Mittwoch, 19. September 2012

Akteure und Hintergründe des Abyan-Konflikts im Südjemen

Von Anne-Linda Amira Augustin

Der Jemenitische Frühling hat das Land an den ökonomischen und politischen Abgrund geführt. Dies verstand ich, als ich im August 2012 in den Südjemen reiste. Zuletzt besuchte ich die Region Ende 2010. In dieser Zeit bekam Aden einen neuen Anstrich, damit es repräsentativ für den Fußballcup Khaleeji 20 wurde, der in Aden und in der 50 km entfernten Hauptstadt des Gouvernorates Abyan Zinjibar ausgetragen wurde. 

Aden war damals sicher und obwohl in Abyan Al-Qaida vermutet wurde, konnte man sich frei ohne Angst bewegen und selbst in der Wüste wandern gehen. Damals glaubte keiner so recht daran, dass sich Al-Qaida wirklich in Abyan befinde. Es wurde ein Trick des Saleh-Regimes hinter dieser Behauptung vermutet, um damit die Bewegung des Südens zu torpedieren. Die Bevölkerung Abyans wusste weder wo Al-Qaida sei, noch wer zu ihnen gehörte.

Als ich nun im August 2012 erneut Aden und Abyan besuchte, sah ich Aden als eine gebeutelte Stadt, in der schon lange nicht mehr wegen Streiks der Stadtwirtschaft gereinigt wird und wo Einschüsse in den Häuserfassaden zu finden waren. Die Staatsmacht scheint sich gerade noch in der Hauptstadt Sanaa halten zu können. In Aden weht nur noch die Fahne der Sezessionsbewegung, die sinnbildlich für die Unabhängigkeit und Freiheit der Südjemeniten vom Norden steht. In Abyan und Shabwa treiben sich bis heute Kämpfer Ansar ash-Sharias – einem Zweig Al-Qaidas – herum und das Delta Abyan ist menschenleer, da die Bevölkerung vor den Kämpfen zwischen Ansar ash-Sharia und dem jemenitischen Militär sowie vor den US- und saudischen Luftangriffen floh. Der Südjemen scheint am politischen sowie ökonomischen Abseits angekommen zu sein.

Doch was geschah zwischen meinen beiden Aufenthalten? Dieser Beitrag versucht weniger die Erfolge und Misserfolge des jemenitischen Militärs und Ansar ash-Sharias aufzulisten, als mehr eine Analyse der derzeitigen Situation vor Ort zu geben und der Frage nachzugehen, warum Abyan Austragungsort der Konflikte wurde. Dabei sollen Gespräche mit Einheimischen, deren Namen nur als Pseudonyme wiedergegeben werden, Einblick in das Leben während 2011 bis August 2012 zeigen.

Was ist passiert?

Seit 2007/8 war Abyan ein sehr starkes Protestzentrum der Hirak gunubi – der Bewegung des Südens – die für ein unabhängiges Südarabien, Rechtsstaatlichkeit sowie Ende der Korruption und gegen das brutale Vorgehen von jemenitischen Sicherheitskräften während Protesten demonstrierte. Als sich im Zuge des Arabischen Frühlings die Auseinandersetzungen zwischen dem Pro- und Antiregimegruppen in der Hauptstadt Sanaa intensivierten, wurden Sicherheitskräfte in Abyan abgezogen. Der Verdacht, dass sich Al-Qaida Kämpfer in Abyan befinden, bestätigte sich mit der Übernahme Zinjibars im Mai 2011. Plötzlich wurde Zinjibar zum Wilayat Abyan erklärt. Die jemenitischen Sicherheitskräfte hätten ihre Waffen zurückgelassen, die sich die Kämpfer Ansar ash-Sharias aneigneten.1 Die Bevölkerung flüchtete in das 50 km entfernte Aden, was ehemalige Hauptstadt der Volksdemokratischen Republik Jemen war. Zinjibar wurde Schauplatz von Kämpfen zwischen Ansar ash-Sharia und dem jemenitischen Militär (Artillerie), letztere wurden von US- und saudischen Flugzeug- und Drohnenangriffen unterstützt. Im September 2011 wurde die Nachbarstadt Jaar, das einstige Verwaltungszentrum Abyans, von den Kämpfern Ansar ash-Sharias eingenommen und zu ihrem Verwaltungssitz erklärt. Damit war auch das Emirat Waqar geschaffen, in dem die schwarze Fahne Al-Qaidas mit der weißen Aufschrift „Es gibt keinen Gott, außer Gott und Mohammad ist sein Gesandter“ wehte. Diejenigen, die noch nicht im Mai aus Jaar flohen, packten nun endgültig ihr Hab und Gut zusammen und flüchteten ebenfalls nach Aden, wo mittlerweile mehr als 100.000 Binnenflüchtlinge leben.2 Die sooft als präzise erklärten Drohnen der USA haben Schulen, das nahe Jaar gelegene Zentralkrankenhaus Abyans Razi zerstört und zahlreiche Zivilisten getötet, anstatt das wirkliche Ziel – die Kämpfer Ansar ash-Sharias – zu treffen. 
 
Ende 2011 bis Juni 2012 hatte es den Anschein, dass in Abyan eine Kriegsökonomie aufgebaut wird. Das jemenitische Militär habe zudem die Kämpfer mit Nahrungsmitteln und Waffen versorgt. Die Abschlachtung hunderter Soldaten bei Dofis durch die Kämpfer Al-Qaidas im Frühjahr 2012 zeigt allerdings das Gegenteil, zumindest auf dem Schlachtfeld.3

Am 12. Juni 2012 erhielt ich früh am Morgen eine SMS, in der stand: „Dringend – Armee ist in Jaar eingedrungen. Al-Qaida hat sich zurückgezogen.“ Es war verwunderlich, dass Al-Qaida so plötzlich Abyan verließ, wo ich mich doch gerade auf eine langjährige Kriegsökonomie und Etablierung des Emirats einstellte. Das jemenitische Militär feierte seinen Erfolg und offiziell wurde verkündet, dass eine großartige Offensive die Kämpfer zurückschlug.

Als ich nun im August 2012 die Region besuchte, wurde mir schnell bewusst, dass Ansar ash-Sharia immer noch sehr präsent ist. Gleich an meinem Ankunftstag am 18. August wurde ein Gebäude der Sicherheitskräfte in Tawahi / Aden von Al-Qaida hochgebombt. Am gleichen Tag fuhr ich noch nach Abyan, wo überall die legan shaabi – Milizen, die sich aus jungen Männern der Dörfer zusammensetzen – patrouillierten. Sie kontrollierten die Autos genauso wie die zentralen Sicherheitskräfte der aman markazi.

Die jungen Männer der Milizen würden vom Gouverneur selbst bezahlt werden, damit sie die Region gegen Al-Qaida schützen, gemäß einem Mann aus Abyan. Allerdings wird bereits jetzt schon ein Problem bei der Auflösung der bewaffneten Milizen gesehen.

Die darauffolgenden Tage in Abyan waren nicht sehr ruhig, wie man es zum Aid – dem Ende des Ramadans – erwarten sollte. In Batais und Mudiya starben Menschen, weil Autobomben explodierten. An den darauffolgenden Tagen wurden die Milizen von bewaffneten Männern angegriffen oder Menschen in Moscheen erschossen. Es schien, als würde bewusst Angst und Schrecken im Südjemen verbreitet werden. Am Tag des Fastenbrechens, den 19. August, flogen den ganzen Tag US-amerikanische Drohnen über Abyan. Man feierte, saß zusammen und hörte ständig das leichte Summen einer Todesdrohne.

Mir wurden Videos von Ansar ash-Sharia gezeigt, die zweimal in der Woche während ihrer Herrschaft die Dörfer rund um Jaar besuchten und den Menschen ihre Heldentaten in Filmvorführungen zeigten. Ich sah Videos, wie sie Soldaten die Kehlen durchschnitten und anschließend den ganzen Kopf abtrennten und wie sie einen Mann kreuzigten. Was wollten sie mit diesen Videos bezwecken, fragte ich einen Mann. Er antwortete mir:

Wir haben alle die Videos angeschaut und geschwiegen. Wir hatten Angst vor ihnen. Sie wollten damit neue Kämpfer rekrutieren oder Angst machen.“ (Anis, ehemaliger südjemenitischer Militär, 19. August 2012)

Ansar ash-Sharia versuchte einen parallelen Staat zum jemenitischen zu errichten. Frauen erzählten, dass ein Mann Ansar ash-Sharias aus Dhamar stammt und acht Jahre in den USA lebte und studierte. Er war der Verantwortliche für das Schulwesen im Emirat. 
 
Es wurden statt der zwei Schulzeiten [vormittags Jungen, nachmittags Mädchen], drei Schulzeiten eingerichtet, weil Frauen nicht mehr die Jungen ab einem bestimmten Alter unterrichten durften. Erst wurden die kleinen Jungen am Vormittag, dann die älteren Jungen und am Nachmittag die Mädchen unterrichtet. Auch Inhalte aus den Lehrbüchern wurden gestrichen. Es hat Geheimdienste für Ansar ash-Sharia gegeben, die die Umsetzung kontrollierten. Sie wurden von Ansar ash-Sharia finanziert, damit sie alles kontrollieren. Jetzt ist wieder alles umgestellt. Es gab nicht genügend männliche Lehrer im Dorf. Sie haben dann irgendwelche Männer genommen, die nicht die nötige Ausbildung hatten. Sie haben dann die älteren Jungen unterrichtet. Sie waren pädagogisch nicht ausgebildet, haben geschlagen und die Jungen haben nichts verstanden.“ (Samira, Lehrerin in einem Dorf, 21. August 2012)

Dies zeigt, dass Ansar ash-Sharia versuchte, in verschiedene Lebensbereiche einzudringen. Jedoch wurde das Gehalt der Lehrer weiterhin vom jemenitischen Staat gezahlt, welches die Beamten nun nicht mehr in Jaar, sondern in Aden abholen mussten. Unter Ansar ash-Sharia blieb auch der Donnerstag Wochenende im Gegensatz zum restlichen Jemen.

Jetzt ist nur noch am Freitag Wochenende. In Aden war auch nur am Freitag Wochenende. Unter Ansar ash-Sharia war auch Donnerstag weiterhin frei. Sie haben das schriftlich kundgetan in den Dörfern.“ (Ghada, Lehrerin in einem Dorf, 20. August 2012)

In der Nähe eines Dorfes namens Derjaj wurde ein Auto Al-Qaidas von einer US-Drohne erfasst und in die Luft gesprengt. Ich schaute mir den Schauplatz an. Es war nur noch ein Loch im Sandboden zu finden, winzige Auto- und Bombenteile sind heute noch über Meter hinweg in der Umgebung verstreut. Diese Überreste gelten als radioaktiv verseucht. Wie viele Al-Qaida-Kämpfer wirklich durch diesen Angriff starben, ist allerdings nicht bekannt: „Ansar ash-Sharia würde nie wirklich sagen, wie viele Menschen in dem Auto starben. Manche sagen, dass nur eine Person starb, andere drei, wieder andere sagen, dass sogar acht Personen von Al-Qaida getötet wurden. Sie würden das nie zugeben, weil sie dann Schwäche zeigen.“ (Huda, eine junge Frau in einem Dorf, 23. August 2012)

Nach diesem Angriff wurde ein saudischer Kämpfer Ansar ash-Sharias von seinen Kumpanen gekreuzigt, da er wohl als amerikanischer Spion entlarvt und für die Bombardierung des Autos verantwortlich gemacht wurde.

Die Menschen berichteten, dass sie sich mehr vor den US-Drohnenangriffen als vor Al-Qaida selbst fürchteten. Al-Qaida ließ die Menschen in Abyan relativ unbehelligt, weil sie sie für ihre Interessen gewinnen wollten. Eine junge 20-jährige Studentin sagte: „Ich hatte so furchtbare Angst vor den Flugzeugen [Drohnen] und auch wenn man die Kämpfe zwischen Al-Qaida und dem Militär hörte.“
Das Al-Qaida so plötzlich Jaar verließ, überraschte alle: „Von einem Tag auf den anderen fuhren sie von Jaar Richtung Kathib [Sanddüne östlich von Jaar] und weiter nach Shoqra. Das ging die ganze Nacht. Viele Autos mit Waffen, aber auch mit Frauen und Kindern fuhren Richtung Osten. Wir fanden das alle sehr plötzlich nach einem Jahr.“ (Luqman)

Die Menschen berichteten, dass sie an dem Tag des Abzugs Al-Qaidas keine Kämpfe hörten. Sie gehen davon aus, dass die Kämpfer freiwillig abzogen. Seitdem sie nicht mehr in Jaar sind, finden Übergriffe auf die Zivilbevölkerung in verschiedenen Orten Abyans und auf Anhänger der Sezessionsbewegung in Aden in Form von Autobomben oder bewaffneten Übergriffen maskierter Männer statt.

Unter Ansar ash-Sharia war es okay, niemand klaute mehr, weil sie bei Diebstahl gleich die Hand abhackten. Die Armee und die Drohnen waren aber schrecklich und haben alles zerstört, nicht Ansar ash-Sharia. Jetzt gibt es die Anschläge, die gab es vorher nicht.“ (Ghada, Lehrerin in einem Dorf, 20. August 2012)

Warum Abyan?

Die Frage, warum nun gerade Abyan zum Emirat Ansar ash-Sharias auserkoren wurde, lässt sich nur schwer beantworten. Was allerdings schnell ersichtlich wird, ist, dass die Situation vor Ort sehr diffus ist. Konstellationen und Allianzen sind wechselhaft. Im Folgenden wird versucht die Vielschichtigkeit des Konflikts darzustellen und verschiedene Erklärungsoptionen zu geben.

  1. Die Bewegung des Südens und das nordjemenitische Regime
Wie bereits anfangs erwähnt, war Abyan, besonders Zingibar, ein Zentrum der Sezessionsbewegung, die seit 2007 in den südjemenitischen Gouvernoraten für die Unabhängigkeit eines freien Südarabiens demonstriert, das in seinen Grenzen der ehemaligen Volksdemokratischen Republik Jemen entspricht. Die Volksdemokratische Republik wurde 1990 mit der Arabischen Republik Jemen (Nordjemen) zur heutigen Republik Jemen zusammengeschlossen. Durch die Einnahme Abyans durch Al-Qaida wurde die Sezessionsbewegung geschwächt. Die Mehrheit der Bevölkerung des Deltas hat die Region verlassen und lebt heute unter schlechten Bedingungen in Schulgebäuden Adens. Die zurückgebliebenen in Abyan trauen sich kaum Sezessionsbekundungen zu äußern. Viele wünschen sich nach mehr als einem Jahr der Unsicherheit und Kämpfe ihren Frieden und Ruhe. Der Ein oder Andere sehnt sich mittlerweile zum Status Quo des Saleh-Regimes zurück, wenn doch nur wieder Ruhe einkehre: „Die Hirak im Hadramaut und in Aden haben sich einen Scheiß um Abyan gekümmert und Abyan nie erwähnt bei ihren Protesten. In Aden wurden die Mieten sogar von 10-18 Tausend Riyal auf 30 Tausend erhöht, weil sie mit den Flüchtlingen Geld machen wollten und von ihnen profitieren. Mir ist es egal: Sezession, Einheit. Ich will nur noch meine Ruhe und in Ruhe leben.“ (Ghada, Lehrerin in einem Dorf, 20. August 2012) Die Menschen sind schlicht und ergreifend desillusioniert im zerrütteten Südjemen.

Eine Abspaltung des Südens löst Ängste im Norden aus, da der Großteil der Ölvorkommen im Süden des Landes liegt. Die Anwesenheit Al-Qaidas im Südjemen spielt den nordjemenitischen Eliten in die Hände, die damit eine Lösung des Nord-Südkonflikts im Land aufschieben können, da Al-Qaida zurzeit ein größeres Problem als die friedliche Sezessionsbewegung darstellt, denken einige Südjemeniten. Als sich der ehemalige Afghanistankämpfer Tareq al-Fadhli zur Bewegung des Südens bekannte, wurde dies in Sanaa oftmals als Anlass genommen, die säkulare Südbewegung mit Al-Qaida in Verbindung zu bringen. Abyan liegt zudem nur 50 km von Aden, dem Herz der Sezessionsbewegung, entfernt. Eine Einnahme der Stadt durch die Kämpfer Al-Qaidas könnte der Gruppierung neue internationale Aufmerksamkeit verschaffen und die Bestrebungen der Sezessionsbewegung endgültig zu Nichte machen, woran das Regime in Sanaa Gefallen finden könnte.

  1. Das nordjemenitische Regime schafft sich Al-Qaida und die baltajiya in Abyan hilft dabei
In Aden und Abyan ist die Meinung weit verbreitet, dass sich die Eliten in Sanaa Al-Qaida geschaffen hätten. Dies ist sehr wahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass die Bewegung des Südens eine Gefahr für die Souveränität des nordjemenitischen Regimes darstellt, wie zuvor erklärt. Jedoch muss dieser Frage näher nachgegangen werden. Einen Einstieg verhilft das folgende Zitat: „Die Leute in Jaar sind selbst verantwortlich dafür, dass Ansar ash-Sharia nach Jaar gekommen ist, schließlich haben sie sie dort hinziehen und nach Abyan kommen lassen. Teilweise sind sie dann Anhänger von Ansar ash-Sharia geworden.“ (Ghada, Lehrerin in einem Dorf, 20. August 2012)
Gemäß einigen Meinungen, konnte Ansar ash-Sharia erst durch bestimmte Personen, die unter baltajiya, einer Art Schläger- Gangstertrupp, gefasst werden, in der Stadt Fuß fassen. Dazu wird auch Abdullatif al-Sayid gezählt, der heute Anführer der Milizen in Abyan ist, jedoch vorher als Anhänger Al-Qaidas zählte.

Über Jahre hinweg soll bereits bekannt gewesen sein, dass Al-Qaida in Abyan und Shabwa aktiv war. Daher stellt sich die Frage, warum im Zuge des Arabischen Frühlings gerade hier die Sicherheitskräfte abgezogen wurden und wieso hier ein so enormes Machtvakuum entstehen konnte. Ob das Regime in Sanaa vorsätzlich oder aus Notwehr handelte, da man der Proteste in Sanaa im Zuge des Arabischen Frühlings nicht mehr Herr wurde, bleibt spekulativ.

Islah ist nicht mehr präsent in Aden, seitdem Al-Qaida versucht, nach Aden einzudringen und Probleme macht. Das Regime in Sanaa, dazu gehören nicht nur die Salehs, sondern auch Ali Mohsin und die Ahmars, sowie die USA sind alle verstrickt in der Sache mit Abyan und Ansar ash-Sharia. Abyan ist wichtig, es verbindet den Hadramaut mit Aden und dem westlichen Teil des Südens.“ (Hussain, Anhänger der Bewegung des Südens in Aden)

  1. Die Jugend
Jugend – shabab – steht oftmals sinnbildlich für junge, arbeitslose, unverheiratete Männer zwischen 20 und 35 Jahren, die angesichts der desolaten wirtschaftlichen und politischen Lage im Jemen verzweifelt sind, da sie nur unter schwierigsten Bedingungen ihren sozialen Status als anerkannte Erwachsene heben können.

Auch in Zingibar sind junge Arbeitslose zu Ansar ash-Sharia übergegangen. Einer bekam keine Stelle im Staatsdienst und ging dann zu ihnen über [gemeint war Jalal Bilaidi, Emir von Zingibar].“ (Fatima, 28 Jahre alt, Flüchtling aus Zinjibar)

Wie das Zitat bereits beschreibt, sind junge Männer zu den Kämpfern Al-Qaidas übergegangen. Der Jemen hat mit einer Arbeitslosenquote von 50 Prozent zu kämpfen, die gerade bei jungen Menschen sehr hoch liegt. Jalal Bilaidi war ebenfalls Student an der Fakultät in Zinjibar. Er studierte Lehramt Chemie. Wie so viele andere erhielt er keine Anstellung als Lehrer nach seinem Studium und blieb arbeitslos. Unter Ansar ash-Sharia wurde er zum Emir von Zinjibar gekrönt, nachdem er wohl eine lange Ausbildung als Salafit und Kämpfer in Dammaj genoss. In seiner Studienzeit trug er noch Jeans und T-Shirts, heute lässt er sich nur noch mit Kalaschnikow und Vollbart sehen.

Die jungen Gemüse- und Obstverkäufer aus Zinjibar haben sich von Al-Qaida rekrutieren lassen. Ich kenne sie, weil ich früher bei ihnen eingekauft habe. Später sah ich sie als Al-Qaida-Kämpfer.“ (Junis, 30 Jahre, Flüchtling aus Zinjibar)

Als Gemüsehändler im Jemen zu arbeiten, ist nicht der bestbezahlte und angesehenste Job. Gemüse- und Obsthändler in Aden und Abyan stammen aus dem Nordjemen, vorwiegend aus der Region vom Taizz und Ibb. Vermutlich konnte Al-Qaida ihnen ein besseres Einkommen als das aus den Obstverkäufen sichern. Manche von ihnen hatten vielleicht auch Angst, wenn sie nicht in der Gruppe aktiv wurden.

Die Beweggründe, warum ein junger Mensch Kämpfer einer Terrorgruppe wird, sind sehr persönlich und unterscheiden sich von Person zu Person. Jedoch wird Geld eine sehr große Rolle bei den meist arbeitslosen jungen Menschen gespielt haben. Seit Jahren waren junge Menschen im Jemen bezüglich eines politischen Wandels und der Besserung der wirtschaftlichen Situation im Land desillusioniert. Die Regimeproteste zu Beginn 2011 sind nur ein Ventil, Unzufriedenheit gegen das vorherrschende Saleh-Regime zu äußern. Vielen jungen Menschen könnte mittlerweile das friedliche Protestieren, ob auf dem Tahrir-Platz in Sanaa oder innerhalb der Sezessionsbewegung in Aden, zu langwierig erscheinen. Ansar ash-Sharia stellt einen zweiten Weg dar, sich mit Waffen und Gewalt Gehör zu verschaffen. Auch Abdullatif al-Sayid ist nur 31 Jahre alt. Er sagte in einem Interview bezüglich seiner Unzufriedenheit über das Saleh-Regime: „Ich dachte Ansar ash-Sharia würde unser Leben verbessern.“4

Auf der Busfahrt von Abyan nach Aden hörten zwei junge Männer in der ersten Reihe den gewaltverherrlichenden Naschid von Ansar ash-Sharia. Die stolzen Kämpfer haben sicherlich eine starke Ausstrahlungskraft auf junge Menschen, die mit täglichem Erwachsenwerden und Ausschluss zu kämpfen haben.

  1. Es gibt keinen Platz mehr für uns in dieser Gesellschaft
Der ein oder andere Abyani ließ sich als Kämpfer rekrutieren, da er somit einer Blutrache entgehen konnte. Männer wurden aus dem Gefängnis von Jaar freigelassen und sind Teil der Gruppierung geworden. Viele von ihnen hatten wohl kaum eine andere Wahl, als Al-Qaida-Kämpfer zu werden. Von der Gesellschaft geächtet und mit der Angst Opfer einer Blutrache zu werden, ließ sich die Entscheidung für die Gruppe zu kämpfen, leicht fällen.

  1. Die Rache des Tareq al-Fadhlis
Tareq al-Fadhli ist der Sohn des ehemaligen Sultans von Abyan, der mit der Machtübernahme der Marxisten im Jahr 1967 den Südjemen verlassen musste. Der Sultan war nicht sehr beliebt bei seinen Untertanen im südlichen Abyan. Tareq al-Fadhli war in den 1980er Jahren Afghanistan-Mujaheddin. Er kehrte nach der jemenitischen Einheit von 1990 in den Jemen zurück. Für das Saleh-Regime waren die zurückgekommenen Afghanistan-Veteranen in den 1990er Jahren willkommen, da sie sich gegen bestimmte unliebsame Gruppen im Land wie die Houthis in Saada und die Marxisten im Süden, einsetzen ließen. Fadhli wurde Teil des Regimes, das wird daran ersichtlich, dass seine Schwester mit dem General Ali Mohsin verheiratet war. 2009 bekannte sich Tareq al-Fadhli zu der Bewegung des Südens, was jedoch der Mehrheit der Bewegung missfiel, da er eine gewalttätige Komponente in die friedliche Bewegung hineintrug. Nach der Machtübernahme Al-Qaidas 2011 bekannte sich Fadhli wieder zu seinen alten Kumpanen Al-Qaidas. Seine Söhne kämpften ebenfalls gegen das jemenitische Militär, wobei einer ums Leben kam. Für viele Abyanis war die Bekundung al-Fadhlis, Teil der Sezessionsbewegung zu sein, nur eine Farce: „Er wollte sich an der Bevölkerung Zinjibars dafür rächen, dass sein Vater vor mehr als vierzig Jahren aus dem Süden fliehen musste.“ (Fatima, 28 Jahre alt, Flüchtling aus Zinjibar)

Tareq al-Fadhli war bereits in den 1990er Jahren terroristisch aktiv. Inwieweit er aber wirklich das Eindringen der Al-Qaida Kämpfer nach Abyan mitunterstützt hat, bleibt offen.

  1. Al-Qaida als eigenständige Gruppierung
Al-Qaida als eine islamistische Gruppe zu verstehen, die die arabisch-muslimische Welt vor dem westlichen Imperialismus retten will, ist eine Möglichkeit den Konflikt in Abyan zu erklären. Das Delta Abyan ist an der Küste des Indischen Ozeans gelegen. Tagtäglich erreichen somalische Flüchtlinge die südjemenitische Küste auf einfachen Booten. Zudem ist der Golf von Aden wegen somalischer Piraterie regelmäßig in den Schlagzeilen. Die Position Adens und Abyans – nicht weit vom Bab al-Mandab, der Meerenge zwischen dem Roten Meer und dem Indischen Ozean entfernt – könnte für Al-Qaida ausschlaggebend gewesen sein, sich diese strategisch wichtige Region auszusuchen. Das durch die Protestwelle 2011 entstandene Machtvakuum verhalf den Kämpfern, die sich u. a. aus Mördern, Verbrechern und Afghanistanveteranen zusammensetzen, schlussendlich zum Eindringen in den Südjemen und zum Machtübergriff.

Für die streng religiösen Kämpfer, die sich aus der ganzen Welt in Abyan einfanden, könnte zudem ein oft zitiertes Hadith relevant sein: „Ibn Abbas sagte, der Gesandte Gottes, Friede sei mit ihm, sagte: Aus Aden-Abyan werden 12.000 kommen, sie werden Gott und seinen Gesandten zum Sieg führen und sie sind die Besten zwischen mir und ihnen.“5 Dieses Hadith soll darauf hinweisen, dass aus Aden und Abyan 12.000 Mujaheddin kommen werden, die die muslimische Gemeinschaft stärken und die Feinde des Islams bekämpfen werden. Bereits die Islamische Armee Aden-Abyan sah dieses Hadith als Daseinsberechtigung in Abyan während der 1990er Jahre.

Doch bleibt die Frage bestehen, woher Al-Qaida ihre Gelder erhält. Es ist kritisch zu bewerten, gutgläubige Muslime als Geldgeber für diese Organisation zu sehen. In Abyan selbst sieht man das nordjemenitische Regime, aber auch wohlhabende Bürger der Golfstaaten als Geldgeber hinter der Organisation.

  1. Wohin gehören eigentlich die jemenitischen Sicherheitskräfte?
Die Bevölkerung in Abyan hat teilweise große Angst vor den jemenitischen Sicherheitskräften und dem Geheimdienst. Ihnen wird nachgesagt, dass sie auch als Kämpfer Al-Qaidas agieren. Männer, die als Kämpfer identifiziert wurden, laufen heute wieder in der Berufskleidung der zentralen Sicherheitskräfte durch Abyan. Ihnen wird nicht vertraut. Als ich am 24. August nach Zinjibar fuhr, teilte mir mein Begleiter das Folgende mit: „Unter den Sicherheitskräften, die eigentlich zum Staat gehören, sind auch Leute von Ansar ash-Sharia. Wenn du die Burqa nicht trägst und auch noch fotografierst, dann denken sie gleich, dass du Ausländerin bist und dann tun sie dir etwas an.“

Zurück in Aden besuchte ich den Märtyrerplatz der Sezessionsbewegung in Mansoura. Dort fand ich einen großen Blutfleck auf dem Boden vor. Die Menschen erzählten mir, dass in der vorherigen Nacht vom 26. auf den 27. August ein Mann von einem bewaffneten Maskierten erschossen wurde. Sie vermuteten den Geheimdienst dahinter, der allerdings wie ein Mitglied Ansar ash-Sharias ausgesehen haben soll.

Welche Rolle die jemenitischen Sicherheitskräfte wirklich spielen, kann hier nur diskutiert werden, endgültig kann dies derzeitig nicht beantwortet werden. Jedoch muss man auch beachten, dass viele der Männer vom Staat im Stich gelassen wurden und kaum Schutz in Abyan erhielten. Vermutlich wurden auch deshalb Allianzen mit Al-Qaida eingegangen.

  1. Die Rolle der USA und Saudi Arabiens
Dass es sich in Abyan um einen Kampf gegen den Terrorismus handelt, ist kaum mehr zu glauben, wenn man vor Ort war. Wenn jedoch die allgemeine Annahme vieler Abyanis stimmt, dass das nordjemenitische Regime selbst hinter der Schaffung und Etablierung Ansar ash-Sharias steht, dann wären die USA und Saudi Arabien recht naiv, die Tricks des Regimes in Sanaa zu glauben.

Saudi Arabien hat in den letzten Jahrzehnten, als die beiden Jemen noch unabhängige Staaten waren, immer wieder einen Jemen gegen den anderen unterstützt. Das es zu einer Einheit 1990 kam, missfiel dem großen Nachbarstaat. Umso verwunderlicher ist es, dass Saudi Arabien sich heute nicht zu den Entwicklungen der Sezessionsbewegung äußert und diese nur am Rande wahrnimmt. Daher ließe sich vermuten, dass es nicht im Interesse Saudi Arabiens sei, wenn sich die Sezessionsbewegung im Süden durchsetzte und eine Abspaltung vom Nordjemen erreichte. Eine Sezession im Südjemen könnte Unabhängigkeitsbestrebungen in Saudi Arabien von benachteiligten Bevölkerungsgruppen, besonders im ölreichen Osten des Landes, herrufen. Dies zeigt einen Erklärungsansatz, weshalb Saudi Arabien aktiv am Konflikt in Abyan beteiligt ist. Die USA, die ihre Ölzufuhr gesichert sehen möchte, unterstützt den saudischen Partner vermutlich gern bei dieser Unternehmung.

Falls es sich jedoch wirklich um einen Kampf gegen den Terror handelt, ist es sehr fragwürdig, warum zahlreiche zivile Einrichtungen wie das Razi-Krankenhaus bei Jaar zerstört wurden. Innerhalb von drei Tagen wurden mehrere Angriffe auf das Krankenhaus geflogen. Den USA müsste eigentlich aus jahrelanger Erfahrung in Afghanistan und Pakistan sowie im Iraq bewusst sein, dass sie sich mit den Drohnenangriffen und der Zerstörung ziviler Einrichtungen mehr Feinde als Freunde schaffen. Die Bevölkerung Abyans hat, wie bereits erwähnt, mehr Angst vor den US-Drohnenangriffen als vor den Kämpfern Al-Qaidas. Damit spielen sie die zivile Bevölkerung in die Hände der Kämpfer.


  1. Die zivile Bevölkerung
Wer unter diesen diffusen Konstellationen und dem Konflikt in Abyan leidet, ist schließlich die Zivilbevölkerung, die weder direkt an dem Konflikt beteiligt ist, noch ihn hervorgerufen hat. Die Bevölkerung Abyans lebt größtenteils von der Landwirtschaft. Die Menschen sind einfache Bauern, die ihre Felder bestellen wollen und kein Interesse an Kriegen haben. Sie sind diejenigen, die der Konflikt am meisten trifft.

Ich habe keine Arbeit, unser Haus in Zinjibar ist zerstört. Alles ist weg, Zinjibar gibt es nicht mehr, wir haben einfach alles verloren“, berichtete Fatima, eine 28-jährige Frau, die in Zinjibar mit ihrem Ehemann und einjährigen Kind lebte. Sie flüchteten nach der Machtübernahme Ansar ash-Sharias aus der Stadt. Ihr Haus ist heute völlig zerstört.

Abyan hat im Vergleich zu vielen anderen jemenitischen Gouvernoraten eine relativ gute Infrastruktur aufweisen können. In Zinjibar gab es eine Außenstelle der Universität Aden. Die Fakultät ist heute völlig vermint und zerstört. Wo werden die Studenten, vor allem die jungen Frauen aus der Region, die zahlreich an der Fakultät in Zinjibar studierten, weiter lernen können? Was passiert mit den zerstörten Schulen? Zinjibar hat heute weder Strom noch fließendes Wasser. Die Stadt ist vollständig vermint. Weiterhin stellt sich die Frage, ob eine Rückkehr in die Stadt überhaupt jemals wieder möglich sein wird, denn wer wird den Aufbau der Stadt finanzieren? Auf lange Sicht wird Zinjibar wohl eine Geisterstadt bleiben. Dieselben Fragen lassen sich auf die umliegenden Dörfer wie al-Kod stellen. Auch nach Jaar trauen sich die Menschen noch nicht zurück. Immer noch sind die Kämpfer Ansar ash-Sharias in der Region präsent. Al-Qaida Kämpfer suchen zumal Unterschlupf in Dörfern. Die Bevölkerung fürchtet dann einerseits die US-Drohnenangriffen, die dann in dem jeweiligen Dorf einschlagen könnten, andererseits besteht die Angst vor den Kämpfern Al-Qaidas, die man schlecht zwingen kann, die Dörfer zu verlassen. Eine junge Frau meinte sarkastisch, nachdem sich die Dorfmiliz mit Kämpfern Ansar ash-Sharias eine Schießerei in der Nacht leistete: „Wenn wir Pech haben, dann wird ein jemenitisches Flugzeug kommen und das ganze Dorf vernichten, ein Saudisches wird das halbe Dorf zerstören und wenn wir Glück haben, dann kommt eine amerikanische Drohne, dann wird nur das Haus [in dem sich die Al-Qaida Kämpfer vermutet wurden] zerstört.“

Alle wissen, wo die Kämpfer Al-Qaidas sind, doch keiner macht etwas…

Wenn du nicht aufpasst, sitzt du bald in Mahfit oder Shoqra bei Al-Qaida.“, sagte ein Mann in Aden zu mir, der meine Besuche an verschiedenen Orten Abyans und Adens als gefährlich einstufte. Es scheint verwunderlich, dass alle zu wissen scheinen, wo sich Al-Qaida aufhält, jedoch von staatlicher Seite nichts gegen sie ausgerichtet wird. Dies zeigt, dass der jemenitische Staat nur noch indirekt auf dem südjemenitischen Territorium durch die Anwesenheit einzelner Sicherheitskräfte und des Geheimdienstes besteht, die die südjemenitische Bevölkerung jedoch nicht schützen.

Wenn man die zerstörte Kulisse Zinjibars und vieler Dörfer sieht, fühlt man sich wie in einem Computerkriegsspiel, in dem gerade eine Phase der Waffenruhe besteht. Der Konflikt in Abyan ist mittlerweile sehr komplex, wie anhand der Erörterung verschiedener Akteure gezeigt wurde, so dass keine endgültige Wahrheit präsentiert werden kann. Der Konflikt in Abyan ist ein internationaler globaler Konflikt mit verschiedenen Akteuren und diffusen Konstellationen, die jeder Zeit wechseln können. In Abyan wird dieser Konflikt ausgetragen, jedoch hätte es auch andere Regionen in der Welt treffen können. Abyan hat jedoch eine strategisch wichtige Position. Zudem ist das entstandene Machtvakuum durch die Proteste in Sanaa 2011 und die jahrzehntelange Unzufriedenheit mit dem Saleh-Regime und den nordjemenitischen Eliten im Süden ein Faktum, welches Abyan zu einem fruchtbaren Boden zur Austragung dieses Konfliktes machte.

1 Vgl. Ghaith Abdul-Ahad (30.4.2012): http://www.guardian.co.uk/world/2012/apr/30/alqaida-yemen-jihadis-sharia-law

2 Vgl. ICRC (6.6.2012): http://www.icrc.org/eng/resources/documents/news-release/2012/yemen-news-06-06-2012.htm

3 Vgl. Abdurrahman Anees / Muaadh Al-Maqtari Yementimes (8.3.2012): http://www.yementimes.com/en/1553/news/535/Details-of-Abyan-attacks-emerge.htm

4 Vgl. Sudarsan Raghavan (11.9.2012): http://www.washingtonpost.com/world/middle_east/in-yemen-tribal-militias-in-a-fierce-battle-with-al-qaeda-wing/2012/09/10/0cce6f1e-f2b2-11e1-b74c-84ed55e0300b_story_2.html

5 Überliefert von Ahmad in seinem Musnad (1/333) und Ibn Abi Haatim in Al-Jarh wa at-ta'dil (8/242) und at-Tabaraani in al-Kabir.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

ein sehr zwiespältiger Artikel: einerseits viele interessante Details und vor-Ort Infos, die es sonst in dieser Fülle auf al-Sharq selten gibt. Andererseits ist der Artikel sprachlich sehr holprig - liest sich wie eine direkte Übersetzung aus dem Englischen - und inhaltlich mehr als wirr. Er springt von einem Punkt zum Anderen, spricht eine Reihe von Vermutungen aus, ohne diese wirklich zu Ende zu denken. Bestes Bsp. ist der Abschnitt zur Rolle der Sicherheitskräfte: das ist echt nur Hörensagen, wenn man keine wirklichen Indizien hat, dann muss man sowas weglassen. Es mit einem lapidaren: "ach man kann nur Vermutungen anstellen" abzuschließen ist mehr als schlechter Stil. Der Erkentnisgewinn bei diesem Artikel geht so leider gegen Null.