Seit Jahrzehnten sind sie aus den Fankurven in Italien und Frankreich nicht mehr wegzudenken und auch in Deutschlands
Fußballstadien sind sie mittlerweile tonangebend: "
Ultras" - Fußballfans, die ihren Verein besonders fanatisch unterstützen, u.a. mit
Choreographien, bengalischen Feuern und einstudierten Dauergesängen. Daneben nehmen sie oftmals eine kritische Haltung gegenüber ihrer Vereinsführung ein.
Vor knapp zwei Jahren haben sich auch unter den Fans der beiden größten ägyptischen Vereine
Zamalek und
al-
Ahly Kairo
Ultragruppierungen gebildet. Seit Januar sind nun die "
Ultras Ahlawy" ins Visier der Staatssicherheit und der Medien geraten. Jetzt wollen sie sich gerichtlich dagegen wehren und haben Anzeige gegen einen ägyptischen
Fernsehmoderator eingereicht, von dem sie sich beleidigt und bedroht fühlen.

Anfang Januar musste
al-
Ahlys Auswärtsspiel in
Ismailia mehrfach unterbrochen werden, da von den Zuschauern immer wieder
Leuchtraketen aufs Spielfeld gefeuert wurden. Mehrere Personen wurden festgenommen.
Besondere Aufmerksamkeit erlangten die Ereignisse durch
Ahmed Shobeir.
Shobeir war selbst lange Jahre Torwart bei
al-
Ahly Kairo, stand für sein Nationalteam bei der WM 1990 zwischen den Pfosten und ist heute Parlamentsabgeordneter für die regierende Nationaldemokratische Partei. Nebenbei moderiert er auf dem TV-Kanal "
al-
Hayat" die bekannte Fernsehsendung "Fußball mit
Shobeir".
In seiner TV-Show am 9. Januar machte
Shobeir die
Ultras Ahlawy für die Ausschreitungen in
Ismailia verantwortlich. Ihre Mitglieder seien Homosexuelle, Drogenabhängige und vom Islam abgefallen, erklärte der ehemalige Nationaltorwart. Der Fußballverband solle "mit eiserner Faust" gegen die Fans vorgehen, forderte
Shobeir.
Parallel dazu ging die Staatssicherheit vor dem
Stadtderby zwischen
Ahly und
Zamalek Kairo massiv gegen die
Ultras Ahlawy vor. Ihre Treffpunkte wurden gestürmt, etwa 100 Fans festgenommen und erst nach dem Spiel wieder freigelassen. Das Spiel selbst fand und großen Sicherheitsvorkehrungen statt.
In den Wochen danach schaukelte sich die Auseinandersetzung zwischen
Ultras und
Shobeir weiter hoch. Die Fans beschuldigten den Politiker er selbst habe ihre Gruppe in der Vergangenheit dafür bezahlt andere Leute mit ihren Gesängen anzugreifen.
Shubeir legte mit weiteren Anschuldigungen nach und
warf den Ultras vor, sie wollten versuchen Ägyptens
Qualifikation für die Fußball-WM 2010 zu verhindern.

In der letzten Woche
reagierten die Ultras Ahlawy mit einem offiziellen Schreiben an den Innenminister und den Parlamentspräsidenten. Darin erklärten sie, die Ausschreitungen beim Spiel in
Ismailia seien nicht von ihren Mitgliedern ausgegangen. Ihre Gruppe bestehe nicht aus Ganoven und Militanten. Sie verwiesen darauf, dass die
Ahly-Fans im vergangenen Jahr vom afrikanischen
Fußballverband als beste Fangruppe des Kontinents ausgezeichnet wurden. Außerdem haben sie
Ahmed Shobeir wegen Beleidigung und übler Nachrede
angezeigt und fordern die Aufhebung seiner Immunität. Anzeigen gegen die Chefs von
Shobeirs TV-Sender
al-
Hayat werden derzeit noch geprüft.
Ägyptens Medien verfolgen die Entwicklungen ebenso aufmerksam wie voreingenommen. Dabei überrascht, dass in einer Gesellschaft die von religiösen Extremisten bedroht wird
Fußballfans mit Nazis verglichen und als Gefahr für den ägyptischen Staat betrachtet werden.