Freitag, 25. Januar 2008

Anschlag in Beirut

Der Libanon wird in immer kürzeren Abständen von neuen Anschlägen erschüttert. Heute wurden bei einer Explosion um 10 Uhr Ortszeit im Beiruter Vorort Hazmiyeh nach neuesten Angaben mindestens 10 Menschen getötet. Das Attentat galt offenbar Wissam Eid, hochrangiger Mitarbeiter des Geheimdienstes der Inneren Sicherheitskräfte (ISF) im Libanon.

Die ISF unterstehen dem Innenministerium und wurden seit dem syrischen Abzug aus dem Libanon 2005 von den USA, der EU, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten massiv aufgerüstet. Unter der Führung ihres Generaldirektors Ashraf Rifi hat sich die Zahl der ISF-Angehörigen seither von 13000 auf 24000 fast verdoppelt. Der Großteil der neuen Rekruten sind Sunniten. Dieser Umstand, sowie die Tatsache, dass die Inneren Sicherheitskräfte von den sunnitischen arabischen Staaten in großem Umfang unterstützt werden, hat der ISF den Vorwurf eingebracht, nicht neutral, sondern eine Regierungsmiliz zu sein.

Auch der ermordete Wissam Eid war ein Sunnit aus der Ortschaft Deir Ammar im Nordlibanon. Er war offenbar beteiligt an der Aufklärung der jüngsten Bombenanschläge, sowie der Umstände die zum Aufstand der Fatah al-Islam im palästinensischen Flüchtlingslager Nahr al-Bared geführt haben. Im Februar 2006 überlebte Eid einen ersten Mordversuch verletzt, als eine Handgranate vor seiner Haustür explodierte.

Unklar ist bislang, ob ein Selbstmordattentäter den Anschlag verusachte oder eine Autobombe detonierte. Erst vor 10 Tagen wurden bei einem Attentat auf ein Fahrzeug der US-Botschaft im Norden Beiruts 3 Menschen getötet.

Update: Offenbar wurde die Anzahl der Todesopfer von den Sicherheitskräften anfänglich erneut höher beziffert, als dies den Realitäten entsprach. Das Rote Kreuz berichtet mittlerweile von 4 Toten und 38 Verletzten.

Kommentare:

Ruth hat gesagt…

Bemerkenswert, dass Du wieder kein Wort auf die wahrscheinlichen Hintermaenner in Syrien verwendest. Dabei scheint das so auf der Hand zu liegen, dass sich selbst aegyptische Aussenminister Ahmad Abul Gheit weit aus dem Fenster lehnt.

shual hat gesagt…

Liebe Ruth,

Du bist hier nicht up-to-date. Die Diskussion tendiert in eine andere Richtung: "Al Qaeda is now unleashed in Lebanon and they are here to stay," said Ahmad Moussali, professor of political science and Islamic studies at the American University of Beirut. "Al Qaeda thrives in civil war and chaos. International players should be very careful in Lebanon."

Ruth hat gesagt…

Ich glaube gern, dass interessierte Kreise Al Qaida an die Wand malen moechten. Bei Fatah-Al-Islam wurde das ja auch versucht, obwohl die Interessenkonvergenz zum Himmel stank. Die arabischen Aussenminister sind offensichtlich anderer Meinung...

Wer Ahmad Moussali genau ist und welche Beziehungen er hat (soll heissen, wessen Sprachrohr er ist) muesste ich aber erst noch recherchieren.