Montag, 31. Dezember 2007

Zur Menschenrechtslage in den Besetzten Gebieten

Die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem hat heute ihren Jahresabschlussbericht zur Lage in den Besetzten Gebieten veröffentlicht. Demnach ist die Zahl der von israelischen Soldaten getöteten Palästinenser in diesem Jahr auf 371 gesunken. Von ihnen waren jedoch 131 nicht an feindlichen Handlungen beteiligt und somit unschuldige Opfer. 53 Tote waren minderjährig. Im vergangenen Jahr waren es noch 660 Palästinenser die von israelischen Sicherheitskräften in den besetzten Gebieten getötet wurden.

Seit Januar 2007 sind sieben israelische Zivilisten von militanten Palästinensern getötet worden, darunter auch zwei Einwohner der Stadt Sderot die dem Beschuss mit Qassam-Raketen aus dem Gaza-Streifen zum Opfer fielen. Die Zahl der zivilen israelischen Toten ist die niedrigste seit Ausbruch der zweiten Intifada vor sieben Jahren.

Durch inner-palästinensische Kämpfe wurden in diesem Jahr 344 Menschen getötet. Nach Recherchen von B'Tselem waren mindestens 73 von ihnen nicht direkt an den Kampfhandlungen zwischen den rivalisierenden Hamas und Fatah-Bewegungen beteiligt.

Weitere Erkenntnisse des B'Tselem-Berichts:

  • Die Zahl der Palästinenser die sich ohne Anklage in Haft befinden stieg 2007 um 13% auf durchschnittlich 830
  • Die Einwohnerzahl der israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten stieg in diesem Jahr um 4,5%. Im gleichen Zeitraum betrug das Bevölkerungswachstum in Israel 1,5%
  • Die Zahl der zerstörten Häuser in Israel stieg um 38% auf 69 Häuser
  • Die Bewegungsfreiheit der Palästinenser im Westjordanland wurde trotz anderslautender Zusagen kaum verbessert. Durchschnittlich 66 Checkpoints und 459 Roadblocks schränken die Bewegungsfreiheit in der West Bank weiter ein.
  • Die Palästinenser werden bei der Wasserverteilung im Westjordanland weiterhin diskriminiert, was im Sommer zu ernsthaften Schwierigkeiten führt.
In ihrem Bericht erkennt B'Tselem die Sicherheitsbedenken der israelischen Behörden an. Gleichwohl nutze Israel diese allzu oft um damit rechtswidrige politische Interessen zu verfolgen. Dazu zählt der Ausbau der Siedlungen im Westjordanland und deren faktischer Anschluss an Israel.

Des weiteren kritisiert die Menschenrechtsorganisation die fehlende Rechenschaftspflicht der israelischen Sicherheitskräfte. Rechtsverstöße würden nicht in ausreichender Weise untersucht, palästinensischen Opfer würden ihnen zustehenden Entschädigungen verweigert, so der Bericht.

Kommentare:

Ruth hat gesagt…

Zum Vergleich sollte unbedingt dieser Text gelesen werden.
http://elderofziyon.blogspot.com/2007/12/lies-damn-lies-and-btselems-statistics.html

B'Tselem ist bekannterweise nicht ganz zuverlaessig, da die eigene politische Agenda als Zweck gesehen wird, der auch unexakte oder verzerrte Berichte heiligt.

Anonym hat gesagt…

"B'Tselem ist bekannterweise nicht ganz zuverlaessig..."

ist mir neu, liebe ruth, kannst du etwas meht aufschluss geben?

Grüße von Ano Nymus

Ruth hat gesagt…

Den oben angegebenen Link oeffen, lesen und die darin angegebenen Links weiterverfolgen.

Ein weiterer Link waere http://www.camera.org/index.asp?x_context=3&x_outlet=12&x_article=1265

shual hat gesagt…

Hohoho... "elder-of-zion". Rechtsabnorme Plumpdeppen. Kinderleicht: "If he was killed for only trying to cross a fence, and had no intent to do anything bad to Israelis (as B'Tselem implies when it says that he was not participating in hostilities), then what exactly does this death have to do with the intifada?"

Soll das jetzt ein Witz sein? Über Schießbefehl am Zaun mag man RECHTLICH geteilter Meinung sein, da es sich um eine täglich aktive Kampfzone der INTIFADA-II handelt. Aber zu fragen was der Schießbefehl und damit der Tod des Fallbeispiels damit zu tun hat das ist schlicht abartig.

Oder der hier: "minors, who are trying to escape arrest," dürfen nach Auffassung dieser Hampelmänner legal erschossen werden. Gleich mal den Koch anrifen! DAS fehlt nämlich bei seinem Maßnahmenkatalog gegen Ausländerjugendlichengewalt.

Ruth hat gesagt…

Es macht wenig Sinn, mit jemandem zu diskutieren, der den Unterschied zwischen polizeilicher Gewaltausuebung in einem Rechtsstaat und einem kriegerischen Konflikt entweder nicht erkennt oder nicht wahrhaben will.

Auch um EoZ zu verstehen, muesste man etwas mehr Verstand aufwenden.

Ich versuche zu erklaeren:

Entweder der Zaun ist eine Defensivwaffe in der sog. Intifada, dann nimmt derjenige, der ihn zu ueberwinden versucht an der kriegerischen Auseinandersetzung teil (was B'Tselem abstreitet).
Oder der Zaun ist eine reine Schikane und hat nichts mit der kriegerischen Auseinandersetzung zu tun, dann kommt derjenige, der bei dem Versuch, ihn zu ueberwinden, erschossen wird, tatsaechlich nicht an der Intifada teil und sein Tod hat nichts mit der Intifada zu tun (was B'Tselem aber dennoch behauptet).

Ruth hat gesagt…

Beschimpfungen ("rechtsabnorm" etc.) ersetzen keine Sachargumente...

shual hat gesagt…

Der freien Welt ist schlicht egal was indoktrinierte Menschen aus einem Land der Militärzensur als "sinnvoll" erachten.

Das heute klinisch tod geborgene Baby von heute morgen wird als klinisch tod gewertet und der freien Welt ist es egal ob es ein israelisches oder palästinensisches ist.

Im Übrigen nutzen die Siedlerverbände die Bselem-Statistiken sehr gerne... weil sie jeglicher Propaganda egal von wem Echtzeitdaten entgegenstellen.

PS: Aktivisten des lgf-Netzwerkes das überhaupt keinen Hehl daraus macht das es sich dazu berufen fühlt der Welt einen Haufen paranoiden Dreck einseitig zu präsentieren, auf das der Volksverdummung die Krone aufgesetzt wird züchten hierzulande verfassungswidrige Phobien, die ihren Niederschlag in NPD-ideologienahen "Volksbewegungen" finden können nicht beleidigt werden.

shual hat gesagt…

Milch - Honig - Zensur

Israel: Overnight operations by the IDF yielded no less than 28 Palestinian fugitives on Wednesday.

Auszug: Israeli forces stormed Rafedia Hospital and besieged other hospitals in Nablus on Thursday morning in a major incursion into the northern West Bank city, just 24 hours after Israeli Defence Minister Ehud Barak and his Chief of Staff, Gabi Ashkenazi, had visited the volatile city. Ma'an's correspondent said that more than 70 Israeli military vehicles entered Nablus from all directions, declaring the old city of Nablus a closed military zone preventing citizens' and medical staff from entering the area. He said that Israeli forces arrested four Palestinians - twenty-year-old Ahmad Dhoqan, from Balata refugee camp, thirty-year-old Rami Al-Qadi, also from Balata, twenty-year-old Mahir Mabruka, from the old city of Nablus and sixteen-year-old Ayid Abdul-Rahim, from the village of Zuwata, west of Nablus. Israeli sources also mentioned that the invading Israeli forces wounded a Palestinian militant in the Al-Qaysariyya neighbourhood of the old city, before storming Rafedia Hospital and confiscating the weapons belonging to the hospital's security guards. Then they besieged other hospitals in Nablus looking for the wounded gunman. The number of Palestinians injured later rose to 24. Amongst those was the distributor of Al-Quds daily newspaper 43-year-old Mamduh Abdul-Haq. Two other citizens were injured near the eastern graveyard. They were named as 23-year-old Mahir Talih, who received a gunshot to the head, and 16-year-old Khalid Al-'Amudi, who was slightly injured. Twenty others sustained different injuries ranging from the effects of tear gas to being hit by rubber bullets. Ma'an's reporter added that the invading Israeli troops attacked Palestinian medics and ambulances with live ammunition and rubber bullets. He said medic, Ahmad Jibril, received a rubber bullet to his back, while medics Diya' Balbisi and Tariq As-Sabuh were both wounded by Israeli gunfire. Moreover, the Israeli soldiers arrested two other medics, Khalid Ba'ara and Sa'id Al-Masri. The director of the Palestinian Medical Relief Service Dr Ghassan Hamdan told our correspondent that the Israeli forces prevented his attempts to evacuate injured people, and that an Israeli military jeep deliberately hit his car.

Ruth hat gesagt…

An etwaige Mitleser:

Shual sagt aus, dass er auf meine Argumente nicht eingehen muss, da ich im "Land der Militaerzensur" "indoktriniert" worden sei, waehrend er die "freie Welt" darstellt.

Wes Geistes Kind hinter solchen Aussagen zu finden ist, sollte auf der Hand liegen.

Dass die IDF in Krankenhaeusern nach den Moerdern von Ahikam Amihai und David Ruben suchte, war klar: Der Tatort hat offensichtlich ergeben, dass es den beiden gelungen war, ihre Angreifer zu verletzen und einen von ihnen zu toeten. Dass die Palaestinenser diese Suche propagandistisch ausschlachten wuerden, ist auch nachzuvollziehen.

Mit Zensur hat beides genauso wenig oder viel zu tun wie mit Milch und Honig.

shual hat gesagt…

Albern, "Dass die Palaestinenser diese Suche propagandistisch ausschlachten wuerden, ist auch nachzuvollziehen."

Es handelt sich um einen sachlichen Bericht, der von vollständig rechtsfreiem Handeln der israelischen Soldaten berichtet. Dies als "Propaganda" abzutun läßt DICH neben der Verwendung von rechtsabnormen Quellen in einem Licht erscheinen, das Deinen intellekuellen Fähigkeiten Hohn spricht.

Also komm mal wieder runter von Deinem "elderofZion"-Trip. Ein bisschen mit der lgf im Bett liegen funktioniert nicht.

PS: Mittlerweile hat sich aufgrund des Drucks der Öffentlichkeit die Soldateska noch mehr blamiert in dem sie einen den Nullbericht auf drei Sätze ausweitete, die verbreitet werden durften. Die ganze Aktion fand auch noch im Christenviertel statt, bekannt wie ein bunter Hund für die netten Besuche der friedlichen israelischen Nachbarn. Scheinbar nicht bei "Euch", was "uns" dazu bringt zu fragen was "ihr" denn eigentlich überhaupt über die SAche wißt. Scheinbar herzlich wenig.

Ruth hat gesagt…

http://quietusleo.blogspot.com/2007/12/new-math.html

Hier der Bericht eines Arztes in Beer Sheva, wie versucht wurde, das Leben eines Mannes aus dem Gazastreifen zu retten, der bei einer Hochzeit einen Schuss abbekam.

Andeutungen, es seien "Kriegsverbrechen" in Krankenhaeusern oder christlischen Wohnvierteln nach Tatverdaechtigen zu fahnden, sind einfach idiotisch.

Und die Anmassung, nicht etwa Israelis koennten ihre Lage halbwegs beurteilen, sondern irgendwelche Arbeitslose in Deutschland wuessten das einfach besser, spricht ja auch Baende.