Samstag, 1. März 2008

Die Pyramiden von Gizeh

Wenn der Smog nich zu stark ist, sind sie einige Stunden am Tag von der Terrasse meiner neuen Wohung schemenhaft zu erkennen - Die Pyramiden von Gizeh. Nur 3 Stationen sind es mit der U-Bahn von al-Behoos bis nach Gizeh. Die Metro soll die Stadt vom totalen Verkehrskollaps abhalten. 2 Linien gibt es bislang, eine weitere ist im Bau. Die einfache Fahrt kostet einen aegyptischen Pfund - umgerechnet 12 Cent. Auch diese versuchen sich viele Aegypter zu sparen indem sie unter den Drehkreuzen hindurchtauchen oder behende drueber hinwegspringen.

Von der U-Bahnstation Gizeh sind es noch 7 Kilometer bis zu den Pyramiden von Gizeh. Diese werden mit dem Bus zurueckgelegt - zunaechst aussen an selbigem haengend, spaeter lichten sich die Reihen im Fahrzeug und auch Sitzplaetze werden frei. Fuer die Fahrt durch Gizeh sind noch einmal 6 Cent faellig.

Die ueber 4000 Jahre alten Pyramiden, arabisch: al-Ahram, thronen leicht erhoeht auf einem Plateau ueber den Strassen Gizehs. Fuer Auslaender kostet der Eintritt 50 Aegyptische Pfund - umgerechnet etwa 6 Euro fuer das einzige erhaltene der sieben Weltwunder. Die wenigen Touristen werden von unzaehligen Maennern bestuermt, die zu Fahrten auf ihren Eselskarren, Pferdewagen oder den Ruecken ihrer Kamele einladen. Ein besonders penetranter Kamelfuehrer hat sein altersschwaches Tier Charlie Brown getauft. Ueber dem gesamten Komplex liegt ein Geruch von Tierurin.

Ein etwa 12-jehriger Junge stellt sich mir als Regierungsangestellter vor, der zur Aufgabe habe Touristen zu den insgesamt 9 Pyramiden zu fuehren. "Oh, Praesident Mubarak schickt dich?", frage ich. "Solltest du nich besser noch zur Schule gehen?" "Es sind Ferien", luegt Abdullah.

Die beiden knapp 140 Meter hohen Cheops- und Chephren-Pyramiden sind in der Tat aeusserst eindrucksvoll. Fuer Laien ist es kaum vorstellbar, dass Menschen 2500 Jahre vor Christus in der Lage waren, derartige Bauwerke zu errichten, die bis zum 15.Jahrhundert christlicher Zeit die Groessten der Welt waren. Nicht zuletzt wegen der Pyramiden bezeichnete Napoleon Aegypten als "Wiege der Wissenschaften und Kuenste der gesamten Menschheit"

Heute verlieren sich nur wenige auslaendische Touristen in der Nekropole, die mittlerweile an mehreren Seiten vom ausufernden Kairo eingeschlossen wird. Einige Schulklassen tollen singend umher, Liebespaare entspannen im Schatten der Steinkolosse. Der wuestenfarbene Stein der Pyramiden bildet einen schoenen Kontrast zum blauen Fruehlingshimmel ueber Aegypten.

Etwas unterhalb der drei grossen Pyramiden wacht seit Jahrtausenden die Sphinx, den Blick gen Osten gerichtet. Geruechte, nach denen es Napoleons Invasionstruppen waren, die die Nase des Halb-Mensch-halb Loewen-Gesichts mit ihrer Artillerie abschossen, sind uebrigens falsch. Kupferstiche aus dem fruehen 18 Jahrhundert belegen, dass der Sphinx schon vor Napoleons Feldzug 1798, die Nase fehlte.

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