Dienstag, 9. Mai 2006

Zwei Drittel der Israelis wollen Staat ohne Araber

Nach einer jüngsten Meinungsumfrage fordern knapp zwei Drittel der Israelis ihre Regierung auf, die arabische Minderheit in Israel zur Auswanderung zu bewegen. Nach Angaben des diesjährigen Demokratie-Indexes befürworten 62% der Befragten einen "araber-reinen" Staat.

Gegenwärtig leben etwa 1,3 Millionen Araber in Israel - das sind etwa 20% der Gesamtbevölkerung. Der Großteil von ihnen sind Palästinenser und deren Nachkommen, die nach der israelischen Staatsgründung 1948 und dem darauffolgenden Krieg nicht vertrieben wurden oder ihre Heimat freiwillig verließen.

Nur 14% der befragten Israelis erklärten AFP zufolge, die Beziehungen zwischen Juden und Arabern in ihrem Staat seien gut, 29% waren der Meinung, eine jüdische Mehrheit sei für Entscheidungen, die das Schicksal des Staates Israel entscheiden, zwingend erforderlich.

Gleichzeitig wächst die Unterstützung für die jüdischen Siedler in den Palästinensergebieten. Im vergangenen Jahr erklärte noch 70% der Israelis es sei falsch, sich den Anordnungen zur Evakuierung von Siedlungen wie etwa im Gaza-Streifen zu versetzen - in diesem Jahr sind nur noch 58% dieser Ansicht.

Als verlässlichste Institution des Staates gilt die Armee - ihr vertrauen 79% der Befragten, unter denen sowohl jüdische als auch muslimische Staatsbürger waren. Am unglaubwürdigsten erscheinen den Israelis ihre Parteien.

Kommentare:

Spork hat gesagt…

Umfragen! Ändern sich wie die Windrichtung. Die Palästinenser zur Auswanderung bewegen? Das ist doch ein anderes Wort für... nein, ich will es nicht sagen.

shual hat gesagt…

Ersten wird in der "encourage emigration"-Frage der Oppose-Wert gemessen. Dieser veränderte sich wie folgt: 2004: 41%; 2005: 50%; 2006: 38%

= Die Beruhigung der Terrorfrequenz und der Disengagement-Prozeß [eigene Probleme] führten zu einer Verbesserung 2005. Das "Besuchen" von Hamas-Größen durch Arab-Partei-Führern und der gewachsene Einfluß der Liebermann-Partei "Unser Haus Israel " [siehe riesigen Wahlerfolg] vor allem unter den russischen Einwandern führte zu einer Verschlechterung.

Theoretisch wird diese Polarisation innerhalb der jüdischen Bewohnerschaft Israels durch die Politik der Kadima/Labor noch verschärft, es sei denn Liebermann kann durch Regierungsteilnahme zu mehr Ruhe verpflichtet werden. Und wir erwarten selbstverständlich eine Verbesserung der sozio-okonomischen Situation der israelischen Araber.

Zweitens: Der "Gute Beziehungen"-Wert ist sogar um 3 Punkte gestiegen. Mit etwas Glück holt er den "Gute Beziehungen"-Wert zwischen Reich und Arm bald ein.

Letztlich dürfte eine Umfrage bei arabischen nichtjüdischen Israelis ähnlich Ergebnisse bringen. Infsofern sollte man die plakative Überschrift ergänzen:

"Zwei Drittel der arabischen Israelis wollen einen Staat ohne Juden und die jüdischen Israelis einen ohne Araber. Die Drusen freuts, die wollen nämlich einen ohne Araber und Juden und harren der Verwirklichung."