Sonntag, 28. Dezember 2008

Weihnachten in Beirut

Beirut im Dezember präsentiert sich dem außenstehenden Betrachter von seiner friedlichsten Seite. Der ganze Monat, so scheint es, ist den zahlreichen religiösen Festtagen gewidmet. Eingeläutet wurde die "Festsaison" am 6.12., mit dem islamischen Opferfest, das auch mit 1. Advent zusammenfiel. Abgeschlossen wird es am 6.1.2009, wenn sich die schiitische Aschura-Prozession und der orthodoxe Heiligabend überschneiden.

Dazwischen liegen die (katholischen und protestantischen) Weihnachtsfeiertage, die, wie alle anderen religiösen Feste im Libanon, freie Tage für alle Libanesen bedeuten.
Bereits seit Anfang Dezember sind die Straßen Beiruts bunt und vor allem hell geschmückt. Die Palette reicht von durchaus einfallsreichen Kreationen, zu konventionellen Weihnachtsschmuck bis hin zu überkandideltem Kitsch. Zwar scheint mir die kommerzielle Aushöhlung der Weihnachtszeit bei weitem nicht so fortgeschritten, wie in anderen Ländern, dennoch, besonders viel Spiritualität versprüht die Stadt trotz bunter Dekoration kaum.

Am Abend des 24.12. lade ich einige deutsche Freunde zum Kochen ein, kurz vor Mitternacht schließlich steuern wir einige der zahlreichen Kirchen im christlichen Stadtteil Ashrafieh an. Wir entscheiden uns für die maronitische Mar Maroun Kirche, die direkt an die beiden populären Ausgehviertel Monot und Gemmayzeh grenzt. Das Gotteshaus ist voll besetzt, jung und alt, Libanesen und sogar ihre fillipinischen Hausmädchen füllen die Reihen. Besonders die ältere Generation lauscht der einstündigen Messe andächtig und gedankenversunken. Viele der Jüngeren kommen etwas später, wahrscheinlich aus den umliegenden Bars, und verschwinden mit einigen Bekreuzigungen nach der Predigt und dem gemeinsamen Vaterunser.

Währenddessenmache ich mir über das, was ich sehe, Gedanken, und mache mir meinen Reim auf die psychologische Funktion dieses Weihnachtsfestes: All das Dekorieren, das Einkaufen, das Feiern des Weihnachtsfestes und das Feiern in den Bars sind, noch mehr als sonst, vor allem eines: Ablenkung. Das Weihnachtsfest in den letzten Jahren fand sicher unter noch ungünstigeren Umständen statt.

Was aber dieses Jahr so unbehaglich erscheint, ist die Ungewissheit, was im nächsten Jahr genau kommen wird. Dass etwas passieren wird, darin sind sich alle einig, schließlich stehen die Parlamentswahlen im Frühjahr bevor. Die Wahlsaison zu den Studentenparlamenten hat darauf schon einen Vorgeschmack gegeben. Auf politischer Ebene gibt es ebenfalls keine entscheidenden Fortschritte, die an einen Erfolg des neuen "nationalen Kabinetts" glauben lässt. Zudem ist die vom maronitischen Patriarchen Nasrallah Boutros Sfeir angestrebte christliche Versöhnung gründlich gescheitert: Weder Samir Geagea, noch seine Gegenspieler Michel Aoun und Sulaiman Franjieh kamen über die Ebene gegenseitiger Vorhaltungen hinaus.

Noch bedrohlicher erscheinen die Entwicklungen in Gaza. Zwar wird die militärische Eskalation und das überharte israelische Vorgehen von allen Seiten kritisiert, wirklich reagieren kann jedoch kaum eine Seite, mit einer Ausnahme: So wartet derzeit alles auf die Reaktion Hizbullahs. Bereits vor 2 Wochen hatte die Partei Gottes zum "Tage der Solidarität mit Gaza" aufgerufen, und dabei klar den militärischen Widerstand als ihr einzig legitimes Mittel gegen Israel erklärt. Auch deshalb wünschen sich alle Libanesen ein schnelles Ende der israelischen Offensive - vielen ist noch im Bewusstsein, was nach der letzten militärischen Gaza-Kampagne im Sommer 2006 folgte.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lieber Robert,

der 1. Advent dieses Jahres (2008) war nicht am 6. Dez. sondern am
30. Nov.

Dies als kl. Ergänzung :-)

Liebe Grüße,

der Schweizer

Ruth hat gesagt…

Mir gibt es ein unangenehmes Gefuehl in der Magengegend, dass der Verfasser sich so offensichtlich mit den Feinden Israels identifiziert. Die Raketen auf isr. Gebiet wurden mit Sicherheit nicht als ueberhart kritisiert... Und jetzt soll uns Hisbollah angreifen?!

Anonym hat gesagt…

Liebe Ruth,
von welchem Verfasser, der sich angeblich mit den Feinden Israels solidarisert redest du? Ich lese in hier keine Solidariserung raus. Leicht überspannt und reif für den Urlaub vielleicht?
Beste Grüße.

Anonym hat gesagt…

Liebe Ruth,

man fragt sich, welche übermenschlichen Fähigkeiten du besitzt, um zwischen den Zeilen "Identifikation mit den Feinden Israels" herauszulesen...Quatsch mit Soße! :-)

Einen guten Rutsch und viele Grüße!

dirk hat gesagt…

die vehemenz und penetranz mit der du, liebe ruth, die verfasser dieses im wahrsten sinne des wortes ausgezeichneten blogs immer wieder in die nähe von israel-feinden rückst, ist enervierend und lässt an deiner wahrnehmung zweifeln.

aus meiner sicht wäre langsam mal eine entschuldigung für deine ehrverletzende beschuldigung fällig.

R. Chatterjee hat gesagt…

liebe ruth,
also erstmal vorneweg, ich kann an keinen raketen etwas gutes finden, egal von wem sie auf wen geschossen werden. und hamas mag ich persönlich auch nicht sonderlich. nur man sollte sich kurz vor augen führen, dass der unmittelbare grund für die aufkündigung des waffenstillstandes dieseunsigge blockade war, die die ganze zivilbevölkerung gazas zutiefst getroffen hat. und was erwartet sich israel jetzt mit dieser offensive ernsthaft zu erreichen?!? ich find es ja gerade traurig, dass so auch noch hamas morlisch gstärkt geht und die blutigen umstände, mit denen sie sich an die macht geputscht haben nun völlig aus dem blick geraten. gleiches gilt für hizbullah, die jetzt natürlich sagen können:"leute, wir habens euch doch schon immer gesagt:" diese strategie, durch kollektive vergeltung die zivilbevölkerung gegen hamas und hizbullah aufzubringen hat früher nicht funktioniert und sie wird auch weiterhin nicht funktionieren. ich frag mich nur, ob die israelische führung wirklich so beschränkt ist, oder ob man im vorfeld der eigenen wahlen nur die muskeln lassen spielen will, um leuten wie netanyahu den wind aus den segeln zu nehmen?

und alle "ruth-basher": wir als blog-macher sind auch ganz froh mal konträre meiningen zu bekommen, das belebt schließlich die diskussion, und für seine meinung muss sich niemand entschuldigen;)

Ruth hat gesagt…

R. Chatterje,

zunaechst einmal danke, dass Du mich vor den Basher in Schutz genommen hast.

Hamas schert sich einen Dreck um die Bevoelkerung des Gazastreifens, nicht zu ihren Gunsten wurde der Waffenstillstand zum Schluss eklatant gebrochen und nicht wieder erneuert. An Warnungen hat es nicht gefehlt, wie auch von Aegypten und dem Fatahregime verkuendet wird. Es ging und geht Hamas nicht um die Verbesserung der Lebensumstaende der Bevoelkerung, sonst waere einfach die Raketen eingestellt worden. Immer wenn Ruhe herrschte, waren die Grenzuebergaenge naemlich geoeffnet und Waren wurden geliefert. Der staendige Beschuss gerade der Grenzuebergaenge macht auch klar, dass Hamas wollte, dass die Bevoelkerung leidet.

Dass saemtliche militaerischen Einrichtungen in Wohnvierteln, neben Schulen, Moscheen usw. plaziert sind, zeugt auch nicht gerade von Fuersorge fuer die eigene Bevoelkerung.

Wie kann man das alles einfach ausblenden und Israel die ungeteilte Schuld an der Eskalation zuschieben?!