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Mittwoch, 19. September 2012

Akteure und Hintergründe des Abyan-Konflikts im Südjemen

Von Anne-Linda Amira Augustin

Der Jemenitische Frühling hat das Land an den ökonomischen und politischen Abgrund geführt. Dies verstand ich, als ich im August 2012 in den Südjemen reiste. Zuletzt besuchte ich die Region Ende 2010. In dieser Zeit bekam Aden einen neuen Anstrich, damit es repräsentativ für den Fußballcup Khaleeji 20 wurde, der in Aden und in der 50 km entfernten Hauptstadt des Gouvernorates Abyan Zinjibar ausgetragen wurde. 

Freitag, 29. Juni 2012

Zaydi Rebel Gains Another Obstacle to National Dialogue in Yemen


Ein Gastbeitrag von Fernando Carvajal.
The political transition in Yemen continues obstructed by infighting, stalled military restructuring, presence of Islamic militants, a secessionist movement and an eight year-old rebellion in the north by a Zaydi group holding near autonomy over the province of Sadah.  The rebels, under the political and spiritual leadership of Abd al-Malek bin Badr al-Din al-Houthi, have expressed their conditional willingness to participate in the upcoming National Dialogue process, but very few see any realistic possibility the group will loosen its grip on authority over the province that grants them protection and plenty of political capital.  

Donnerstag, 22. März 2012

Die Rhetorik der Autokraten: Terroristen, Bazillen, Ratten!

In öffentlichen Reden und Rechtfertigungen der gefährdeten Staatschefs im Nahen Osten wird lauthals gepoltert und beleidigt. Beleidigungen können dabei weit mehr, als nur diffamieren. Ein Gastbeitrag von Philipp Meier.

Montag, 20. Februar 2012

Elections in Yemen: The roadblock to change

Ein Gastkommentar von Will Picard
On February 21, Yemen will hold a presidential election that will defy almost every notion of what an election should be. Contrary to Yemeni law, the “election” will feature only one candidate, whose victory has been decided ahead of time; but even if the election’s result is certain, its effects are difficult to predict.

Freitag, 7. Oktober 2011

Friedensnobelpreis für Tawakul Karman - Ehrung für die Mutter der Proteste

Ein Beitrag von Hannes Alpen und Christoph Sydow 

 Überraschende Entscheidung des Nobelpreiskomitees in Oslo: Die Jemenitin Tawakul Karman gehört zu den drei Frauen, die in diesem Jahr den Friedensnobelpreis erhalten. Damit würdigt das Gremium ihren Kampf für Frauenrechte im Jemen, der lange vor dem Arabischen Frühling begann.

Dienstag, 7. Juni 2011

Der Al-Ahmar-Clan im Jemen: Familienduell in Sanaa

Ein Beitrag von Mareike Transfeld
Während Präsident Saleh in Saudi-Arabien zur Behandlung weilt, entfaltet sich in Sanaa ein blutiger Machtkampf zwischen dem Haus Al-Ahmar und dem Präsidenten. Was macht den Stammesverbund so mächtig – und wie steht er zu der Protestbewegung?

Samstag, 19. März 2011

Freitag im Jemen: Das Massaker vom Platz des Wandels

Während der Westen Luftschläge gegen Libyen vorbereitet, geht Jemens Regierung mit größter Brutalität gegen die Opposition vor. Bei einem Massaker gegen friedliche Demonstranten töteten Sicherheitskräfte am Freitag in Sanaa mehr als 50 Menschen. Aus Jemens Hauptstadt berichtet Jonas Ahrens

Montag, 14. März 2011

Jemen - Aus Pink wird Jasmin

Von Jens Heibach

Wurden Demonstrationen zu Beginn des Jahres noch hauptsächlich von der parteipolitischen Opposition organisiert, versammelt sich nun fast das ganze Land gegen Staatspräsident Ali Abdallah Saleh, allen voran die Jugend. Für Saleh wird die Lage immer bedrohlicher.

Samstag, 24. April 2010

Yahya Al-Houthi im Exklusivinterview mit Alsharq

Seit sechs Jahren leidet der Jemen unter einem Bürgerkrieg zwischen der Staatsmacht und der schiitischen Bewegung der Houthis. Der Konflikt wird vor allem in der Provinz Saada, der nördlichen Grenzregion zu Saudi-Arabien, ausgetragen. In nunmehr sechs Kriegen seit 2004 versucht dort die Regierung unter Präsident Ali Abdallah Salih die schiitischen Rebellen des Houthi-Clans zu zerschlagen. Der Konflikt hat Tausenden das Leben gekostet und etwa 150.000 zu Flüchtlingen gemacht.

2009 weiteten sich die Kampfhandlungen auch auf Saudi-Arabien aus, als die saudische Luftwaffe Stellungen der Houthis im Norden des Jemen bombardierte. Der Konflikt hat auch eine religiöse Dimension: Die Houthis gehören der zaidischen Richtung des schiitischen Islam an und die sunnitisch dominierte Regierung des Jemen, wie auch Saudi-Arabien, werfen dem Iran vor, die Houthis für ihre Machtpolitik zu benutzen und den Konflikt anzustacheln. Die Houthis wiederum sehen sich als Opfer einer saudisch-wahhabische Verschwörung.

Im Februar 2010 einigten sich die Houthis mit der Regierung auf einen Waffenstillstand und den Austausch aller Gefangenen. Seitdem ruhen die Waffen, aber die Houthis fordern weiterhin die Freilassung von 1000 ihrer Leute.

Yahya Badraddin al-Houthi ist ein Führer der Bewegung und war Abgeordneter im jemenitischen Parlament, als er 2005 nach Deutschland kam. Wegen der Gewalteskalation lebt er bis heute in Deutschland und vertritt die Interessen der Houthi-Bewegung im Ausland. Mittlerweile hat das jemenitische Parlament seine Immunität aufgehoben. In Abwesenheit hat ihn im Februar 2010 ein Gericht zu 15 Jahren Haft verurteilt, wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Sein Bruder Abdul Malek gilt als militärischer Führer der Houthis im Jemen.


Die Fragen stellte Maximilian Felsch



Mittwoch, 31. März 2010

Die Opposition im Jemen: Reale Machtalternative oder harmloses Zweckbündnis?

von Anna Theißing

Der Jemen steht gegenwärtig vor großen Herausforderungen. Die amtierende Regierung um Präsident Ali Abdullah Saleh und seiner Partei, dem Allgemeinen Volkskongress (AVK) wird von verschiedenen inneren Kräften bedroht. Schlagzeilen machen in diesem Kontext vor allem die shiitische Houthie-Bewegung und die Terrororganisation Al-Qaeda.

Dabei bleibt oft unerwähnt, dass sich unabhängig vom militanten Islamismus, der im Jemen ohnehin keine Massenbewegung darstellt, eine breite politische Opposition gegen das Regime Ali Salehs formiert hat. Diese besteht aus zwei Sammelbewegungen, die sich beide aus vormals verfeindeten islamistischen und sozialistischen Strömungen zusammensetzten. Dabei handelt es sich zum einen um die Joint Meeting Parties (JMP), zum anderen um die außerparlamentarische Unabhängigkeitsbewegung.

Auf den ersten Blick scheint sich eine enge Zusammenarbeit der beiden Gruppierungen anzubieten. Haben sie es doch zumindest vorübergehend geschafft ehemals gegnerische Lager unter einen Hut zu bringen. Da sollte eine Kooperation für zwei Organisationen ähnlicher Zusammensetzung, die sich im Kampf gegen den gleichen Feind, das Regime Ali Salehs, befinden, ein leichtes sein. Aber so einfach stellt sich die Situation nicht dar. Betrachtet man die Gruppierungen genauer, lassen sich entscheidende Unterschiede feststellen, die in der Realität zunehmend ihren Ausdruck finden.

Mittwoch, 6. Januar 2010

al-Qaida im Jemen - Neuer Brennpunkt, alte Fehler

Nach dem Anschlagsversuch von Detroit sucht der Westen nach dem richtigen Umgang mit al-Qaida im Jemen. Das Terrornetzwerk ist dabei nicht die einzige Bewegung, von der Präsident Ali Abdullah Salih herausgefordert wird. Lange hat Jemens Regierung al-Qaidas Stärke unterschätzt

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Freitag, 18. Dezember 2009

Jemen - Gewalt im Namen der Einheit

Nicht nur Deutschland feiert 2010 den 20. Jahrestag seiner Wiedervereinigung. Auch im Jemen erinnert man im kommenden Jahr an die Vereinigung Nord- und Südjemens im Mai 1990. Im Vorfeld des Jahrestages wird die Einheit des Landes an der Südspitze der Arabischen Halbinsel jedoch mehr denn je in Frage gestellt. Im Grenzgebiet zu Saudi-Arabien kämpft der Staat gegen die Houthi-Rebellen, im Süden fordern Demonstranten auf wöchentlichen Kundgebungen mehr Autonomie. Außerdem wird die Regierung seit Jahren vom Terrornetzwerk al-Qaida herausgefordert.

Mittwoch, 11. November 2009

Kriegsgetrommel in saudischer Presse


Von Jannis Hagmann


Thema Nr. 1 in der saudischen Presse sind nun schon seit einer Woche die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen jemenitischen Huthi-Rebellen und saudischen Streitkräften im Südwesten des Königreichs. Die saudischen Zeitungen scheinen ihre ersten Seiten für Fotos siegesgewisser Soldaten und neueste Berichte über "unsere Streitkräfte" reserviert zu haben. In der Universität interessiert sich jedoch kaum jemand für den Konflikt. Die Niederlage gegen die koreanische Fußballmannschaft vor wenigen Tagen sorgte für mehr Gesprächsstoff.


Die Kämpfe brachen letzten Mittwoch aus, als eine Gruppe der schiitischen Huthi-Milizen im Jemen die Grenze zu Saudi-Arabiens Südwest-Region Jazan überschritt. Saudi-Arabien antwortete mit Boden- und Lufttangriffen und berichtete schon kurz darauf, dass es die Lage "unter voller Kontrolle" habe.
Offiziellen Angaben zufolge sind auf saudischer Seite drei Soldaten getötet worden, vier werden noch vermisst. Todesopfer auf der Seite der Huthis sind wahrscheinlich um einiges höher. Über 4000 Jemeniten sollen von saudischen Streitkräften festgenommen worden sein. Hunderte, anderen Berichten zufolge sogar Tausende von Menschen wurden evakuiert oder mussten fliehen.

Sowohl die jemenitische als auch die saudische Regierung streiten Gerüchte ab, denen zufolge das saudische Militär auch auf jemenitischem Staatsgebiet aktiv gewesen sei. Laut AFP erklärte Khalid bin Sultan, der stellvertrende Verteidigungsminister Saudi-Arabiens, allerdings: "We are not going to stop the bombing until [they] retreat tens of kilometres inside [the Yemeni] border". Wie das ohne Grenzübertritt möglich sein soll, ist mir ein Rätsel.



"Unser Militär hat die volle Kontrolle in der Jabal Dakhan-Region"


Die Huthis gehören zur schiitischen Minderheit im Jemen und sind seit Jahren im Konflikt mit der jemenitischen Regierung. Allerings ist nur ein kleiner Teil der sogenannte Za'idi-Schiiten an der Rebellion der Huthis beteiligt.
Gestern schaltete sich Iran in den Konflikt ein und warnte vor einer Intervention der Nachbarstaaten (d.h. Saudi-Arabiens). Iran wird von der jemenitischen Regierung sowie von saudischen Analysten beschuldigt, die Huthis mit Waffen zu versorgen und den Konflikt zu schüren.



Jannis und Nora studieren zurzeit an der King Abdulaziz Universität in Jidda, Saudi-Arabien, Soziologie, Geschichte und Islamwissenschaft. Auf ihrem Blog Berlin goes Saudi schreiben die Beiden über ihre Erfahrungen im Königreich der Menschlichkeit.

Montag, 21. September 2009

Jemen: Regierung bietet "Houthi"-Rebellen Waffenstillstand an

Anlässlich des Fastenbrechens (Eid al-Fitr), der das Ende des Ramadan markiert, verkündete die jemenitsche Regierung am 19. September ein neues Waffenstillstandsangebot an die "Houthi"-Bewegung.

Seit etwa fünf Jahren wird die nordjemenitische Provinz Saadah von schweren Auseinandersetzungen erschüttert. Die so genannte "Houthi"-Bewegung, benannt nach ihrem 2004 getöteten Gründer Hussein Badreddin al-Houthi, sieht sich dabei selbst als legitimer Verteidiger der zaiditischen Schiiten, die den Jemen bis zu dessen Teilung 1962 regierten, heute aber nur 25% der Bevölkerung des südarabischen Staates ausmachen. Die Shabab al-Mu'minin (=gläubige Jugend), wie sich die "Houthis" selber bezeichnen, fordern kulturelle und religiöse Eigenbstimmung, während Staatspräsident Ali Abdallah Saleh ihnen Terrorismus vorwirft und die Hände des Iran im Spiel sieht.

Seit dem Ausbruch der Kämpfe kochte der Konflikt stets auf Sparflamme, zermürbte aber die gesamte ansässige Bevölkerung in der Provinz nördlich der Hauptstadt Sanaa und sorgte für ein Klima ständiger Instabilität, die das Armenhaus der Arabischen Halbinsel zusätzlich schwächten. Insgesamt fünfmal versuchten sich Regierungstruppen und Aufständische zu einem Frieden durchzuringen. Über Waffenstillstände kam man allerdings nie heraus, und selbst diese wurden regelmäßig gebrochen.

Unmittelbar nach der letzten gescheiterten Waffenruhe Mitte August 2009 schließlich eskalierten die Kämpfe und erreichten eine neue Stufe. Die jemenitische Armee startete eine Großoffensive und setzte ertsmals großflächig ihre Luftwaffe ein. Die humanitäre Situation der Zivilbevölkerung verschärfte sich daraufhin drastisch, ohne jedoch genügend internationalen Druck zu generieren, der die Regierung gezwungen hätte, die Flüchtlingsproblematik in die militärischen Planungen einzubeziehen. Erst am 2. September, nachdem die Vereinten Nationen einen Appell zur Errichtung eines huminitären Korridors veröffentlichten, erreichten internationale Hilfskräfte die Zivilbevölkerung. Insgesamt schätzt die UN, dass bis zu 150.000 Menschen durch die anhaltenden Kämpfe zu Flüchtlingen im eigenen Land geworden sind, allein 55.000 durch die jüngste Armeeaktion.

Diese Zugeständnisse hinderten allerdings beide Seiten nicht daran, den Kampf fortzusetzen, wenngleich die Kriegsführung der jemenitischen Truppen nun international durchaus kritischer beäugt wurde. Der Luftangriff auf das Dorf Adi, bei dem am 18. September 2009 etwa 80 Zivilisten zum Opfen fielen, wäre sonst vielleicht kaum bemerkt worden. So aber erregte der Vorfall einige Aufmerksamkeit und nötigte Präsident Ali Abdullah Saleh eine öffentliche Entschuldigung ab. Aus strategischer Sicht erwies sich der fehlgeleitete Beschuss als besonders schwerwiegend, schließlich handelte es sich bei den Opfern um sunnitische Stammesangehörige, die mit den staatlichen Truppen gegen die "Houthis" kämpften.

Dass die jemenitische Regierung nur einen Tag später einen neuen Waffenstillstand verkündete, mag diesen Umständen geschuldet sein. Die "Houthis" wiederum begrüßten in einer ersten Stellungnahme das Angebot und schlugen zugleich die zügige Aufnahme umfassender Friedensgespräche vor. Die Bedingungen sind in etwa die gleichen wie vor dem August 2009: Räumung von militärischen Posten, Waffenübergabe an die jemenitische Armee und Rückzug aus den besetzten Lokalverwaltungen. Damals wurde das Angebot ohne jegliche Diskussion abgelehnt, die heutige Reaktion erscheint, zumindest im Ton, sehr viel positiver.

Ob die jemenitische Regierung allerdings zu einem politisch-kulturellen Dialog bereit ist, wie er von der "Houthi"-Bewegung ursprünglich mal gefordert wurde, ist weiterhin unklar. Bisher rechtfertigte Ali Abdullah Saleh den Kampf gegen die "Houthi"-Rebellen als Kampf gegen den Terror - und kam international damit vergleichsweise ungeschoren davon. In der Tat gilt der Jemen in den letzten Jahren als neues Domizil für sunnitische Jihadisten. "Al-Qaida auf der Arabichen Halbinsel" hatte erst im August 2009 sein Hauptquartier in den Jemen verlegt und von dort aus wahrscheinlich den Anschlag auf den saudischen Antiterror-Chef Muhammad bin Nayef geplant. Dass die größte islamistische Bedrohung im Jemen aber nicht von den "Houthis", sondern von al-Qaida ausgeht, dürfte die Strategie der Regierung auf den Prüfstand stellen. Selbst die saudischen Nachbarn, die Salehs Grenzkrieg gegen die "Houthis" bislang vorbehaltlos unterstützten, dürften nun auf eine Prioritätenverschiebung drängen, schließlich kann die vergleichsweise schwache jemenitische Armee wohl kaum an zwei Fronten - gegen die "Houthis" und al-Qaida - bestehen und gibt letzterer eher den Freiraum ungestört zu agieren.

Dienstag, 16. Juni 2009

Entführungen im Jemen - Dunkles Erbe mit blutigen Folgen

Die jüngste Entführung von Ausländern im Jemen ist blutig eskaliert. Warum dieses Kidnapping nicht so glimpflich verläuft wie so viele andere Fälle im südarabischen Land, erklären die nicht gelösten Probleme der Vereinigung der beiden jemenitischen Staaten

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Freitag, 27. Februar 2009

Jemen: Parlamentswahlen auf 2011 verschoben

Das Parlament im Jemen hat gestern mit großer Mehrheit die Absage der für den 27. April geplanten Parlamentswahlen beschlossen. Die Wahlen sollen nun frühestens 2011 stattfinden. Die derzeit amtierenden Abgeordneten wurden 2003 gewählt - eigentlich nur für vier Jahre. Bereits die für 2007 vorgesehenen Parlamentswahlen waren abgesagt worden.

Die erneute Verschiebung der Wahlen ist das Ergebnis eines Abkommens zwischen Präsident Ali Abdullah Salih und der Opposition. Diese hatte zuvor mit einem Wahlboykott gedroht, da ihre Vertreter nicht in der Wahlkommission vertreten sind, die die Abstimmung vorbereiten und über die Zulassung der Kandidaten entscheiden soll. Die Oppositionsparteien betrachteten den gesamten Wahlprozess daher als illegal.

Nun wollen sich Regierung und Opposition bis April 2011 auf Wahlreformen einigen. Gerüchten zufolge soll bereits Einigkeit darüber herrschen, dass die Mitglieder des Shura-Rates, einem Gremium das den Präsidenten berät, künftig direkt vom Volk gewählt und nicht mehr vom Staatschef ernannt werden sollen.

Es erscheint höchst zweifelhaft, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre die Voraussetzungen für faire und freie Wahlen geschaffen werden können. Präsident Salih scheint entschlossen an der Macht festzuhalten und eines Tages sein Amt in die Hände seines Sohnes Ahmed Ali Abdullah Salih zu übergeben. Forderungen der Opposition nach einer Beschränkung der präsidentialen Vollmachten widersprechen jedoch diesem Ansinnen.

Freitag, 16. Januar 2009

Russland plant Marinestützpunkte im Nahen Osten

Russland unternimmt offenbar weitere Schritte um seinen militärischen Einfluss im Nahen Osten auszubauen. So plant die russische Armee in den nächsten Jahren die Errichtung dreier Flottenstützpunkte in Libyen, Jemen und Syrien. Wie die Nachrichtenagentur Itar-Tass unter Berufung auf die russische Marine meldet, soll ein Flottenstützpunkt in der libyschen Hafenstadt Benghazi, ein weiterer im syrischen Tartus und ein dritter auf der zu Jemen gehörenden Insel Sokotra errichtet werden.

"Die politische Entscheidung hierfür ist getroffen worden. Es ist schwierig zu sagen, wieviel Zeit dafür in Anspruch genommen werden muss, aber ohne Zweifel wird es in ein paar Jahren soweit sein", wird ein Armeesprecher zitiert. Die Marinestützpunkte dienten dem Zweck Russlands wirtschaftliche und militärische Interessen in der Region zu schützen.

Die Basis auf Sokotra, einer Insel am Horn von Afrika, solle besonders dem Schutz ziviler russicher Schiffe im Golf von Aden dienen. Dort sind in den vergangenen Monaten immer wieder Schiffe von Piraten überfallen worden. Zudem gehe es darum auf wechselnde Situationen in der explosiven Nahostregion reagieren zu können.

Alle drei Marinebasen werden in den Ländern des Nahen Osten errichtet, zu denen bereits die Sowjetunion enge Beziehungen unterhielt. Libyen und Syrien waren während des Kalten Krieges eng mit Moskau verbunden und auch die Insel Sokotra gehörte vor der Wiedervereinigung des Jemen zum sozialistischen Süden. Schon die Rote Armee führte hier in den 1980er Jahren Marineübungen durch.

Auch im syrischen Tartus will Russland offenbar einen alten sowjetischen Kriegshafen wiederbeleben, der während des Kalten Krieges ein wichtiger Versorgungspunkt der sowjetischen Marine im Mittelmeer war. Der Stützpunkt wird von der russischen Armee noch immer benutzt, gilt jedoch als veraltet. Nun soll die Basis offenbar runderneuert werden und anschließend möglicherweise auch Schiffe beherbergen, die mit Atomwaffen ausgerüstet sind.

Auch mit Syriens Nachbarn Libanon vertieft Russland derzeit seine militärische Zusammenarbeit. Schon im Dezember hatte der Kreml überraschend 10 MiGs an den Libanon vergeben und damit seinen Einfluss in der Levante geltend gemacht.

Dienstag, 16. Dezember 2008

Juden im Jemen

Der Mord an einem jemenitischen Juden in der vergangenen Woche zeigt die prekäre Lage der jüdischen Gemeinde im Jemen. Der 30-jährige Jude Moshe bin Yaish bin Yusuf Nahari wurde am Donnerstag in der Kleinstadt Raidah von einem muslimischen Extremisten erschossen.

Der Mörder, Abdulaziz Hamoud al-Abdi, ehemaliger Pilot der jemenitischen Luftwaffe, räumte die Tat bereits ein. Mit dem Mord an dem Juden wolle er "Gott näherkommen", so al-Abdi in der Vernehmung. Bereits heute sollte der Prozess gegen ihn beginnen. Vor zwei Jahren hatte der Mann bereits seine Ehefrau getötet, wurde jedoch auf freien Fuß gesetzt, da er psychisch instabil gewesen sei.

Die Stadt Raida in der Provinz Amran ist die letzte jüdische Enklave im Jemen. Etwa 200 bis 500 Juden leben heute noch hier. In dem Ort gibt es eine Synagoge, eine Mikwe - ein jüdisches Bad - und eine Yeshiva - eine Talmudschule. Der Ermordete selbst war Lehrer an der Yeshiva.

Bis Mitte der 1940er Jahre lebten mehr als 60000 Juden im Jemen. Nach der Teilung Palästinas und mehreren Pogromen gegen die jüdische Minderheit bei denen mehr als 80 Menschen starben und hunderte jüdische Häuser zerstört wurden, emigrierten fast alle Juden nach Israel, die USA oder Europa. Durch die Operation Fliegender Teppich wurden zwischen Juni 1949 und September 1950 aus dem Jemen nach Israel gebracht.

Heute führen die Juden im Jemen ein Leben als Bürger zweiter Klasse. Der Rabbi der Gemeinde in Raidah und Bruder des Ermordeten berichtet von mehreren Drohungen, die seine Gemeinde in den letzten Monaten erhalten habe - zum Teil von örtlichen Offiziellen. Das Innenministerium in Sanaa erklärte am Samstag, man habe acht Verdächtige festgenommen, die beschuldigt werden, die jüdischen Bürger bedroht zu haben. Erst am Sonntag warf ein Unbekannter eine Handgranate in ein mehrheitlich von Juden bewohntes Viertel des Ortes Kharaf unweit von Raidah.

Rabbi Yahya bin Yaish verlieh seiner Angst und seinem Zorn auf die Untätigkeit des Staates angesichts der Bedrohung deutlichen Ausdruck: "Wenn der Staat untätig und nicht in der Lage ist uns zu schätzen, dann kauft unsere Häuser und unser Eigentum, gebt uns das Geld und weist uns aus dem Land."

Freitag, 21. November 2008

Jemen - Krise ohne Ausweg?

Der Jemen sieht sich in den kommenden Jahren einer Reihe von Herausforderungen entgegen, die das Land an den Rand des Zusammenbruchs führen und die Stabilität und Sicherheit auf der Arabischen Halbinsel gefährden könnten. Zu diesem Ergebnis kommt eine in dieser Woche veröffentlichte Studie des Londoner Think Tanks "Chatham House".

Schon heute ist der Jemen das ärmste Land in der Arabischen Welt. 46% der Kinder sind unterernährt, die Arbeitslosenrate liegt bei 40, die Inflationsrate bei 27%. Bis zum Jahr 2035 wird sich die Bevölkerungszahl verdoppeln. Nach Schätzungen sind im Jemen mehr als 6 Millionen Schusswaffen im Umlauf.

Gleichzeitig neigt sich die wichtigste Einnahmequelle des Landes, das Erdöl, langsam aber sicher dem Ende entgegen. Etwas mehr als 350000 Barrel Rohöl exportiert der Jemen derzeit pro Tag. Dank des damals noch sehr hohen Weltmarktpreises nahm das Land in der ersten Jahreshälfte damit etwa 2,6 Milliarden US-Dollar ein. Gleichzeitig gibt die Regierung allein in diesem Jahr jedoch 3,5 Milliarden US-Dollar zur Subventionierung von Diesel für ihre Bürger aus.

Das Land ist dringend auf die Erschließung neuer Öl-Vorkommen vor der jemenitischen Küste angewiesen. Angesichts der fortdauernden Bedrohung durch Piraten im Golf von Aden erscheint diese Möglichkeit jedoch immer unrealistischer. Die Zeit die Wirtschaft so umzubauen, dass sie auch nach einem Ende des Öl- und Gasexports überlebens- und konkurrenzfähig ist, schwindet.

Daneben wird das Land von politischer Stagnation und der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Separatistenbewegungen gelähmt. Präsident Ali Abdullah Saleh regiert das Land seit nunmehr 30 Jahren, zunächst den Nordjemen, nach der Wiedervereinigung 1990 das ganze Land. Die wichtigen Posten in der Regierung und der Armee hat er mit Mitgliedern seiner Familie und seines Sanhan-Stammes besetzt.

Seit vier Jahren kämpft die Regierung in Sanaa gegen eine Revolte in der Nordprovinz Saadah. Angeführt von der Familie Houthi kämpfen die Rebellen gegen ihre Vernachlässigung durch den Staat und den Versuch das demographische Verhältnis in der Region zu verändern. Die Houthis gehören zur Glaubensgemeinschaft der Zaiditen, einer Strömung innerhalb des schiitischen Islam. Saleh gehört wie etwa 75% der Jemeniten dem sunnitischen Islam an. Die Rebellen beschuldigen die Regierung gezielt Gruppen zu fördern, die der wahhabitischen Ideologie des großen Nachbarn Saudi-Arabien folgen und Zaiditen als Abtrünnige vom Islam betrachten.

Auch im Südjemen sieht sich Ali Abdullah Saleh immer wieder Protesten ausgesetzt. Die Ursachen hierfür gehen zurück bis in die Jahrzehnte vor der Wiedervereinigung. Die Ölvorkommen des Landes liegen auf dem Gebiet des Südjemen. Viele Bewohner fühlen sich ihrer rechtmäßigen Beteiligung an den Profiten beraubt und fühlen sich von den Patronagenetzwerken, die Saleh und seine Verbündeten aus dem Nordjemen geknüpft haben, ausgeschlossen.

Zwar ist Jemen pro forma die älteste Demokratie in der Arabischen Welt, de facto hält Präsident Saleh die Zügel jedoch fest in der Hand. Die letzten Präsidentschaftswahlen 2006 waren nach Einschätzung von "Chatham House" bloße Kosmetik. Oppositionskandidat Faisal Bin Shamlan sei mit Bedacht ausgewählt worden um den Wählern pro forma eine Alternative zu bieten, mögliche Siegchancen seien jedoch vom Staatsapparat im Vorhinein vereitelt worden. Das wahrscheinlichste Szenario für einen Machtwechsel ist derzeit eine Amtsübergabe an den Präsidentensohn Ahmed Saleh.

Donnerstag, 20. November 2008

Anrainerstaaten des Roten Meeres suchen Mittel gegen die Piraterie

Als Reaktion auf die andauernden Schiffsentführungen im Golf von Aden treffen Vertreter der Anrainerstaaten des Roten Meeres heute in Kairo zusammen. Bei den Gesprächen wollen Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien, Sudan und Jemen Maßnahmen diskutieren um die Piraterie vor ihren Küsten zu stoppen.

In den vergangenen 14 Tagen wurden allein 8 Schiffe in der Region von Piraten gekapert. Am Samstag übernahmen Piraten die Kontrolle über den saudischen Öl-Tanker Sirius Star, der Öl im Gesamtwert von über 100 Millionen US-Dollar geladen hat - ein Viertel der täglich in Saudi-Arabien geförderten Menge. Angeblich fordern die Entführer 25 Millionen US-Dollar Lösegeld, zu zahlen binnen 14 Tagen - andernfalls drohe eine Katastrophe.

Somalia, das Land aus dem die meisten Piraten stammen, sitzt in Kairo nicht mit am Tisch. Das Land ist zersplittert in unterschiedliche Einflusszonen, in denen Warlords und Stammesverbände das Sagen haben und die von den Einkünften aus der Piraterie leben. Eine zentrale Regierung, die die Macht hat dem Einhalt zu gebieten und in Kairo verhandeln könnte, gibt es nicht. 

Im Gegenteil, für viele Familien in Somalia ist die Piraterie zur wichtigsten Einnahmequelle geworden. Einige betrachten die Entführung von Schiffen als legitimes Mittel der Selbstverteidigung, nachdem inernationale Flotten die Gewässer vor der somalischen Küste leergefischt und die Einwohner so ihrer natürlichen Lebensgrundlage beraubt hätten. Seit Jahresanfang sind nach Schätzungen des britischen Think-Tanks Chatham House zwischen 18 und 30 Millionen US-Dollar Lösegeld nach Somalia geflossen.

Die Anrainerstaaten des Roten Meeres sehen diese Entwicklung mit großer Sorge. Sie profitieren davon, dass Schiffe auf dem Weg von Südasien nach Europa durch ihre Gewässer fahren und an ihren Häfen festmachen. Der Suez-Kanal, der das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet ist für Ägypten noch immer eine wichtige Einnahmequelle. Es wäre verheerend für Ägypten, sollten zukünftig mehr und mehr Schiffe den längeren Seeweg ums Kap der Guten Hoffnung der gefährlichen Abkürzung durch den Golf von Aden vorziehen.