Die sozialistische Utopie wurde im Ausland jahrzehntelang romantisch verklärt, zu einem Gründungsmythos des jungen jüdischen Staates und später zum Aushängeschild Israels. Doch davon ist heute nicht mehr viel übrig geblieben – oder doch?
 
Von Dominik Peters und Sebastian Kunze

Sonntag, 7. November 2010

Nahost-Synode des Vatikans: Tage des Donners

Der Nahe Osten ist die Wiege des Christentums. Heute kämpft die Minderheit um ihr Überleben –das Attentat in Bagdad ist da nur der jüngste grausame Zwischenfall in der Region. Der wachsende Einfluss radikaler Islamisten, der Irakkrieg und der israelisch-palästinensische Konflikt hat viele von ihnen zur Auswanderung bewegt. Nun hat der Vatikan eine Nahost-Synode abgehalten – mit einer erstaunlich deutlichen Botschaft an deren Ende.

Mittwoch, 3. November 2010

Islamforscher Josef van Ess: »Der Koran ist eine reformatorische Schrift«

Von Christian Meier
Wann wurde der Islam zum Islam? Der Orientalist Josef van Ess im Gespräch über Prophetengenossen, verrückte Gnostiker und die Gebetsgymnastik der frühen Muslime.

Dienstag, 2. November 2010

Jitzhak Rabin-Gedenktag: Vom Menschen zum Mythos

Zehntausende Israelis versammelten sich am 30. Oktober in Tel Aviv, um der Ermordung Jitzhak Rabins vor 15 Jahren zu gedenken - und an eine Zeit zu erinnern, als ein Frieden im israelisch-palästinensischen Konflikt in greifbarer Näher erschien.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Presseschau zu den Wikileaks-Enthüllungen: „Wir haben aufgehört uns aufzuregen“

In der vergangenen Woche veröffentlichte die Internetplattform Wikileaks knapp 400.000 geheime Dokumente über den Krieg im Irak aus den Jahren 2004 bis 2009. Darin wird enthüllt, dass seit dem Sturz Saddams mehr als 100.000 Iraker gewaltsam ums Leben gekommen sind, der Großteil von ihnen Zivilisten. Die Protokolle aus dem Pentagon belegen zudem schwere Misshandlungen und Folterungen irakischer Bürger durch Sicherheitskräfte. In der arabischen Presse sind die Enthüllungen seither zwar das bestimmende Thema, ernsthaft überrascht über das geschilderte Ausmaß der Gewalt im Irak zeigt sich fast keiner der Kommentatoren.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Interview mit Nabil Shaath: »Als besetzter Staat hätten wir mehr Gewicht«

Von Daniel Gerlach und Robert Chatterjee
Nabil Shaath, palästinensischer Chef-Unterhändler bei den Friedensgesprächen in Washington, über seine Vision des »Endspiels« im Nahostkonflikt, die Sturheit Netanjahus und eine drohende Einstaatenlösung

Samstag, 23. Oktober 2010

Parlamentswahl in Bahrain - Demokratie in engen Grenzen

Knapp 320.000 Bürger sind am heutigen Samstag in Bahrain aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Die 40 Mitglieder zählende Unterhaus existiert seit einer Verfassungsänderung 2002, seine Abgeordneten werden alle vier Jahre neu gewählt. Der Wahlkampf wurde in diesem Jahr von massiven Repressionen seitens der Regierung gegenüber Bloggern, Menschenrechtlern und oppositionellen Schiiten überschattet. Nach Angaben von Amnesty International wurden in den vergangenen Monaten etwa 250 Oppositionelle verhaftet.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Loyalitätsgesetz in Israel: Der leidige Eid

Ein Kommentar von Judith Althaus
Das Gesetz zum Loyalitätseid in Israel ist an Absurdität kaum zu überbieten: Die Regierung Netanjahu schiebt die eigene innergesellschaftliche Identitätsdebatte auf die Palästinenser ab – und gibt jenen, die der Eid an Israel binden soll, zu verstehen, dass sie nicht willkommen sind.

Freitag, 15. Oktober 2010

Mahmud Ahmadinejad im Libanon - Hassfigur zu Gast bei Freunden

Das Wichtigste vorab: Er hat es nicht getan. Vor seinem zweitägigen Staatsbesuch im Libanon hatte Irans Präsident Mahmud Ahmadinejad angekündigt, er wolle einen Abstecher an die israelische Grenze nutzen, um einen Stein auf „das besetzte Palästina“ zu werfen. Auf den Steinwurf über den Grenzzaun verzichtete der Iraner, mit rhetorischen Angriffen auf den jüdischen Staat hielt er sich während seines knapp 40-stündigen Aufenthalts in der Levante aber nicht zurück.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Zehn Jahre Camp David II: Der tiefe Fall der Linken

Zehn Jahre sind vergangen, seit Ehud Barak sich an der Quadratur des Kreises versucht hat: ein Frieden mit den Palästinensern und ein Wahlsieg in Israel. Sein Scheitern in Camp David markiert den Niedergang der israelischen Arbeiterpartei

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Dienstag, 12. Oktober 2010

Jordanien vor der Wahl

Ein Beitrag von Amina Nolte

Anfang August wurde in Amman das Finale der 29. jordanischen Fußballmeisterschaft ausgetragen. Zum achten Mal hat sich die Mannschaft „Wihdat“ auf den ersten Platz der nationalen Liga gekickt - nur knapp gefolgt von der Mannschaft „Faisali“, die den Titel in diesem Jahr nicht verteidigen konnte und mit nur sechs Siegen hinter Wihdat zurückbleiben musste.

So sehr es auf dem Feld nur um das Spiel, den unmittelbaren Sieg gehen mag, so sehr ist der Fußball aber auch Ausdruck weitaus tiefer liegender Spannungen und Konflikte in der jordanischen Gesellschaft: Wihdat ist nicht nur der Name des Siegerteams, es ist auch der Name und die Mannschaft eines palästinensischen Flüchtlingslagers in Amman. Faisali hingegen vertritt überwiegend die Fußballfans, die sich als regierungstreue Konservative oder auch als die „echten Jordanier“ verstehen. Somit ist in Amman mehr im Spiel, wenn es auf dem Feld augenscheinlich nur um Fußball geht. Denn es ist zugleich auch ein Wettstreit um Anerkennung, Deutungshoheit und politischen Einfluss in Jordanien. Und ist somit auch Ausdruck der Suche und des Ringens um eine gemeinsame jordanische Identität.

Samstag, 9. Oktober 2010

Gibt es eine friedliche Zukunft für den Irak? - Ein Plädoyer für einen föderalen Irak

Ein Beitrag von Kenan Engin

Offiziell ist die "Operation Iraqi Freedom" seit Ende August abgeschlossen. Nach Rückzug der US-Truppen steht der Irak vor einer einschneidenden Wandlung und wird eine neue Seite in seiner Geschichte aufschlagen. Es ist vielleicht auch die Vorhut eines Neubeginns für alle Völker des Nahen Ostens, die bislang in einem außer Kontrolle geratenen Kreislauf von Gewalt und Vergeltung gefangen sind. Dafür braucht aber der Irak ein geeignetes politisches System, in dem die Einheit in der Vielfalt bewahrt bleibt und die Funktionsfähigkeit der Demokratie gesichert wird. Allerdings darf dieses System nicht nostalgisch auf die Tage der irakischen Monarchie zurückblicken,1 da es im Verlauf des 20. Jahrhunderts endgültig klar wurde, dass diese Unheil in den Irak brachte, indem sie die Rivalitäten und die religiös-ethnisch motivierten Auseinandersetzungen zwischen den Völkern erzeugte. Daher diskutiert man seit langem darüber, welches System man unter diesen Umständen einführen soll, das dem heutigen Irak gerecht werden könnte. Ob eine zentralorganisierte Ordnung dem ethnisch-religiösen Völkergemisch besser gerecht wird? Oder nur ein föderal organisiertes Bundesstaatsmodell das geschundene Land vor dem Zerfall retten kann? Diese Frage wurde durch die vom 15. Oktober 2005 angenommene neue irakische Verfassung trotz aller Widerstände endgültig geklärt. Der Verfassungstext bezeichnet die neue Ordnung des Staates als föderal. Dem Zentralismus wurde damit eine klare Absage erteilt. Von der neuen Verfassung wurden den zukünftigen föderalen Regionen starke Kompetenzen eingeräumt.

Freitag, 8. Oktober 2010

Der Fall Ibrahim Eissa - Wie Ägyptens Regime kritische Stimmen zum Schweigen bringen will

Die ägyptische Zeitung „al-Dustur“ gehörte bislang zu den wenigen unabhängigen Blättern im Land, die regierungskritischen Stimmen eine Plattform gaben. Damit dürfte nun Schluss sein, denn ihr prominenter Chefredakteur Ibrahim Eissa wurde Anfang der Woche entlassen. Dafür sorgte der neue Zeitungseigentümer, Sayid Badawi, der das Blatt vor zwei Monaten zum Preis von vier Millionen US-Dollar kaufte. Badawi ist Chef der ägyptischen Wafd-Partei, einer einstmals stolzen liberalen Partei, die mittlerweile jedoch vom Regime kooptiert wurde und keine wirkliche Alternative zur herrschenden Nationaldemokratischen Partei von Präsident Husni Mubarak darstellt.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Fotoserie: Zerstörungen in Burj Abi Haidar, Beirut

Am 24. August kam es in Beirut zu schweren Gefechten zwischen Hizbollah und Anhängern einer Sunnitischen Gruppierung mit Namen Ahbash. Die Kämpfe, bei denen 3 Personen getötet und zahlreiche verletzt wurden, waren die schwersten seit der Eroberung der sunnitischen Viertel Westbeiruts durch Hizbollah und ihre Verbündeten im Mai 2008.

Im Folgenden zeigen wir Ihnen Fotos, die einige Tagen nach den Gefechten von Philipp Breu, einem befreundeten Fotografen, aufgenommen wurden.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Unangemeldete Besuche – Hungerstreik für Flüchtlingsrechte im Libanon

Seit zwei Wochen befindet sich ein sudanesischer Menschenrechtsaktivist in Beirut im Hungerstreik. Dr. Abdel Meneem will auf die rechtlosen Bedingungen verweisen unter denen vieler seiner Landsleute im Libanon leben. Misshandlungen durch Polizisten sollen gerichtlich verfolgt werden.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Deutscher Orientalisten-Tag in Marburg: Über das Fremde im Beschaulichen

In Marburg fand vom 20. bis 24. September unter dem Motto »Spiegelungen, Projektionen, Reflexionen« der 31. Deutsche Orientalisten-Tag statt. Die traditionsreiche Veranstaltung bringt alle drei Jahre die Zunft der »Orientalisten« zusammen

Mittwoch, 29. September 2010

Salafisten am Bökelberg: Die Camper

Von Benjamin Albroich
Die Auftritte des Vereins »Einladung zum Paradies« stimmen die Bewohner von Mönchengladbach-Eicken unbehaglich. Als islamfeindlich wollen sie jedoch nicht gelten: Seit Jahren weiß dort jedes Kind, wie ein Niqab aussieht und dass Salafisten Bärte tragen. Ein Eickener berichtet

Mittwoch, 22. September 2010

Jamil al-Sayyed - Ein Mann sinnt auf Rache

Der innenpolitische Streit im Libanon über den Umgang mit dem Sondertribunal, das den Mord am ehemaligen Regierungschef Rafiq Hariri aufklären soll, hat am Wochenende weiter an Schärfe gewonnen. Im Mittelpunkt des Konflikts steht der ehemalige Direktor des Inlandsgeheimdienstes Jamil al-Sayyed. Er war am Samstag aus Paris kommend auf dem Beiruter Flughafen gelandet und dort von einem Hizbullah-Kommando in Empfang genommen worden, ohne die üblichen Einreisekontrollen zu durchlaufen. Die innenpolitischen Gegner der Hizbullah sprachen hinterher von einer »Invasion des Flughafens«. In der VIP-Lounge des Airports gab Sayyed nach seiner Ankunft eine improvisierte Pressekonferenz, auf der er die libanesische Justiz und die internationalen Ermittler scharf angriff.

Montag, 20. September 2010

"Eins hat gehalten, eins hat geschnitten, eins hat gerupft" - Presseschau zum Urteil gegen die Türkei im Mordfall Hrant Dink

Der Schuldspruch gegen die Türkei durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) am vergangenen Dienstag hat es in alle Schlagzeilen geschafft – trotz der anhaltenden Aufregung um das erst einige Tage zurückliegende Verfassungsreferendum. Der Staat wurde für schuldig befunden, dem am 19. Januar 2007 ermordeten armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink den Schutz des Rechtes auf Leben, auf Meinungsfreiheit und Rechtshilfe nicht gewährt zu haben.

Mittwoch, 15. September 2010

Prügelstrafe in Syrien: Schläge in der Schule

»Der Staat schützt Mutter und Kind, sorgt für Jugendliche und Heranwachsende und bietet ihnen die notwendigen Bedingungen, damit sie ihre Fähigkeiten ausbilden können.« Dieses Versprechen gibt der syrische Staat seinen Bürgern in Artikel 44, Absatz 2 seiner Verfassung. Ein Video, das in dieser Woche im Internet aufgetaucht ist, zeigt, dass diese Beteuerung kaum das Papier wert ist, auf dem sie gedruckt ist.

Sonntag, 12. September 2010

Verfassungsreferendum in der Türkei: Reform, Putsch oder Feigenblatt?

Die Worte »ja« und »nein« sind dieser Tage in der Türkei mit ungewöhnlich großer Bedeutung aufgeladen. Riesige »JA«-Transparente, mit »NEIN« bedruckte Luftballons bevölkern in rauen Mengen das Stadtbild in Istanbul. Was ist die große Frage, die es zu beantworten gilt? An diesem Sonntag wird per Referendum über eine von der Regierungspartei AKP vorgeschlagene Verfassungsreform entschieden. Ist das der große Schritt in Richtung Demokratie? Die versteckte Gefahr? Oder wieder einmal ein leeres Versprechen?

Mittwoch, 8. September 2010

Wahlboykott in Ägypten: Baradei gegen den Versuchsballon

Ägyptens wichtigster Oppositionspolitiker Mohammed El Baradei hat zu einem Boykott der Parlamentswahl im November aufgerufen. Da es keine fairen Bedingungen gebe, solle die Wahl nicht vom Volk legitimiert werden. Das Regime stellt unterdessen Baradeis Integrität infrage

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Sonntag, 5. September 2010

Vollverschleierung in Ägypten: »Der Niqab wird nicht immer aus religiösen Motiven angelegt«

Von Björn Zimprich
In Ägypten wird über Für und Wider öffentlicher Niqab-Verbote diskutiert. Andreas Jacobs, der Landesbeauftragte der Konrad-Adenauer Stiftung (KAS) in Ägypten erklärt, wie die Bevölkerung zur Vollverschleierung steht, warum die Muslimbrüder in der Zwickmühle sind – und was  die ägyptische von der europäischen Debatte unterscheidet

Al Sharq: Unabhängig von der Diskussion über Vollverschleierung in Europa steht dieses Thema auch in der arabischen Welt auf der Agenda. Seit etwa einem Jahr wird in der ägyptischen Öffentlichkeit intensiv über den Niqab diskutiert. Was war damals der Auslöser?

Andreas Jacobs: Der Auslöser war ein Zusammentreffen des mittlerweile verstorbenen Großscheichs der Al-Azhar, Muhammad Sayyid Tantawi, mit einer etwa zwölfjährigen Schülerin in einer der Al-Azhar angegliederten Schule im Oktober 2009. Tantawi hatte die vollverschleierte Schülerin damals

Donnerstag, 2. September 2010

Schas-Mentor Ovadia Josef: Vom Biedermann zum Brandstifter

Ovadia Josef, geistliches Oberhaupt der israelischen Schas-Partei, meldet sich im Vorfeld der Friedensverhandlungen zu Wort – und wünscht den Palästinensern »die Pest«. Nicht seine erste verbale Entgleisung. In den vergangenen Jahren hat er sich zum Radikalen gewandelt

Dienstag, 31. August 2010

Kirgistan - Der Kampf um die Wahrheit

Von Alois Schläffer

In Kirgistan wird wieder gekämpft. Dieses Mal jedoch nicht mit Eisenstangen und Molotovcocktails, sondern mit Worten. Nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen knapp drei Monaten im Süden des Landes wird derzeit um eine gemeinsame Version der Ereignisse gerungen. Wer hat die Gewalt ausgelöst, wer war wie daran beteiligt, wer zog die Fäden? Es wird hitzig diskutiert und debattiert: eine Geschichte soll geschrieben, eine Wahrheit gefunden werden.

Montag, 30. August 2010

Hizbollah in der Enge? Einige Schlussfolgerungen zu den Zusammenstößen in Burj Abi Haidar

Seit Wochen wachsen die politischen und konfessionellen Spannungen im Zedernstaat. Seitdem der Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah Ende Juli verlautbart hatte, dass Mitglieder seiner Bewegung vom Internationalen Sondertribunal zur Aufklärung des Mordes am ehemaligen Ministerpräsidenten Rafiq Hariri angeklagt werden könnten, schwebt wieder das Schreckgespenst bewaffneter Auseinandersetzungen über der libanesischen Hauptstadt.

Am vergangenen Dienstag dem 24. August kam es nun im Verlauf des Abends zu schweren Gefechten zwischen Hizbollah und Anhängern einer Sunnitischen Gruppierung mit Namen Ahbash. Die Kämpfe, bei denen 3 Personen getötet und zahlreiche Verletzt wurden, waren die schwersten seit der Eroberung der sunnitischen Viertel Westbeiruts durch Hizbollah und ihre Verbündeten im Mai 2008.

Seit den Kämpfen vom vergangenen Dienstag kocht die Diskussion im Libanon hoch. Zahlreiche Politiker fordern, dass alle Parteien und Milizen ihre Waffen aus Beirut abziehen und die Hauptstadt waffenfreie Zone wird. Präsident Sleiman warnte am Donnerstagabend eindringlich vor weiteren konfessionellen Zusammenstößen. Der Staat werde entschieden gegen jede weitere Gewalttätigkeiten vorgehen.

Einige libanesische Kommentatoren sehen die Auseinandersetzungen vom Dienstag dabei als geplante Eskalation an. Demnach hätten entweder Hizbollah oder Ahbash die Auseinandersetzung vorbereitet. Hintergrund sei demnach ein Bruch zwischen den einstigen Verbündeten Hizbollah und Syrien. Demnach versuche die Hizbollah den Einfluss Syriens aus dem Libanon zurückzudrängen und diesen Platz als Hegemonialmacht für ihren treuesten Verbündeten den Iran freizuhalten.

Sonntag, 29. August 2010

Bis dass der Tod uns scheidet: Warum die Hamas Hochzeiten organisiert

Islamistische Bewegungen in arabischen Staaten haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten stetig an Einfluss gewonnen – nicht nur als politische Kraft, die es in die Parlamente zieht, sondern vor allem als zivilgesellschaftliche und soziale Akteure, die immer dort aktiv werden, wo der Staat seiner sozialen Verantwortung nicht gerecht wird. Das islamistische Engagement ist daher ein guter Parameter für gesellschaftliche Probleme und Defizite staatlicher Funktionen.

Freitag, 27. August 2010

Libanon bei der Basketball-WM: Zedern auf Korbjagd

Am Samstag beginnt die Basketball-WM in der Türkei. Auch der Libanon ist mit dabei. Im Zedernstaat ist der Basketball zu einer der beliebtesten Sportarten avanciert. Entsprechend groß sind die Hoffnungen, die in das Nationalteam gesetzt werden

Neuerscheinung!

Liebe Leserinnen und Leser,

wir möchten Sie an dieser Stelle auf einen Sammelband mit dem Titel „Kollektive Identitäten im Nahen und Mittleren Osten: Studien zum Verhältnis von Staat und Religion“ aufmerksam machen. Die 24 Beiträge der Publikation beschäftigen sich theoretisch und exemplarisch mit verschiedenen Identitätsmustern im Nahen Osten. Dazu gehören universale Konzepte wie Pan-Arabismus, Zionismus und Islamismus, aber auch (strategische) Identitätskonstruktionen von Staaten und Minderheiten. Die Einzelstudien ergeben als Ganzes ein Bild, wonach die zahlreichen und sich oft widersprechenden partikularen, nationalen und transnationalen Identitätskonzepte unmittelbar in Zusammenhang stehen mit der hohen Konfliktdichte der Region. Von einem homogenen islamischen Kulturkreis nach der Vorstellung von Samuel P. Huntington kann keine Rede sein.

Alsharq-Autor Maximilian Felsch hat an dem Buch mitgewirkt und u.a. den Beitrag „Der Libanon zwischen Integration und Fragmentierung“ verfasst.

Weitere Informationen zum Buch direkt vom Verlag finden Sie hier.

Donnerstag, 26. August 2010

TV-Soap »Tash ma Tash« in Saudi-Arabien: Vielmännerei im Ramadan

Von Jannis Hagmann
Wie schon in den vergangenen Jahren erhitzt die saudische TV-Soap »Tash ma Tash« auch in diesem Ramadan die Gemüter in Saudi-Arabien. Aktuelles Streitthema: eine polygame Ehe – doch ist es die Frau, die vier Ehemänner hat. Und einen fünften will…

Mittwoch, 25. August 2010

Parkplatzmangel in Beirut und die libanesische Gewaltdynamik

Von Björn Zimprich und Robert Chatterjee
Am gestrigen Abend sind bei bewaffneten Auseinandersetzungen im Beiruter Stadteil Burj Abi Haidar vier Personen getötet wurden, darunter ein hochrangiges Hizbullah-Mitglied. Zahlreiche Menschen wurden schwer verletzt. Bei den Auseinandersetzungen zwischen der Hizbullah und Mitgliedern der sunnitischen Al-Ahbash wurden Maschinengewehre und Panzerfäuste eingesetzt. Auslöser für die Kämpfe soll der Streit um einen Parkplatz gewesen sein. Zurück bleiben viele Fragen.

Der Fall Shiva Nazar Ahari - Online-Kampagne für das Leben einer iranischen Bloggerin

Seit dem 20. Dezember 2009 sitzt die iranische Bloggerin und Menschenrechtsaktivisten Shiva Nazar Ahari im Evin-Gefängnis in Teheran. Am 4. September soll der Prozess gegen die 26-Jährige beginnen. In drei Punkten haben die Behörden Anklage gegen die Online-Dissidentin erhoben: Verabredung zur Durchführung eines Verbrechens, Hetze gegen den Staat sowie der schwerwiegendste Vorwurf: „Moharebeh“, Feindschaft gegen Gott. „Moharebeh“ stellt in der Islamischen Republik ein Kapitalverbrechen dar, auf das die Todesstrafe steht.

Donnerstag, 19. August 2010

Buchbesprechung: Civil Society in Algeria - The political function of associational life

Lieber Leser,
in der öffentlichen Diskussion über Demokratisierung des Nahen Osten wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder auf die wachsende Rolle der Zivilgesellschaft verwiesen. Als wichtiges Indiz für eine positive Entwicklung der Zivilgesellschaft wurde die Expansion von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) gesehen. Andrea Liverani hat sich jahrelang mit der Entwicklung von NGOs in Algerien beschäftigt und kommt zu interessanten Schlussfolgerungen die den meisten bisherigen Annahmen widersprechen.

Im folgenden erscheint eine Rezension des Buchs “Civil Society in Algeria - The political function of associational life” in dem Liverani seine Ergebnisse zusammenfasst. Die Rezension stammt aus der kommenden Ausgabe der DAVO-Nachrichten. Die DAVO ist die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient und ist Mitausrichter des diesjährigen Deutschen Orientalistentag (DOT) in Marburg .


Eine verbreitete und zutiefst euphorische Ansicht vieler westlicher Akteure über demokratische Entwicklungen in Entwicklungsländern lautet nach Liverani wie folgt: NGOs bilden die Stützen der Zivilgesellschaft und eine Entwicklung der Zivilgesellschaft ist das Wundermittel gegen jegliche Formen autoritärer Herrschaft und schlechter Regierungsführung. Daraus folgt: Je mehr NGOs es in einem Land gibt, desto mehr zivilgesellschaftliches Leben ist vorhanden und entsprechend weit ist die demokratische Entwicklung vorangeschritten.

Diese vereinfachten Annahmen laufen nach Liverani aber an den Realitäten im Nahen Osten vorbei. Anhand des Beispiels Algerien zeichnet Liverani detailliert ein widersprechendes Bild, denn seit Anfang der 90er Jahre hat dort eine massive Expansion des NGO-Sektors (associational life) nur oberflächliche Fortschritte für die Demokratisierung bedeutet. Die Vervielfältigung von NGOs habe sich im Gegenteil vielmehr als herrschaftsstabilisierend für ein autoritäres Regime erwies.

Mittwoch, 18. August 2010

Arbeitsrechte für Palästinenser im Libanon: Nicht mehr als ein Anfang

Das libanesische Parlament hat den über 300.000 Palästinensern im Land eine weitgehende Arbeitserlaubnis gewährt. Für Euphorie gibt es jedoch wenig Anlass, denn auch das neue Gesetz liefert Ausnahmen. Zudem bleiben wichtige Streitfragen weiterhin ungeklärt

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Samstag, 14. August 2010

Hinweis zur Syrischen Blogparade

Seit einigen Wochen schreibt Mia in ihrem Blog "Watching the Wheels" über ihren Alltag in Damaskus. Dazu gehören Anekdoten mit syrischen Taxifahrern genauso wie Rezepte für Baba Ghanoush und andere Köstlichkeiten. Jetzt lädt Mia zur "Syrischen Blogparade"! Jeder, der schon einmal in Syrien war / in Syrien ist / sonst irgendeinen Bezug zu Syrien hat, der ihn befähigt, etwas über das Land zu schreiben, ist herzlich eingeladen, teilzunehmen und einen Artikel in seinem Blog zu veröffentlichen. Es winken attraktive Preise!

Alle weiteren Infos gibt es hier.

Donnerstag, 12. August 2010

Von der Mandatszeit bis in die Gegenwart - Interview mit Jakob Hisch

Liebe Leserinnen und Leser,

während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Jerusalem lernte ich vor etwa vier Jahren Jakob Hirsch kennen. Der 86-jährige Israeli mit deutschen Wurzeln, dessen Eltern mit ihm 1935 in das damalige Mandatsgebiet Palästina emigrierten, sprach mit Alsharq über seine Erinnerungen an die Etappen auf dem Weg zur Gründung des jungen israelischen Staates am 14. Mai 1948. Im Fokus stand dabei außerdem das Verhältnis zwischen Juden und Arabern. Des Weiteren disktutierten wir aktuelle politische Entwicklungen und richteten unseren Blick in die Zukunft. Wir bedanken uns bei Jakob sehr herzlich für dieses aufschlussreiche und ausführliche Interview.

Jakob Hirsch wurde 1924 in Halberstadt geboren. Im Alter von vier Jahren zog er mit seinen Eltern nach Berlin-Westend. Jakobs Eltern waren überzeugte Zionisten, sein Vater war Delegierter auf verschiedenen Zionisten-Kongressen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte Jakob zusammen mit seinen Eltern und seiner Großmutter nach Palästina.

Mittwoch, 11. August 2010

Beduinen in Israel: Die Spuren im Sand

Rund 160 000 Beduinen leben in der Negev-Wüste. Einige haben den Sprung in die israelische Gesellschaft geschafft. Doch der Großteil fristet ein trostloses Dasein. Nun droht ihnen die endgültige Vertreibung aus ihren Heimatdörfern

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Dienstag, 10. August 2010

Mordfall Hariri – Sherlock Nasrallah und die israelischen Drohnen

Hassan Nasrallah hatte Beweise versprochen. Auf einer Pressekonferenz am Montag Abend wollte der Hizbullah-Generalsekretär „zwingende Beweise“ dafür vorlegen, dass Israel für den Mord am ehemaligen libanesischen Premierminister Rafiq al-Hariri verantwortlich ist. Die hat er nicht vorgebracht. Und dennoch ist es Nasrallah gelungen, in der libanesischen Öffentlichkeit weitere Zweifel am Sondertribunal für den Libanon (STL) zu säen, das den Hariri-Mord aufklären soll.

Kino im Westjordanland: »Cinema Jenin« öffnet seine Tore

Von Henrik Meyer
Nach zwei Jahren Bauzeit öffnete Anfang August das Kino von Dschenin wieder seine Pforten. Das deutsch-palästinensische Projekt ist mehr als nur ein Lichtspielhaus. Es soll aus dem einstigen Kriegsschauplatz das kulturelle Aushängeschild des Westjordanlandes machen

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Montag, 9. August 2010

Die Bilanz der “kurdischen Initiative”: Nicht mehr als kurze Hoffnungsschimmer

Große Hoffnungen weckte die »kurdische Öffnung« von Ministerpräsident Erdoğan. Doch statt weit reichender Reformen droht eine neue Eskalation, insbesondere im Südwesten des Landes. Politik und Militär agieren unverhältnismäßig hart – und verspielen eine weitere Chance auf Frieden

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Samstag, 7. August 2010

Beiruter Flaggenstreit - Hakenkreuze auf Schwarz - Rot - Gold

von Tahereh Matejko und Björn Zimprich

Nieder mit Schwarz-Rot-Gold! Da sind sich Berliner Autonome und die Deutsche Botschaft im Libanon erstaunlicherweise einig. Der Unterschied: Im Libanon wurde der Flaggenstreit durch einen Zusatz auf dem nationalen Symbol ausgelöst: dem Hakenkreuz. Ein Nachtrag zur WM im Libanon

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Freitag, 6. August 2010

Der Fall Firas Maraghy – Hungerstreik für das Recht auf Rückkehr

Seit elf Tagen sitzt Firas Maraghy auf einem Campingstuhl unter einer Buche in der Berliner Auguste-Viktoria-Straße, schräg gegenüber der streng bewachten israelischen Botschaft. Der 38-Jährige befindet sich im Hungerstreik. Seit dem 26. Juli hat Firas keine Nahrung mehr zu sich genommen, nur ab und zu gönnt er sich einen Schluck Wasser und eine Zigarette. Der Palästinenser kämpft gegen die israelischen Behörden.

Donnerstag, 5. August 2010

Zwischenfall an der israelisch-libanesischen Grenze: »Wo ist die Hizbullah?«

Von Dominik Peters, Christoph Sydow und Björn Zimprich
Am Dienstag, dem 3. August, ereignete sich der schwerste Zwischenfall an der israelisch-libanesischen Grenze seit dem Sommerkrieg 2006. Libanesische Kommentatoren sehen einen neuen Krieg am Horizont, in Israel fragt man vor allem nach der Rolle der Hizbullah bei dem Vorfall

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Dienstag, 3. August 2010

Abdallah und Assad in Beirut: Honeymoon für ein paar Stunden

Syriens Präsident Baschar al-Assad und König Abdallah von Saudi-Arabien demonstrieren Einigkeit beim Mini-Gipfel von Beirut. Ein Konsens über den Umgang mit dem UN-Sondertribunal zum Hariri-Mord soll auch die tiefen Gräben kitten, die der Anschlag 2005 aufgeworfen hatte

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Samstag, 31. Juli 2010

Golfaraber im Sommerurlaub: Erbarme, die Saudis kommen

Jedes Jahr dasselbe Ritual. In den Sommermonaten strömen Touristen aus den Golfstaaten in die arabischen Nachbarländer. Abgesehen vom Hauptziel Libanon locken auch Ägypten oder Jordanien mit unbekannten Freiheiten. Wirklich willkommen sind die zahlungskräftigen Gäste aber selten

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Freitag, 30. Juli 2010

Gerichtsurteil wegen Vergewaltigung in Israel: Unberechenbare Folgen

Die Verurteilung eines Palästinensers wegen »Vergewaltigung unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und Identität« erregt in Israel die Gemüter. Der Richter orientiert sich an einem Präzedenzfall – ignoriert aber mögliche weiter reichende Konsequenzen

Mittwoch, 28. Juli 2010

Erster Weltkongress der Drusen im Libanon: Krieger in Pluderhosen?

In der vergangenen Woche fand der Weltkongress der Drusen im Libanon statt. Um die kleine religiöse Minderheit aus dem Nahen Osten ranken sich viele Mythen. Die Drusen gelten als sonderbar und verschworen. Dabei liegt weit weniger im Dunkeln als gemeinhin geschrieben wird

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Samstag, 24. Juli 2010

Mordfall Hariri - Die Hizbullah auf der Anklagebank?

Im Mai 2009 kam das Nachrichtenmagazin Der Spiegel mit einer Meldung heraus, die im Libanon und darüber hinaus für großes Aufsehen sorgte: Unter Berufung auf Quellen aus der Umgebung des UN-Sondertribunals in Den Haag berichtete der Redakteur Erich Follath, dass die Hizbullah für die Ermordung des ehemaligen libanesischen Premierminister Rafik Hariri im Februar 2005 verantwortlich war. Im Libanon wurde der Bericht unisono als als halbgare Spekulation abgetan, das Gericht in Den Haag schwieg seither noch beharrlicher über den Fortgang der Ermittlungen.

Doch nun hat kein geringerer als Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah persönlich erklärt, dass in den kommenden Monaten mehrere Mitglieder seiner Organisation wegen der Beteiligung am tödlichen Attentat auf Hariri angeklagt werden. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag plauderte Nasrallah auch gleich noch aus, wer ihm diese Information zusteckte. Der Sohn des Mordopfers und jetzige libanesische Regierungschef, Saad Hariri, habe ihm vor einigen Wochen verraten, dass eine Anklage gegen Hizbullah-Mitglieder bevorstehe. Hariri habe ich jedoch beeilt Nasrallah zu versichern, dass »undisziplinierte Mitglieder der Organisation« für den Mord verantwortlich seien und die Partei Gottes selbst nichts mit der Ermordung seines Vaters zu tun hätte.

Samstag, 17. Juli 2010

Jugendprotest am Nil: Ägyptens Neda heißt Khaled Said

Der junge Ägypter Khaled Said wurde Anfang Juni in Alexandria von zwei Polizisten getötet. Seither demonstrieren im Internet und auf der Straße Hunderttausende gegen Folter und Polizeigewalt. Die Regierung reagiert hilflos auf die Proteste der Jugend

Freitag, 16. Juli 2010

Der Anfang ist gemacht

Das Verwirrspiel um den Kurs des libyschen Hilfsschiffs „Amalthea“ im Mittelmeer ist beendet. Der Frachter machte gestern im ägyptischen Hafen Al-Arisch fest. Auch über die „Free-Gaza“-Flotte gibt es neue Erkenntnisse: Das israelische Militär hat eine erste Untersuchung abgeschlossen und die arabische Abgeordnete Hanin Zuabi – die an Bord der „Mavi Marmara“ gewesen war – verliert nach einem Knesset-Beschluss drei grundlegende Privilegien als Parlamentarierin.



Mittwoch, 14. Juli 2010

360°-Journal: Ausgabe zum Nahen und Mittleren Osten

Liebe Leserinnen und Leser,

die Kollegen vom studentischen Magazin 360° haben uns gebeten, diesen Call for Papers für die übernächste Ausgabe zu veröffentlichen. 

360° ist ein Wissenschaftsjournal aus Studentenhand. Ehrenamtlich und unabhängig engagieren sich bundesweit fünfzig Studierende in der interdisziplinären Initiative. Für unsere Ausgabe 1/2011 zum Nahen und Mittleren Osten wünschen wir uns kritische und differenzierte Beiträge aus allen wissenschaftlichen Disziplinen und universitären Fächern und Fächerkombinationen, die kundige und überraschende Einsichten zu allen denkbaren Aspekten unseres Schwerpunkts beisteuern.

Montag, 12. Juli 2010

Türkei und die PKK: »Sie werden in ihrem eigenen Blut ertrinken«

von Nils Metzger
Im Kampf gegen die kurdische PKK hat die Türkei mit Syrien einen neuen Unterstützer gefunden. Während die Türkei wieder verstärkt militärisch gegen die Bewegung vorgeht, lässt Damaskus hunderte Aktivisten verhaften. Das politische Taktieren Ankaras gräbt der PKK ihre sicheren Häfen ab

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Donnerstag, 8. Juli 2010

»Der Mardscha’, der uns zum Morgen führte«

Von Christoph Sydow und Celine Serhal
Die libanesischen Kommentarspalten widmen sich dem Tod Muhammad Hussain Fadlallahs. Sie würdigen seine Rolle im interreligiösen Dialog und im Widerstand gegen Israel. Irakische Kommentatoren sehen im Tod des Großayatollahs vor allem einen Verlust für die intellektuelle Originalität und Pluralität der schiitischen Gelehrsamkeit

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Dienstag, 6. Juli 2010

Deutsche WM-Elf und Israel: Sympathieträger des »neuen Deutschlands«

Leistung und Auftreten der deutschen Nationalelf in Südafrika begeistern Fußballfans in aller Welt. In Israel bestimmt die Frage, ob man einer deutschen Mannschaft zuzujubeln darf, nicht nur die Sportreporter – Denn so viele Israelis wie nie zuvor gönnen der deutschen Mannschaft den WM-Titel.

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Montag, 5. Juli 2010

Tod eines Auserwählten: Ein Nachruf auf Muhammad Hussein Fadlallah

Von Wiebke Eden-Fleig

Muhammad Hussein Fadlallah ist tot. Der bedeutendste schiitische Geistliche des Libanon galt als geistiger Vater der Hizbullah. Tatsächlich ist seine Geschichte jedoch weitaus komplexer. Ein Nachruf
 

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Freitag, 2. Juli 2010

Fußball-WM in Beirut: »Al-Mannschaft« und die brasilianische Braut

Die Fußball-Giganten der Libanesen sind noch dabei. Deutschland und Brasilien stehen im Viertelfinale der WM. Ernste Konkurrenz im Kampf um die Herzen der Beiruter Fans droht nur noch von Argentinien. Die arabische Werbeindustrie greift die Fan-Rivalität auf ganz spezielle Weise auf

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Montag, 28. Juni 2010

WM-Fieber im Libanon - Trauermärsche und Siegesfeiern

Die Fußball-WM geht mit dem Beginn der K.O.-Runden in die entscheidende Phase. Mit der steigenden Brisanz der Spiele steigt auch das WM-Fieber bei den fußball-verrückten Libanesen. Dazu hier einige Fotos aus Beirut und Tripoli:

Nach dem Ausscheiden der Squadra Azzurra wird in Beirut der italienische Fußball symbolisch zu Grabe getragen.

Dienstag, 22. Juni 2010

Politischer Konfessionalismus im Libanon - Ein Interview mit Mayssoun Zein Al Din

Die Politik des Libanon wird seit der Staatsgründung entscheidend von den verschiedenen Konfessionsgemeinschaften des Landes bestimmt. Die Politologin Mayssoun Zein Al Din hat sich in ihrer Doktorarbeit mit der Religion als politischem Faktor im Libanon auseinandergesetzt. Mayssoun hat mit uns über den politischen Konfessionalismus im Libanon gesprochen und erläutert, warum die Proporzdemokratie im Libanon nicht funktioniert.


Über den politischen Konfessionalismus in Libanon wurde schon eine Vielzahl von Büchern geschrieben? Was kann man da überhaupt neues herausfinden? Was sind deine originären Erkenntnisse in diesem Buch?

Ich habe versucht, dieses Thema demokratietheoretisch anzugehen und zu erklären, warum Konkordanzdemokratien oder proporzdemokratische Systeme – in Libanon Konfessionalismus genannt – demokratietheoretisch schon längerfristig zum Scheitern verurteilt sind. So wie ich die Literatur überblickt habe, ist dies noch nicht in vollem Umfang erfolgt. Diesen Ansatz habe ich historisch eingeordnet, weil ich der Meinung bin, dass die Kenntnis der Geschichte dringend erforderlich ist, um diesen theoretischen Gedanken zu verstehen und diese Kombination habe ich in der Literatur nicht gefunden, insbesondere nicht in der deutschsprachigen.

Montag, 21. Juni 2010

Interkulturelles Training: »Einfach mal in die Schuhe des Anderen schlüpfen«

Die Arabistin Sara Binay bietet Kurse für interkulturelles Training an. Im Interview beschreibt sie, wie Stereotypen unsere Wahrnehmung anderer Menschen beeinflussen, warum Fremdheit Ängste schürt und wie man das Gehirn trainieren kann, das Fremde einzuordnen – und zu akzeptieren

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Freitag, 18. Juni 2010

Streit mit Ultraorthodoxen in Israel: Demo für und gegen Diskriminierung

Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs Israels will eine aschkenasische, religiöse Schule zwingen, auch sephardische Schülerinnen aufzunehmen. Dagegen gingen 100.000 ultraorthodoxe Juden auf die Straße – die größte Demonstration der Religiösen seit zehn Jahren


Mittwoch, 16. Juni 2010

WM-Fieber in Israel: Mit der Diaspora dabei

Am Kap der guten Hoffnung spielen in den kommenden Wochen die Besten der Besten der populärsten Sportart der Welt um den wichtigsten Pokal und viele Israelis schauen mit sehnsuchtsvollem Blick nach Südafrika – schließlich hat es ihre Auswahl wieder einmal nicht geschafft, sich für die WM-Endrunde zu qualifizieren. Weiterlesen

Dienstag, 15. Juni 2010

Deutsches Dosenbier im Libanon: Doppelhund mit 4,8 Umdrehungen

WM-Zeit ist Bier-Zeit, auch im Nahen Osten. »Weidmann« lautet der Name eines Gerstensafts, der in libanesischen Läden feilgeboten wird. Die Blechdosen aus Westeuropa werden mit deutscher Aufschrift und im zeitlosen Design als wahrhaft »Deutsch« umworben. Aber die Sache hat einen Haken

Donnerstag, 10. Juni 2010

Zeit, dass sich was dreht: WM-Fieber im Libanon

Liebe LeserInnen,


das Warten hat ein Ende. Die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika hat begonnen. Ob mit Vuvuzela oder in Flaggen gehüllt: weltweit fiebern Fußball-Fans bei den Spielen ihrer Nationalmannschaften mit – auch im Nahen Osten. Zwar ist mit Algerien nur ein arabisches Land bei dem Vier-Jahres-Showdown dabei, trotzdem ist die Begeisterung am Fußball von Aleppo bis Alexandria, Beirut bis Beer’Sheva riesengroß. Deshalb begleitet Alsharq die WM mit Texten und Bildern. Den Anfang macht der Libanon.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Justizaffäre in Ägypten und Israel: Die Akte Tarabin

von Nils Metzger

Seit zehn Jahren sitzt ein junger israelischer Beduine in einem ägyptischen Gefängnis: Er soll für den Mossad spioniert haben. Sein Anwalt erhebt schwere Vorwürfe gegen die Regierungen Israels und Ägyptens: Ouda Tarabin sei ein Bauernopfer der großen Politik

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Dienstag, 8. Juni 2010

Linke-Abgeordnete Inge Höger im Interview: »Vorwürfe der Israelis wirken doch sehr konstruiert«

Inge Höger von der Linkspartei beteiligte sich als eine von fünf Deutschen an der »Gaza Freedom Flotilla«. Im Interview berichtet sie, wie sie die umstrittene Organisation IHH wahrgenommen hat, warum sie den israelischen Streitkräften nicht traut und welche politischen Folgen der Vorfall haben wird

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Freitag, 4. Juni 2010

Stimmen zur "Freedom Flotilla" aus Israel, Palästina und der Türkei

Liebe Leserinnen und Leser,

wir haben uns in Israel, Palästina und der Türkei umgehört und einige Stimmen von Bekannten zum Angriff auf die Freedom Flotilla eingefangen.

Wa’il, Nablus

Ich bin fest davon überzeugt, dass Israel ein schweres Verbrechen gegen die Menschheit begangen hat. Gleichzeitig hat Israel der internationalen Freiheits- und Solidaritätsbewegung mit dem palästinensischen Volk einen großen Gefallen getan, der Angriff unterstützt die Bewegung.

Donnerstag, 3. Juni 2010

TV-Doku über die Muslimbrüder: Aufruhr in Ägypten

Eine neue Fernseh-Dokumentation über die frühen Tage der Muslimbruderschaft und ihren Gründer Hassan al-Banna sorgt für Aufruhr und heftige Debatten in Ägypten. Viele Anhänger der größten Oppositionspartei kritisieren die enge Zusammenarbeit zwischen den Filmemachern und Regierungsbehörden

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Dienstag, 1. Juni 2010

Presseschau zum Angriff auf die "Freedom Flotilla"

Ein Beitrag von Christoph Sydow, Kathrin Hagemann und Dominik Peters

Die Erstürmung der „Freedom Flotilla“ durch israelische Marinekommandos am Montag Morgen beherrscht die Kommentarspalten in arabischen, türkischen und israelischen Zeitungen. Die arabischen Kommentatoren verurteilen den israelischen Angriff scharf, türkische Blätter bezeichnen die Militäraktion im Mittelmeer als Barbarei. Israels Kommentatoren sind gespalten zwischen selbstkritischen Stimmen einerseits und großem Unverständnis auf die internationalen Reaktionen andererseits.

Montag, 31. Mai 2010

Konfrontation vor Gaza: Von der Sackgasse in den Abgrund

Die blutige Stürmung der »Gaza Freedom Flotilla« löst internationale Empörung und israelische Selbstverteidigungsreflexe aus. Trotz undurchsichtiger Faktenlage steht fest: Israels Gaza-Politik ist gescheitert, die internationale Gemeinschaft muss auf das Ende der Blockade drängen

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Freitag, 28. Mai 2010

Mystik, Politik und Party - Ein Bericht zu unserer Libanonreise

Liebe Leserinnen und Leser,

im April dieses Jahres organisierte Alsharq eine politisch-kulturelle Reise in den Libanon. Neben den beeindruckenden historischen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten konfrontierten wir die Reiseteilnehmer mit den politischen Realitäten des Zedernstaates. Beispielsweise konnte sich die Gruppe vor Ort ein Bild von den bedrückenden Umständen in einem palästinensischen Flüchtlingslager machen. Außerdem konnten die Reisenden während eines abschließenden Workshops offene Fragen mit Journalisten, Professoren und politischen Analysten diskutieren.

Uns hat die Reise große Freude bereitet, weshalb wir im kommenden Jahr eine weitere Reise in den Libanon anbieten werden. Bereits im September wird Alsharq-Mitglied Simon eine 38-köpfige Gemeinde aus Süddeutschland durch den Libanon führen. Falls Interesse an Reisen in andere Länder im Nahen Osten besteht - etwa Syrien, Jordanien oder Israel und Palästina - nehmen wir Aufträge gerne entgegen.

Hier nun der Reisebericht von Nils Metzger, der im April dabei war.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Alsharq-Interview mit Wa'el Qut, Mitglied eines Palästinensischen Kommunalrats

Liebe Leserinnen und Leser,

Wa'el Qut ist das jüngste Mitglied des Kommunalrats von Madama, einem kleinen Dorf in der Nähe von Nablus. Hauptberuflich arbeitet Wa'el als Rechtsanwalt für die Zweigstelle des Jerusalem Legal Aid and Human Rights Center in Ramallah. Alsharq sprach mit Wa'el über seine Tätigkeit im Kommunalrat, die Einschränkungen durch die Besatzung und das Verhältnis zur nur wenigen Kilometer von Madama entfernt gelegenen Siedlung Yitshar, deren Bewohner in der Vergangenheit wiederholt umliegende Dörfer, aber auch das israelische Militär attackiert haben.

Mittwoch, 26. Mai 2010

»Ich war tot – jetzt lebe ich«

Der Film »Du sollst nicht lieben« berührt und verstört. Noch nie ist das experimentierfreudige israelische Kino so weit gegangen wie mit Haim Tabakmans erstem Spielfilm, der ein Tabu berührt – Homosexualität im ultraorthodoxen Judentum

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Montag, 24. Mai 2010

Sex, Lügen und Video

CHP-Chef Deniz Baykal stürzt über ein verfängliches Internetvideo. In der Türkei gibt das Anlass, eifrig über Moral in der Politik, vor allem aber über den Richtungsstreit der Kemalisten zu diskutieren – kaum jemand denkt dabei an die durch das Video belastete CHP-Abgeordnete Nesrin Baytok

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Samstag, 22. Mai 2010

„Wir wollen Filme, die uns berühren“


 Die Jury des Internationalen Filmfestivals von Cannes vergibt morgen die „goldene Palme“, einen der wichtigsten Preise, die es für Regisseure weltweit zu gewinnen gilt. In den vergangenen Tagen wurden an der Cote d’Azur Filme aller Genres gezeigt: Da ritt Russel Crowe in Strumpfhosen durch den Sherwood Forrest, Michael Douglas spielte im zweiten Teil von Oliver Stones „Wall Street“ den geläuterten Gordon Gecko und Sean Penn brillierte im CIA-Streifen „Fair Game“. Daneben gab es aber auch einige Filme aus der arabischen Welt, die zwar nicht mit Hollywood-Stars besetzt waren, dafür aber umso mehr die Anforderungen erfüllen, die zum Gewinn der Trophäe notwendig sind.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Fußball-WM 2022 - Katar will den Kick

Am 2. Dezember 2010 entscheidet das FIFA-Exekutivkomittee über die Vergabe der Fußballweltmeisterschaften 2018 und 2022. Mit Katar bewirbt sich erstmals ein Land aus dem Nahen Osten um die Ausrichtung des weltgrößten Fußballturniers. 2022 will das Emirat WM-Gastgeber sein.

Sonntag, 16. Mai 2010

Verkauft. Verraten. Vereint. Wie eine neue Friedensbewegung Israel zu retten versucht

Von Judith Althaus und Henrik Meyer

Am Mittwoch feierte Israel mit dem „Jerusalem Day“ den 43. Jahrestag der Wiedervereinigung Jerusalems, der Eroberung Ostjerusalems und seiner Altstadt im 6-Tage-Krieg. Seinem Publikum auf dem Ammunition Hill, der 1967 Kriegsschauplatz der Auseinandersetzungen zwischen der israelischen und der jordanischen Armee war, versprach der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu in einem Gedenkgottesdienst für die gefallenen israelischen Soldaten, dass Jerusalem „niemals wieder eine geteilte, düstere und halbierte Stadt“ sein werde. Den Hoffnungen der Palästinenser, die in Ostjerusalem die Hauptstadt ihres zukünftigen Staates sehen, erteilt der Premier damit die gewohnte Absage. Seine Botschaft mit sich tragend zogen Gruppen von Siedlern den ganzen Tag über singend und Fahnen schwenkend durch Ostjerusalem.

Samstag, 15. Mai 2010

Präsident im Sonderangebot

Der amerikanische Präsident mit kenianischem Vater wird in Afrika grenzenlos verehrt. Während sich in den USA nach über einem Jahr Amtszeit Ernüchterung breit macht, ist Obama in Afrika ein Popstar. Die Spannbreite an Produkten mit seinem Konterfei scheint dabei keine Grenzen zu kennen

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Dienstag, 11. Mai 2010

Eine gordische Affäre

Von Daniel Gerlach

Der Streit um drei antike Trinkschalen im Rhein-Main-Gebiet steuert auf ein dramatisches Ende zu: Es geht um Existenzgrundlagen des Antikenhandels – und um die deutsch-türkischen Beziehungen

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Sonntag, 9. Mai 2010

Aufmarsch der Gotteskrieger

Ehud Barak mag es luxuriös. In Tel Aviv gehört ihm ein 485-Quadratmeter-Appartement im 31. Stock der feudalen „Akirov Towers“. Wenn der israelische Verteidigungsminister bei wolkenfreiem Wetter aus dem Fenster schaut, sieht er das strahlend blaue Mittelmeer. In der vergangenen Woche wurde der Panoramablick allerdings gestört.

Freitag, 7. Mai 2010

Abschiebung in 24 Stunden

Im Libanon haben ausländische Ehemänner von Libanesinnen keine Möglichkeit die Staatsbürgerschaft des Landes zu erhalten und sind daher genauso wie die Kinder ausländischer Väter regelmäßig von Abschiebung bedroht. Wir sprachen mit Eugene Sensenig-Dabbous von der Bewegung »Fathers and Sons for Citizenship«


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Dienstag, 4. Mai 2010

Interview mit dem Präsidenten der Green Party of Lebanon, Philippe Skaff

In diesen Tagen herrscht wieder Wahlkampf im Libanon. Doch im Gegensatz zu den aufgeheizten Parlamentswahlen laufen die Kommunalwahlen für libanesische Verhältnisse ausgesprochen friedlich ab. Doch obwohl Sachfragen auf Stadtteilebene im Vordergrund stehen, haben wieder einmal eigentlich nur die Politiker der etablierten, konfessionalistischen Parteien eine realistische Chance in die Bezirksverordnetenversammlungen einzuziehen. Unabhängige Kandidaten haben es schwer – die junge grüne Partei des Libanon versucht es trotzdem – mit ökologischen Schwerpunkthemen, die zwar viele Wähler interessieren, aber noch kaum mobilisieren. Alsharq sprach mit dem Präsidenten der Green Party of Lebanon, Philippe Skaff, über die Hürden des Parteiensystems, die Umweltprobleme des Libanon, ökologisches Bewusstsein und erste Erfolge.

Montag, 3. Mai 2010

»Demokratisierung durch Fußball«

Eine bürgerliche Organisation aus Gambia geht neue Wege, um die Bevölkerung mit politischer Bildung zu erreichen. zenith sprach mit Madi Touray, dem Generalsekretär der »Alliance for Democracy in Africa«, über das Verhältnis von Kicken zu Volksherrschaft
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Sonntag, 2. Mai 2010

Der Träumer vom Gelobten Land

Lake Success ist ein kleines, verschlafenes Nest im US-Bundesstaat New York. 2800 Seelen leben zwischen Wiesen und Wäldern, in denen sich die Blätter der Laubbäume im Herbst malerisch färben. Es gibt eine Highschool und einen Golfclub, der jeden Sonntag zum Familienbrunch einlädt. Doch Lake Success unterscheidet sich von seinen Nachbargemeinden, es ist ein historisch einzigartiger Ort. Am 29. November 1947 tagte hier die UN-Vollversammlung, um über die Teilung Palästinas abzustimmen. Das Scheitern des Plans führte zur Gründung des Staates Israel, der dieses Jahr seinen 62. Unabhängigkeitstag feiert – und Theodor Herzl, den geistigen Vater des Zionismus. Er wäre heute 150 Jahre alt geworden.

Donnerstag, 29. April 2010

Das Feuer von Lag BaOmer

In Israel wird es dieses Wochenende brennen. Das ist Tradition am LagBaOmer-Fest, das zwischen Pessach und Schawuot begangen wird. Der Ursprung des Festes geht auf die Mystiklehre der Kabalah, den Bar-Kochba-Aufstand und Rabbi Schimon bar Jochai zurück: Ein Lagerfeuer an diesem Fest zu entzünden ist Brauch – nun aber wollen Radikale und Rechte den Feiertag für ihre Ideen instrumentalisieren.

Montag, 26. April 2010

„Sohn der Hamas“ - Eine Rezension

Mosab Hassan Yousef ist ein gefragter Mann bei CNN, BBC & Co und gibt auch deutschen Magazinen gerne Interviews. Grund ist sein autobiographisches Buch „Sohn der Hamas“, in dem er seine schier unglaublich klingende Lebensgeschichte erzählt. Und die geht kurzgefasst so:

Mosab wächst als Sohn eines Gründungsmitglieds und ranghohen Führers der Hamas im Westjordanland auf, leidet wie seine Mitmenschen unter der israelischen Besatzung und den regelmäßigen Verhaftungen seines Vaters, wird als Jugendlicher immer radikaler und verspürt mit 18 Jahren den Wunsch, Israelis zu töten. Dafür versucht er stümperhaft an Waffen zu kommen. Er wird aber übers Ohr gehauen und bekommt für sein Geld funktionsunfähiges Material. Dieses verunglückte Waffengeschäft wird ihm zum Verhängnis, denn er bespricht das Problem mit seinem Komplizen am Telefon. So fliegt er auf und wird von Israel verhaftet. Er landet in verschiedenen Gefängnissen und wird von israelischen Soldaten und Gefängniswächtern schwer misshandelt und erniedrigt. Nach einem grausamen Aufenthalt im Untersuchungsgefängnis Moskobiyeh, wo er erstmals Kontakt zum israelischen Inlandsgeheimdienst Shin Beth erlangt, wird er in das Gefängnislager Megiddo geschafft, wo er mit Hunderten anderen Gefangenen seine Haftstrafe absitzt. Wegen des abscheulichen Umgangs der Hamasleute untereinander überdenkt Mosab seine Haltung. Noch im Gefangenenlager reift sein Entschluss, mit Israel im Kampf gegen den Terrorismus zusammenzuarbeiten. Es beginnt eine spektakuläre Agentenmission zur Zeit der Zweiten Intifada, die darauf ausgerichtet ist, Selbstmordanschläge und andere Gewalttaten gegen Israel zu verhindern, aber zugleich auch ihm nahe stehende Personen, wie seinen Vater, vor der Liquidierung zu schützen. Parallel zu dieser Umorientierung sagt er auch dem Islam ab, wendet sich dem Christentum zu und lässt sich schließlich taufen. Kein Wunder, dass dieser sensationelle Lebenswandel für globales Interesse und Aufmerksamkeit sorgt und einen enormen Erfolg des Buches garantiert.

Samstag, 24. April 2010

Yahya Al-Houthi im Exklusivinterview mit Alsharq

Seit sechs Jahren leidet der Jemen unter einem Bürgerkrieg zwischen der Staatsmacht und der schiitischen Bewegung der Houthis. Der Konflikt wird vor allem in der Provinz Saada, der nördlichen Grenzregion zu Saudi-Arabien, ausgetragen. In nunmehr sechs Kriegen seit 2004 versucht dort die Regierung unter Präsident Ali Abdallah Salih die schiitischen Rebellen des Houthi-Clans zu zerschlagen. Der Konflikt hat Tausenden das Leben gekostet und etwa 150.000 zu Flüchtlingen gemacht.

2009 weiteten sich die Kampfhandlungen auch auf Saudi-Arabien aus, als die saudische Luftwaffe Stellungen der Houthis im Norden des Jemen bombardierte. Der Konflikt hat auch eine religiöse Dimension: Die Houthis gehören der zaidischen Richtung des schiitischen Islam an und die sunnitisch dominierte Regierung des Jemen, wie auch Saudi-Arabien, werfen dem Iran vor, die Houthis für ihre Machtpolitik zu benutzen und den Konflikt anzustacheln. Die Houthis wiederum sehen sich als Opfer einer saudisch-wahhabische Verschwörung.

Im Februar 2010 einigten sich die Houthis mit der Regierung auf einen Waffenstillstand und den Austausch aller Gefangenen. Seitdem ruhen die Waffen, aber die Houthis fordern weiterhin die Freilassung von 1000 ihrer Leute.

Yahya Badraddin al-Houthi ist ein Führer der Bewegung und war Abgeordneter im jemenitischen Parlament, als er 2005 nach Deutschland kam. Wegen der Gewalteskalation lebt er bis heute in Deutschland und vertritt die Interessen der Houthi-Bewegung im Ausland. Mittlerweile hat das jemenitische Parlament seine Immunität aufgehoben. In Abwesenheit hat ihn im Februar 2010 ein Gericht zu 15 Jahren Haft verurteilt, wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Sein Bruder Abdul Malek gilt als militärischer Führer der Houthis im Jemen.


Die Fragen stellte Maximilian Felsch



Dienstag, 20. April 2010

Der steinige Weg zur Gleichberechtigung: Zur Situation der Kurden in der Türkei

von Janina Urban

Welche vorrangige Bestrebung der türkische Ministerpräsident Recip Tayyip Erdoğan hatte, als er im Mai 2009 im Rahmen einer „demokratischen Öffnung“ mehr Rechte für Kurden ankündigte, wird immer deutlicher: Nicht die Lösung des seit Staatsgründung andauernden Konflikts zwischen dem türkischen Staat und seiner kurdischen Minderheit scheint sein Motiv gewesen zu sein, sondern der Erhalt seiner Macht. Dieser Eindruck ergibt sich zumindest mit Blick auf die von der regierenden „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (AKP) eingebrachte Initiative für eine Verfassungsreform und dem teils unsensiblen Vorgehen Erdoğans bei seinen „Kurdeninitiativen“.

Samstag, 17. April 2010

Die Parlamentswahlen im Irak: Eine Analyse

Am 7. März wählte der Irak ein neues Parlament. Die Auszählung der Stimmen zog sich über Wochen hin, dann stand fest: Wahlsieger ist die Iraqiyya-Liste, angeführt vom ehemaligen Premierminister, dem Schiiten Iyad Allawi. Sein Bündnis errang zwei Mandate mehr als die Rechtsstaatsliste des amtierenden Regierungschefs Nuri al-Maliki. Die drittmeisten Stimmen konnte die Nationale Irakische Allianz, ein Bündnis des Schiitenpredigers Muqtada al-Sadr und des Obersten Islamischen Rates im Irak, verbuchen. Bis zur Bildung einer stabilen Regierung und der Vereidigung eines neuen Premiers dürften noch einige Wochen vergehen und gegenwärtig scheint noch vollkommen offen, wer die Regierung künftig führen wird. Aus diesem Grund soll der Fokus unserer Analyse zunächst auf das Wahlergebnis und mögliche Gründe für das Abschneiden der einzelnen Listen bei den Wahlen gerichtet sein.

Freitag, 16. April 2010

Die Hüter des Gesetzes

Über die Samaritaner ist vielen kaum mehr bekannt als die neutestamentliche Erzählung vom barmherzigen Samariter. Deshalb soll in der Reihe „Israel – Die Entstehung einer Mosaikgesellschaft“ ein Blick auf die religiöse Minderheit geworfen werden, die in zwei Gemeinden in Holon bei Tel Aviv und in Kriyat Luza am Berg Garizim bei Nablus lebt.

Mittwoch, 14. April 2010

Der Seismograph der Freiheit

Fünf Monate durften Israels Medien nicht über die unter Hausarrest stehende Journalistin Anat Kamm berichten. Möglich machen das rigide Pressegesetze aus Kolonialtagen. Die Militärzensur greift darauf zurück, um Sicherheitsinteressen zu schützen – und untergräbt das demokratische Fundament.

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Dienstag, 13. April 2010

Wahlen im Krisenherd Sudan

Freie Wahlen, die dem Wähler tatsächliche Alternativen bieten, sind rar in der 22 Staaten umfassenden arabischen Welt. Zu den wenigen Ausnahmen zählen der Libanon mit seinem konfessionalistischen Wahlsystem, sowie der Irak seit dem Sturz Saddam Husseins. Zum ersten mal seit 24 Jahren haben seit Sonntag nun auch die Sudanesen die Möglichkeit, ihren Staatspräsidenten, das nationale Parlament, regionale Legislativräte sowie sämtliche Provinzgouverneure zu wählen.

Sonntag, 11. April 2010

Und es ward ... Dunkelheit: Zur Situation der Pressefreiheit in Marokko

von Kathrin Altmann

Zehn Jahre nach der Thronbesteigung Mohammads VI ist Marokko ein Land zwischen Monarchie und Kapitalismus, dessen liberale Jahre schon lange zurückzuliegen scheinen. Die Hoffnung nach mehr Freiheit und Demokratie, die sich nach dem Tode Hassans II, Mohammads Vater, geregt hatte, wird seit dem Jahr 2007 kontinuierlich enttäuscht. Die goldenen Jahre der Presse- und Meinungsfreiheit um die Jahrtausendwende, zur Zeit des Herrscherwechsels, scheinen wie verflogen. Auch „Reporter ohne Grenzen“ weisen seit Jahren auf die Verschlechterung der Situation für unabhängige Berichterstattung in Marokko hin.

Donnerstag, 8. April 2010

Der Ritter aus Wischnewa

Sir Shimon Peres – so darf sich Israels Präsident nennen, seit ihn die Queen 2008 in den Ritterstand erhoben hat. Aber viel wichtiger als das Große Kreuz des Ordens vom Heiligen Michael und Georg dürfte ihm der Friedensnobelpreis sein, den er 1994 zusammen mit Yassir Arafat und Yitzak Rabin erhalten hat. Der 84-Jährige aber ist nicht nur Friedenspolitiker, sondern auch Nationalist. Das jedenfalls versucht die israelischen Historikerin Tamar Amar-Dahl, die seit 1996 in Deutschland lebt, in ihrer jüngst erschienenen Dissertation zu belegen – und es gelingt ihr. Auf 464 Seiten arbeitet die Dozentin der Humboldt-Universität das Profil eines Mannes heraus, der zu den kontroversesten Figuren der israelischen Geschichte gehört.

Mittwoch, 7. April 2010

»Ist das unser größtes Problem?«: Presseschau zu türkischen Schulen in Deutschland

In Deutschland stieß der Forderung des türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan nach türkischsprachigen Schulen weitgehend auf Ablehnung. Türkische Kommentatoren führen die Debatte ebenfalls kontrovers und überraschend differenziert – und gehen hart mit Erdogan ins Gericht

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Dienstag, 6. April 2010

Die Seele der grünen Hände

Mohammad Reza Mortazavi erfindet das Trommeln ganz neu. Mit der Tombak im Gepäck tourt der Iraner zurzeit durch Deutschland. Im Gespräch mit zenith berichtet Mortazavi über musikalische Grenzerfahrungen, die grüne Bewegung im Iran und Mozart

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Freitag, 2. April 2010

Nächstes Jahr in Jerusalem

Israel feiert Pessach und erinnert an den Exodus aus Ägypten vor über 3000 Jahren. Die Ausrichtung des öffentlichen Lebens auf das »Fest der der Freiheit« führt immer wieder zu religiösen Spannungen – und kanalisiert den israelischen Identitätskonflikt zwischen Orthodoxen und Säkularen

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Donnerstag, 1. April 2010

Bildung schlägt Taliban

Der Geograf Sardar Kohistani kehrt als erster Absolvent des DAAD-Promotionsprogramms nach Afghanistan zurück. Im Interview berichtet Kohistani über den Wert der Bildung für die Zukunft seines Landes, Studieren unter den Taliban und wie ihn die Zeit in Deutschland verändert hat

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Schweizer baut erste Kirche in Saudi-Arabien

Noch in diesem Jahr beginnt in Riad der Bau der ersten Kirche in Saudi-Arabien. Dies erklärte Religionsminister Prinz Majnun bin Saud gestern in einem Interview mit der Zeitung al-Salib. Die Kirche wird nach Plänen des Schweizer Architekten Urs Rütli errichtet. Der Bau soll ein architektonischer Meilenstein im Stadtbild Riads werden. Besonders der Kirchturm hat das Potential eine Sehenswürdigkeit in der Wüstenmetropole zu werden.

Mittwoch, 31. März 2010

Sinnlos in Sirte

Beim ihrem jährlichen Gipfeltreffen in Libyen stellten die arabischen Regierungen am vergangenen Wochenende ihre Uneinigkeit offen zur Schau. Gastgeber Gaddafi genoss die Aufmerksamkeit und sonnte sich im Scheinwerferlicht. Das alles zeigt, wie irrelevant der Staatenbund geworden ist.

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Die Opposition im Jemen: Reale Machtalternative oder harmloses Zweckbündnis?

von Anna Theißing

Der Jemen steht gegenwärtig vor großen Herausforderungen. Die amtierende Regierung um Präsident Ali Abdullah Saleh und seiner Partei, dem Allgemeinen Volkskongress (AVK) wird von verschiedenen inneren Kräften bedroht. Schlagzeilen machen in diesem Kontext vor allem die shiitische Houthie-Bewegung und die Terrororganisation Al-Qaeda.

Dabei bleibt oft unerwähnt, dass sich unabhängig vom militanten Islamismus, der im Jemen ohnehin keine Massenbewegung darstellt, eine breite politische Opposition gegen das Regime Ali Salehs formiert hat. Diese besteht aus zwei Sammelbewegungen, die sich beide aus vormals verfeindeten islamistischen und sozialistischen Strömungen zusammensetzten. Dabei handelt es sich zum einen um die Joint Meeting Parties (JMP), zum anderen um die außerparlamentarische Unabhängigkeitsbewegung.

Auf den ersten Blick scheint sich eine enge Zusammenarbeit der beiden Gruppierungen anzubieten. Haben sie es doch zumindest vorübergehend geschafft ehemals gegnerische Lager unter einen Hut zu bringen. Da sollte eine Kooperation für zwei Organisationen ähnlicher Zusammensetzung, die sich im Kampf gegen den gleichen Feind, das Regime Ali Salehs, befinden, ein leichtes sein. Aber so einfach stellt sich die Situation nicht dar. Betrachtet man die Gruppierungen genauer, lassen sich entscheidende Unterschiede feststellen, die in der Realität zunehmend ihren Ausdruck finden.

Dienstag, 30. März 2010

Rasenmähen in Afghanistan

von Hauke Fokken

Am 13. Februar 2010 startete die ISAF-Operation „Moshtarak“. Ziel war die Provinzhauptstadt Marjah in Helmand, ein von Taliban und Drogenbaronen beherrschtes Gebiet im Süden Afghanistans. In der größten Offensive seit acht Jahren waren insgesamt 15.000 afghanische und ISAF Soldaten beteiligt. Militärisch gesehen war Operation „Moshtarak“ ein Erfolg, denn nach nur zwölf Tagen konnte die Stadt gegen wenig Widerstand eingenommen werden. Nur stellt sich die Frage, ob die Lage in Marjah weiterhin stabil bleiben wird, wenn die Truppen abgezogen sind oder der „Rasen“ wieder einmal nur „gemäht“ wurde: viele ähnliche Missionen, die zum Ziel hatten, Städte von den Taliban zu befreien, sind daran gescheitert, weil zu wenige Soldaten und Sicherheitskräfte der Polizei dort nach der Eroberung abgestellt wurden. So konnten die Taliban zurückkehren, was wiederum einen neuen Befreiungseinsatz der Alliierten zur Folge hatte. Dieses frustrierende Spiel wurde schließlich von den Soldaten „Rasen mähen“ genannt.

Samstag, 27. März 2010

Treffen der Arabischen Liga in Libyen - »Der Gipfel der Gipfel«

Am Samstag beginnt in Libyen das jährliche Gipfeltreffen der Arabischen Liga. 65 Jahre nach seiner Gründung zeigt sich das Bündnis gespalten wie selten zuvor. Viele Staatschefs bleiben zuhause. Greifbare Ergebnisse sind vom Treffen in Sirte daher nicht zu erwarten

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Freitag, 26. März 2010

Tödlicher Aberglaube

von Sara Mehring

An saudischen Gerichten werden immer mehr Menschen wegen Zauberei angeklagt und mit drakonischen Strafen belegt. Die religiöse Rechtfertigung überdeckt das eigentliche Problem: Dem Rechtssystem des Königreichs fehlen verbindliche Standards und vor allem ein Strafgesetzbuch.

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Donnerstag, 25. März 2010

»Der Druck wird Erfolgsmeldungen produzieren«: Interview mit SWP-Expertin Citha Maass über die Nato-Offensive in Südafghanistan

»Moshtarak« soll die Wende bringen: Die großangelegte Nato-Offensive in Südafghanistan zielt auf die Taliban und ihre Drogenhochburgen. Einer langfristigen Stabilisierung steht aber nicht zuletzt die korrupte Führungselite im Weg, meint SWP-Expertin Citha Maass

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Veranstaltungshinweis - Europäische Iranpolitik in der Sackgasse?

In dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) vom Februar 2010 wird die von Teheran behauptete Uran-Anreicherung auf 20 Prozent bestätigt, was zur Folge hat, dass der UN-Sicherheitsrat, aber auch die Europäer wieder über neue Sanktionen beraten. Da die bisherige Sanktionspolitik die iranische Regierung allerdings wenig beeindruckt zu haben scheint, stellt sich die Frage, ob weitere Sanktionen der richtige Weg sind.

Diese aktuellen Ereignisse möchte die Deutsche Atlantische Gesellschaft gemeinsam mit dem Referenten Herrn Dr. Walter Posch von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zum Anlass nehmen, um die Frage: "Die Sanktionsspirale dreht sich - Europäische Iranpolitik in der Sackgasse?" zu erörtern und zu diskutieren.

Zu der Veranstaltung am 19. April 2010 in der Stadtbücherei in Münster sind Sie herzlich eingeladen. Das Einladungsschreiben finden Sie hier (PDF).

Dienstag, 23. März 2010

Aussteigerprogramm für moderate Taliban: Hilfe zur Selbsthilfe oder Subventionierung des Terrorismus?

von Dorte Hühnert

Die Rückkehr der niederländischen Königin aus dem Skiurlaub und der Afghanistankonflikt haben auf den ersten Blick nichts gemein. Deutlicher wird der Zusammenhang mit dem Grund der abrupten Rückreise, denn Königin Beatrix musste die amtierende niederländische Regierung auflösen, die sich über den Afghanistankonflikt so sehr zerworfen hatte, dass Neuwahlen die einzig verbleibende Lösung darstellten.

Montag, 22. März 2010

Vollgas im Zickzack

Netanjahus unbeugsame Siedlungspolitik hat Amerika einen Schlag ins Gesicht versetzt. Doch die Brüderschaft zwischen den USA und Israel wird diese Irritation überleben – trotz wachsender Kritik der wichtigsten US-Militärs

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Die Rolle der Bourgeoisie in Saudi-Arabien

Liebe LeserInnen,
Said Khalid Scharaf stellt im Folgenden seinen Artikel "Institutioneller Wandel und die Rolle der Bourgeoisie in Saudi-Arabien" vor, der kürzlich in Ulrike Freitags Aufsatzband "Saudi-Arabien: Ein Königreich im Wandel?" erschienen ist. 
 
Wer regiert eigentlich in Saudi-Arabien? Die Antwort auf diese Frage scheint so offensichtlich, dass ihr selten nachgegangen wird. Als absolute Monarchie hat der König natürlich die absolute Autoriät inne. Aber wie genau kommen seine Entscheidungen zustande? Der Begriff "Realpolitik" trifft es in diesem Fall recht genau. Nicht nur in demokratischen Systemen, auch im Falle des saudischen Königreichs ist das Zustandekommen politischer Entscheidungen ein komplexer Prozess, und in beiden Fällen spielen Lobbygruppen eine wichtige Rolle.

Eine für Saudi-Arabien bisher vernachlässigte Lobbygruppe oder Interessengemeinschaft ist die saudische Bourgeoisie. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass es im Königreich nicht üblich ist über Besitzverhältnisse zu sprechen, ist ihr Einfluss kaum untersucht worden. Dass Verbindungen zwischen der politischen und der wirtschaftlichen Elite ungerne offen thematisiert werden, hat mit der informellen Natur dieser Verbindung zu tun.

Sonntag, 21. März 2010

Machtkampf um IslamOnline - Streik im Netz

Die Redakteure des größten muslimischen Web-Portals IslamOnline rebellieren gegen die neuen Vorgaben der konservativen Führung in Katar und treten in den Streik. Im Hintergrund vermittelt der Islamgelehrte und IslamOnline-Mitbegründer Yusuf al-Qaradawi zwischen den Streitparteien.

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Samstag, 20. März 2010

Zwischen Hightech, H&M und Haredim

Israel hat sich vom Agrarland zur Hightech-Supermacht entwickelt – und die Weltwirtschaftskrise verhältnismäßig gut überstanden. Die „Bank of Israel“ rechnet mit 3,5 Prozent Wachstum für 2010. Die Übernahme des deutschen Billigmedikamentenhersteller Ratiopharm für 3,6 Milliarden Euro durch den israelischen Pharmakonzern Teva (hebr. Natur) ist eine weitere Erfolgsgeschichte aus „Silicon Wadi“.

Freitag, 19. März 2010

Totgebloggte leben länger

Von Nils Metzger

Ein Klinikaufenthalt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak lässt die Blogosphäre mutmaßen, Aktienkurse fallen, hochrangige Militärs sich in Stellung bringen und Aktivisten vom Wandel träumen. All das sind Symptome einer wachsenden politischen Instabilität am Nil

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Donnerstag, 18. März 2010

Paradiesgarten für den sächsischen Sultan

Die »Türckische Cammer« im Dresdner Residenzschloss gewährt Einblick in die Orientbegeisterung der sächsischen Kurfürsten und Könige. Die einmaligen Schätze der prunkvollen Kunstsammlung sind das erste Mal seit siebzig Jahren zu sehen – und werden mit ungewöhnlichen Mitteln beworben

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Mittwoch, 17. März 2010

Das fünfte Rad am Wagen? - Die Schia in Saudi-Arabien

Liebe LeserInnen,

im Folgenden skizziere ich knapp die Situation der Schiiten in Saudi-Arabien. Mit diesem Thema habe ich zum Aufsatzband "Saudi-Arabien: Ein Königreich im Wandel" beigetragen. Das Buch ist ab heute im Handel erhältlich. Fragen zu meinem Aufsatz beantworte ich gerne.

Saudi-Arabiens Schiiten stellen mit etwa einem Zehntel Anteil an der Gesamtbevölkerung eine Minderheit im Königreich dar. In der ölreichen Ostprovinz, auf deren Ressourcen die wirtschaftlliche Stärke und der relative Reichtum des Rentierstaats basieren, bildet die Schia dagegen mit großer Wahrscheinlichkeit die absolute Mehrheit. Dies hindert das Herrscherhaus jedoch nicht daran, die Glaubensströmung in vielfacher Hinsicht zu diskriminieren.

Dienstag, 16. März 2010

Der junge Mann und das Meer

Der Jordanier Ahmed Massade leitet seit dem 5. März 2010 die Mittelmeerunion. Seine Ernennung gilt als wichtiges Zeichen in Richtung der beteiligten arabischen Staaten. Doch kann der Technokrat widerstreitende Interessen von 43 Mitgliedern vereinen und der Gemeinschaft eine Richtung geben?

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Checkpoints und Mehr

Ein Kurzfilm von 'a-Films'

Das Flüchtlingslager Nahr al-Bared hat sich bis heute nicht vom verheerenden Krieg 2007 erholt. Die libanesische Armee hält das Camp und die 20.000 zurückgekehrten PalästinenserInnen nach wie vor fest im Griff. Die militärische Belagerung behindert den wirtschaftlichen Wiederaufbau Nahr al-Bareds stark, da der Zugang enorm restriktiv ist und das Gebiet zur Militärzone erklärt wurde. Nach einer kürzlich erschienenen Studie werden die Präsenz und Maßnahmen der Armee von 98 Prozent der palästinensischen GeschäftsbesitzerInnen als Problem bezeichnet. Das Militär begründet seine Präsenz derweil mit der Garantie der Sicherheit der Flüchtlinge.

Der 30-minütige Film dokumentiert die Konsequenzen der Belagerung Nahr al-Bareds. HändlerInnen und Handwerker erklären ihre spezifischen Probleme und der zuständige UNRWA-Projektmanager, eine Projektkoordinatorin der Palästinensisch-Arabischen Frauenliga, der Präsident des lokalen Händlerkomitees und ein Wissenschaftler schildern ihre Perspektiven und Gedanken zum Thema.

Der Kurzfilm kann hier angeschaut und/oder heruntergeladen werden.

Das autonome Medienkollektiv 'a-films' dokumentiert seit zweieinhalb Jahren die Nachkriegs-Entwicklungen in Nahr al-Bared. Wir haben Reportagen publiziert und etwa ein Dutzend Kurzfilme produziert und veröffentlicht: http://a-films.blogspot.com

Sonntag, 14. März 2010

Der unbekannte Komponist


Dieser Beitrag über den Komponisten und Schriftsteller Naphtali Herz Imber ist der erste Artikel im Rahmen einer Reihe mit dem Titel:

Israel – Die Entstehung einer Mosaikgesellschaft

Diese Reihe soll einen möglichst breiten Überblick über die verschiedenen Bevölkerungsgruppen und ihre Herkunftsländer sowie über die in Israel lebenden religiösen Minderheiten und ihre unterschiedlichen konfessionellen Strömungen bieten. Jeden Monat wird eine Gruppe vorgestellt. Durch die Darstellung der ethnisch-kulturellen Zusammensetzung der Bevölkerung Israels wird dieser Vielvölkerstaat als Ganzes greifbarer und somit auch seine Rolle im komplexen Nahost-Konflikt. 

Mit Naphtali Herz Imber, einem jüdischen Zionisten und dem Verfasser der Hymne des Staates Israel, wurde bewusst eine Person gewählt, die beispielhaft für das Selbstverständnis Israels als jüdischer Staat steht. Von ihm ausgehend sollen in den unterschiedlichen Beiträgen, nach und nach die Veränderungen innerhalb der Gesellschaft des Staates Israel deutlich gemacht werden: die Transformation einer Gesellschaft die von Anfang an – 1948 – durch verschiedene Einwanderungswellen geprägt war und heute – 2010 – als heterogen zu bezeichnen ist.