Freitag, 19. Mai 2006

Sudan: Islamist Turabi ruft zu Volksaufstand gegen Regierung auf


Der sudanesische Islamistenführer Hassan at-Turabi ruft zum Sturz der Regierung in Khartoum auf. Dieser könne durch einen allgemeinen Volksaufstand erreicht werden, so der Chef des "Nationalen Volkskongress".

Vor Journalisten erklärte Turabi gestern, das Friedensabkommen von Abuja, das am 5.Mai zwischen sudanesischer Regierung und der Rebellengruppe "Sudanesische Befreiungs-Armee" (SLA) geschlossen wurde, sei illgetim. Das Abkommen, das die Bürgerkriegsprovinz Darfur befrieden soll, sei lediglich ein Resultat amerikanischen Drucks. Mittlerweile sei die Regierung von Staatschef Omar al-Bashir den USA, "dem Herrn der Erde", nicht aber Allah, "dem Herrn der Himmel", hörig, so Turabi, der als einer der Vordenker des politischen Islams gilt. Von der Regierung in Khartum wird Turabi beschuldigt, die zweite große Rebellengruppe Darfurs, die "Bewegung für Gerechtigkeit und Gliechheit" (JEM) zu unterstützen.

Das Regime al-Bashirs werde stürzen, "wenn das Volk es ersetzt - nicht zum Nutzen eines Regimes oder einer Partei, sondern zum Wohle aller.", so Turabi gegenüber Reuters. Er selbst galt lange Zeit als Mentor des Diktators al-Bashir, überwarf sich aber 1999 mit diesem und verbrachte seither bis zu seiner Freilassung am 28.Juni 2005 knapp fünf Jahre im Gefängnis. In den 90er Jahren galt der heute 74-Jährige als eine Art "Schutzpatron" Usama Bin Ladens, der von 1991 bis 1996 im Sudan Unterschlupf fand.

Seit seiner Freilassung aus dem Gefängnis wurde mehrfach über eine Rückkehr Turabis in die aktive Politik spekuliert. Im vergangenen Monat wurde der Mann, der einst als "Papst des Terrorismus" bezeichnet wurde, von einigen islamischen Gelehrten Sudans zum Apostaten erklärt. In einem Interview mit der in London erscheinenden Zeitung "ash-Sharq al-Awsat" hatte Turabi unter anderem erklärt, eine Frau könne auch nach ihrer Konversion zum Islam mit einem Nicht-Muslimen verheiratet bleiben. Außerdem könne auch eine Frau als Vorbeterin in einer muslimischen Gemeinde tätig sein. Turabis Kollegen betrachteten diese Auslegung von Koran und Hadith als Häresie.

1 Kommentar:

Olaf Petersen hat gesagt…

Ganz heisse Kiste! In seiner letzten Audiobotschaft rief Osama Bin Laden zum Jihad im Sudan auf. Er nannte das unter Druck Präsident Bushs erzielte Abkommen zwischen Bashir und Garang über ein Referendum im Südsudan eine Preisgabe islamischen Bodens, einen Verrat also:

"The US sought to reach southern Sudan, recruited an army of southerners, supported them with weapons and funding and directed them to seek separation from Sudan. Then it exercised pressure against Khartoum government to sign an unjust agreement which permits south Sudan to gain independence from the north within six years.

[Sudanese President Omar] al-Bashir and [US President George] Bush should have been aware that this agreement is not worth the ink by which it was written, and we do not accord the least concern to it. Nobody, whoever he was, has the right to accede an inch of the land of Islam and the south will remain an inseparable part of the land of Isalm, God willing, even if the war continued for decades.

The US was not satisfied by all the sedition and crimes, but went on to incite sedition, the largest of which was the west Sudan sedition by exploiting some disputes between the tribes and sparking a savage war between them that will spare nothing, prior to sending in Crusader troops to occupy the region and steal its oil wealth under the pretext of peacekeeping."

http://amigoboom.typepad.com/extrablog/2006/04/jihad_in_darfur.html