Samstag, 11. Oktober 2008

Ausschreitungen zwischen Juden und Arabern in Akko

Am Samstag ist es in der nordisraelischen Stadt Akko am vierten Tag in Folge zu Ausschreitungen zwischen Juden und Arabern gekommen. Dabei wuden zwei von arabischen Israelis bewohnte Häusern in Brand gesteckt.

Die Krawalle in Akko waren am Mittwoch Abend ausgebrochen. Auslöser war ein arabischer Auofahrer, der wenige Stunden nach Beginn von Yom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag in einem jüdischen Stadtteil Akkos unterwegs war. Gläubigen Juden ist das Auto fahren an diesem Tag untersagt. Der Araber, Taufiq Jamal, gab jedoch an, er wollte mit dem Auto seine Tochter vom Haus ihres Verlobten abzuholen. Dabei sei er "langsam und vorsichtig" gefahren. Nach Aussagen jüdischer Augenzeugen hat der Mann jedoch während des Fahrens geraucht und laut Musik gehört, um die jüdischen Anwohner zu provozieren.

Daraufhin wurde Taufiq Jamals Auto mit Steinen beworfen und von jüdischen Jugendlichen umringt. "Die Juden wollte uns lynchen.", beschreibt der Mann die Ereignisse vom Mittwoch Abend.

Noch am Mittwoch Abend kam es wie auch an den drauffolgenden Tagen zu Zusammenstößen zwischen jüdischen und arabischen Gruppen, zumeist Jugendlichen. Dabei hätten die Juden "Tod den Arabern" und die Araber "Tod den Juden" gerufen. Bei den Ausschreitungen wurden bislang 100 Autos und 40 Geschäfte beschädigt. 30 Menschen wurden bis dato festgenommen, 20 von ihnen befinden sich noch immer in Gewahrsam. Mehrere Menschen wurden verletzt. Ein für die kommende Woche angesetztes Fußballspiel, sowie ein Theaterfestival in Akko wurden vorsorglich abgesagt.

Etwa ein Drittel der 50000 Einwohner Akkos sind Araber. Die Stadt gilt als gelungenes Beispiel für eine friedliche Koexistenz von Juden und Muslimen in Israel. Als Reaktion auf die Ausschreitungen der letzten Tage hat jedoch eine Gruppe von jüdischen Einwohnern ihre Mitmenschen aufgefordert, arabische Geschäfte künftig zu boykottieren. Auch erste Plakate mit dem Schriftug "Ein Jude sollte nicht bei Arabern kaufen" sollen bereits in der Stadt hängen.

Jüdische und muslimische Würdenträger und Politiker haben ihre Anhänger zur Zurückhaltung aufgefordert und bemühen sich die Wogen zu glätten, nachdem sich Juden und Araber gegenseitig beschuldigt hatten ein Pogrom gegen die jeweils andere Bevölkerungsgruppe verübt zu haben. Der arabische Autofahrer soll nun öffentlich für sein Handeln gescholten werden.