Freitag, 12. Dezember 2008

Saudi-Arabien: Fernsehspots gegen den Missbrauch von Gastarbeitern

Die Misshandlung von Gastarbeitern ist in vielen arabischen Ländern ein Problem, das jedoch häufig lieber verschwiegen und nur selten thematisiert wird. Die Kampagne "Rahma" (Gnade) einer saudischen Werbeagentur will dies ändern. Seit einigen Wochen laufen auf den Kanälen des Medienunternehmens Middle East Broadcasting Centers (MBC) mehrere Fernsehspots, die von der Agentur Full Stop Advertising aus Jeddah konzipiert wurden.

Die Fernsehspots zeigen zwar nicht die körperliche Gewalt, die vielen Hausmädchen und anderen Bediensteten saudischer Familien angetan wird, macht aber deutlich wie die Gastarbeiter psychisch unter Druck gesetzt und als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. In diesem Spot etwa droht die arabische Hausfrau ihrer Haushaltshilfe: "Bist du immer noch nicht fertig? Du wirst nicht schlafen, bis das Haus blitzblank ist, verstanden?"



Ein anderes Video zeigt einen wohlhabenden Saudi, der seine Hausangestellte anschreit, einen Anderen seit Monaten nicht bezahlt, den Müllkehrer beleidigt und einem weiteren Angestellten den Besuch seiner Tochter im Krankenhaus untersagt. Schließlich wird ein Satz eingeblendet, der dem Propheten Muhammad zugeschrieben wird "Dem, der nicht gnädig ist, wird keine Gnade widerfahren."




Ziel der Kampagne ist es zunächst einmal die Aufmerksamkeit der Saudis auf die Situation ihrer Angestellten aus Afrika oder Asien zu lenken. "Wir sind verpflichtet sie gut zu behandeln. Warum fordern wir sie auf Dinge zu tun, die wir selbst nicht ertragen können? Wenn wir ihnen Gnade erweisen, wird Gott unserer gnädig sein", fasst Kaswara al-Khatib, Direktor von Full Stop Advertising die Botschaft der Rahma-Kampagne zusammen.

Viele Gastarbeiter in Saudi-Arabien sind einer ganzen Reihe von Misshandlungen ausgesetzt. Laut einem Bericht von Human Rights Watch aus dem Juli dieses Jahres sind das Einsperren der Bediensteten, Nahrungsentzug, physischer, psychischer und auch sexueller Missbrauch weitverbreitet. Zudem kommt es häufig vor, dass die Hausangestellten über Monate oder Jahre hinweg nicht bezahlt und wie Sklaven behandelt werden.

Kommentare:

Simon Columbus hat gesagt…

Hier gibt es noch ein recht interessantes Interview mit einer der Macherinnen der Kampagne: http://www.mideastyouth.com/2008/11/25/interview-with-kaswara-al-khatib-about-the-first-ever-ad-campaign-for-migrant-rights-in-the-middle-east/

C.Sydow hat gesagt…

Danke für den Hinweis.