Freitag, 29. Februar 2008

Erste Eindruecke aus Kairo

Schon beim Landeanflug auf Kairo lassen sich die Ausmasse der 17-Millionenmetropole erahnen. Ein endloses Netz an Vorstaedten erstreckt sich durch das Nildelta. Tausende gruene Lichter von Moscheen und Minarette gruessen den Besucher im naechtlichen Landeanflug.

Ueberhaupt faellt schon nach wenigen Tagen auf, das der Islam im Alltag in Kairo wesentlich praesenter ist, als in Damaskus, von Beirut ganz zu schweigen. Fast jede Frau traegt ein Kopftuch, zusaetzlich haben viele von ihnen auch das Gesicht verschleiert und nur die Augen lugen aus den schwarzen Gewaendern hervor. Frauen ohne verhuellte Haare sind deutlich in der Minderheit, schaetzungsweise 10%, so mein Eindruck nach drei Tagen, zeigen ihr Haar.

Noch auffaelliger ist jedoch eine andere Mode. Etwa jeder zweite Mann traegt auf der Stirn ein Gebetsmal. Dieses wir im Arabischen "Zebibah", Rosine, genannt. Dieser dunkelbraun verfaerbte Punkt auf der Stirn ist im Prinzip eine Wunde, die jedoch von vielen Maennern mit Stolz getragen wird, da sie als Ausdruck der Froemmigkeit gilt. Der glaeubuige Muslim zeigt damit nach Aussen, das er seinen Glauben ernst nimmt und fuenf Mal taeglich betet und dabei insgesamt 34 mal seine Stirn auf den Boden drueckt. (Foto: NY Times)


Es gilt jedoch als offenes Geheimnis, das eine Zebibah kaum das Resultat fuenfmaligen Betens ist, sondern sich viele anderer Mittel bedienen um ein solches Wundmal zu erzeugen. Auch in Saudi-Arabien, Indonesien oder dem Libanon verneigen sich Maenner pro Tag fuenf Mal gen Mekka, ohne dass eine "Rosine" ihre Stirn ziert.

Zum heutigen Freitagsgebet koennen viele Moscheen hier im Stadtteil Mohandisseen dem Ansturm der Glaubigen kaum standhalten. Die Predigten werden ueber Lautsprecher nach Aussen uebertragen. Da viele Moscheen kaum hundert Meter auseinander stehen ueberlagern sich die Vortrege der Imame vielerorts zu einem unverstaendlichen Chor. Hastig werden auf Buergersteigen und der Strasse gruene Teppiche ausgelegt, auf denen Muslime der Predigt lauschen und ihr Gebet verrichten koennen. An einigen Stellen werden somit aus 3 Fahrspuren 1 auf denen sich die Taxis der Marken Lada, Renault und Peugeot stauen.

Kommentare:

Simon Columbus hat gesagt…

Das mit den Kopftüchern soll früher, wie ich gelesen habe, in Ägypten viel geringere Bedeutung gehabt haben. Die ägyptische Publizistin Mona Eltahawy hat da vor einiger Zeit einen sehr interessanten Artikel drüber geschrieben. Sie meint, dass das Tragen von Kopftüchern eigentlich in erst in den letzten Jahren - also der Zeit, in der man von einem Erstarken des Islamismus spricht - wieder üblich geworden. Eine interessante und alles andere als beruhigende Beobachtung, zumal die Muslimbruderschaft ja schon die stärkste Parlamentsfraktion stellt...

C.Sydow hat gesagt…

Auch von Aegyptern hoert man immer wieder, das das Wiedererstarken islamischer Mode mit ein Phaenomen der letzten 25 Jahre ist, und vorher westliche Mode das Stadtbild praegte.

Kurze Korrektur: Die Muslimbrueder stellen nicht die staerkste Parlamentsfraktion sondern als "Unabhangige" die groesste Oppositionsgruppe im Parlament. Die groesste Fraktion stellt die herrschende NDP von Husni Mubarak.