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Donnerstag, 4. September 2008

Libanon: Israels Streubomben töten weiter

Mehr als zwei Jahre nach Ende des Zweiten Libanonkriegs im Sommer 2006 werden noch immer Menschen von Minen und Splitterbomben getötet, die Israels Armee während des Konflikts über dem Südlibanon abgeworfen hat. Jüngstes Opfer wurde am Mittwoch der 35-jährige Belgier Stefaan Vanpeteghem, der für die UNIFIL ein Feld nahe des Dorfes Aitaroun von den gefährlichen Hinterlassenschaften des Krieges säubern sollte.

Während des Julikriegs hat die israelische Luftwaffe nach Angaben der Vereinten Nationen etwa 1 Millionen Splitterbomben über dem Libanon abgeworfen. Etwa 40% der Streubomben detonierten nicht sofort und ruhen als Blindgänger auf Feldern und Plantagen des Südlibanon. Mehr als 30 Libanesen wurden seit Kriegsende von diesen Sprengfallen getötet, etwa 280 weitere verletzt. Allein 14 Kampfmittelräumungsexperten der UNIFIL, der libanesischen Armee oder privater Firmen kamen in den letzten zwei Jahren bei ihrer Arbeit ums Leben.

Die israelische Armee beharrt darauf, die Cluster Bombs nur in Übereinstimmung mit internationalen Gesetzen eingesetzt zu haben. Kritiker verweisen darauf, dass der Großteil der Streubomben in den letzten 72 Stunden des Krieges abgeworfen wurden - also just in jenem Zeitraum, indem der Waffenstillstand zwischen Israel und der Hizbollah längst beschlossene Sache war.

Nach Angaben der UN wurden bislang 43% der bombardierten Gebiete von den Splitterbomben gesäubert. Doch noch immer können viele Felder im Südlibanon von den Bauern nicht bestellt werden, da die herumliegende Munition ihre Arbeit lebensgefährlich macht. Zudem ruhen selbst in Gebieten die nach der Arbeit der Sprengstoffexperten als minenfrei deklariert werden noch immer einzelne Blindgänger die unentdeckt geblieben sind.

Umso verwunderlicher erscheint da die Tatsache, dass die Hälfte der Minenräumteams im September ihre Arbeit einstellen musste, da dem UN Mine Action Coordination Centre (MACC) die Gelder ausgegangen seien. Für 2009 ist die Finanzierung der Munitionsräumer noch vollkommen ungesichert, so eine MACC-Sprecherin.

Im Mai einigten sich 111 Staaten auf einer Konferenz in Dublin auf eine Konvention zur Ächtung der Produktion, Lagerung und Verwendung von Streumunition die am 3. Dezember 2008 in Oslo unterzeichnet werden soll. Die USA, Russland, China und auch Israel haben sich an der Konferenz von Dublin jedoch nicht beteiligt. Die NATO hat Cluster Bomben unter anderem in Kosovo und Afghanistan eingesetzt.

Montag, 14. Juli 2008

Israel - Hizbollah: Gefangenenaustausch am Mittwoch

Der Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hizbollah geht am Mittwoch Morgen über die Bühne. Um 9 Uhr sollen die Libanesen Samir Kuntar, Khader Zidan, Maher Qurani, Mahmad Srour und Hussein Sleiman am Grenzübergang Rosh Hanikra an die Hizbollah übergeben werden. Zuvor sollen die im Juli 2006 von der Hizbollah entführten israelischen Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser nach Israel überstellt werden. Die israelische Regierung geht davon aus, dass die beiden Reservisten tot sind.

Heute begannen die israelischen Behörden damit, die libanesischen Häftlinge im Gefängnis Hadarim bei Netanya zusammen zu führen. Dort sitzt Samir Kuntar seit 1979 eine vierfach lebenslängliche Freiheitsstrafe ab. Kuntar war als damals 17-Jähriger mit einem Schlauchboot in Israel eingedrungen. Er tötete zwei Polizisten, den 28-Jährigen Danny Haran sowie dessen vierjährige Tochter Einat, der er den Schädel zertrümmert haben soll. Danny Harans Frau versteckte sich mit ihrer zweijährigen Tochter Yael und erstickte das Mädchen unbeabsichtigt beim Versuch es stillzuhalten. Die vier anderen libanesischen Gefangenen sind Hizbollah-Kämpfer, die während des Zweiten Libanonkriegs 2006 von der israelischen Armee gefangen genommen wurden.

Bereits am Samstag übergab die Hizbollah Dokumente über den 1986 über dem Libanon abgeschossenen Waffensystemoffizier der israelischen Luftwaffe, Ron Arad. Dabei soll es sich um zwei bislang unbekannte Fotos sowie Tagebucheinträge während seiner Gefangenschaft handeln, die bis ins Jahr 1987 reichen. Klarheit darüber ob und unter welchen Umständen Arad ums Leben kam, lieferten die neuen Dokumente jedoch nicht.

Außerdem habe die Hizbollah einen Bericht über das Schicksal von vier iranischen Diplomaten erhalten, die 1982 von den Lebanese Forces im entführt und später möglicherweise an Israel übergeben worden.

Laut einem Bericht der libanesischen Zeitung "as-Safir" wird der Gefangenenaustausch am Mittwoch folgerndermaßen ablaufen: Zunächst werden die sterblichen Überreste von 200 libanesischen und palästinensischen Kämpfern an der Grenze entgegengenommen. Anschließend werden die fünf lebenden Gefangenen feierlich empfangen und nach Beirut geflogen, wo sie am Flughafen vom Staatspräsidenten Sleiman sowie von Regierungschef Siniora begrüßt werden. Anschließend soll eine große Feier in der Dahiye, den schiitischen Vororten Beiruts, stattfinden, bei der auch eine Rede von Hizbollah Generalsekretär Hassan Nasrallah erwartet wird.

Die Hizbollah hat dem Austausch den Namen "Operation Radwan" gegeben. Damit erinnert die Miliz an den Anfang Februar in Damaskus getöteten Imad Mughniyeh, der den Beinamen Haj Radwan trug und seit Gründung der Hizbollah Anfang der 1980er Jahre einer ihrer Chef-Strategen war.

Freitag, 1. Februar 2008

Libanesische Zeitungen zum Winograd-Bericht

Am Mittwoch hat die von der israelischen Regierung eingesetzte Kommission unter Vorsitz des ehemaligen Richters Eliahu Winograd zur Untersuchung der politischen und militärischen Fehler Israels während des Zweiten Libanonkriegs ihren Abschlussbericht vorgelegt.

Dazu hier ein paar Artikel von den Meinungsseiten libanesischer Tageszeitungen:


Die Winograd-Kommssion bestätigt, dass Israel die Initiative für den Krieg ergriff und erkennt an, dass Israel weder den Krieg gewonnen, noch seine Ziele erreicht hat.
[...]
Der Bericht enthüllt die Schwäche der inneren Front des zionistischen Gebildes und seine fehlende Vorbereitung für den Krieg. Er macht die Armee dafür verantwortlich, nicht schnell gehandelt zu haben um das Abfeuern der Raketen bis weit nach Israel zu verhindern. Es war der Waffenstillstand der das Abfeurern stoppte, nicht Israels [militärische] Fähigkeit.
[...]
Der Widerstand hat Akko und Haifa im Julikrieg nicht befreit. Und er hat auch keine strategische Balance zwischen ihm und dem Feind hergestellt. Aber sie haben ihre Fähigkeit demonstriert, den Feind scheitern zu lassen, ihn am militärischen Sieg zu hindern und seine innere Front moralisch und wirtschaftlich zu beeinflussen.
Israel wird heute als militärisches Werkzeug der westlichen Staaten und besonders Amerikas angesehen. Wenn Israel seine Fähigkeit verliert einen entscheidenden Sieg zu landen und die politischen Ziele des Kriegs zu erreichen, gibt es seine Rolle in der Region auf, verliert seinen Wert für Amerika und wird zu einer Last für die Vereinigten Staaten. Was wäre, wenn sich das strategische Geleichgewicht zwischen [Israel] und den Arabern und Iran verwirklicht?



Zum ersten Mal seit 1948 erkennt der israelische Feind die Niederlage an, die er im Aggressionskrieg vom Juli 2006 gegen den Libanon erlitten hat.
[...]
Der Bericht verwendet nicht explizit das Wort Niederlage und versucht die Folgen dieses Worts zu lindern, indem er stattdessen das Wort "Nicht-Sieg" benutzt. Aber die Beschreibungen, die die Fakten des Nicht-Sieges erklären sollen - es reicht die Standfestigkeit der Hizbollah, die Unterstützung des libanesischen Armee und die Einheit der Libanesen zu nennen - all das trug dazu bei dem Bösen des israelischen Feindes Niederlagen zuzufügen.
[...]
Im israelischen Bewusstsein werden die Kaskaden an Siegen, die der Feind stets gegen Araber errungen hat, ausgelöscht. Im arabischen Bewusstsein wird die Schande der Niederlagen, die sich in mehr als einem halben Jahrhundert angehäuft haben, schrittweise ausgelöscht.
[...]
Nach dem Winograd-Bericht wird niemand in Israel versuchen Frieden zu erreichen außer durch Israels Abschreckungsmacht - und dies bedeutet nicht Frieden sondern Kapitulation, wenn nicht Schlimmeres.



Israels vorrangiges Ziel mit dem Bericht scheint zu sein, Wege zu bestimmen, mit denen es seine Feinde in der nächsten Konfrontationsrunde auslöschen kann. Aber selbst wenn die Israelis alle Hizbollah-Kämpfer in einem weiteren Krieg vernichten, einschließlich des Widerstandsführers Sayyed Hassan Nasrallah, würde die barbarische Agression die dafür notwendig wäre sicherstellen, dass schon bald jemand aufsteigen würde, der ein viel größeres Hindernis für den jüdischen Staat darstellen würde.
Der Feind den die Israelis gröblich als "Terrorismus" verunglimpfen hat Wurzeln und Ursachen die auf historischen Ereignissen basieren und die Israelis können es sich schlecht leisten weiterhin eine entscheidende Lektion von ihrer eigenen Geschichte zu ignorieren: Die Folgen ihrer Agression stehen in Konflikt mit dem Ziel des Überlebens ihres Staats. Ein ewiges Verlassen auf massive Dosen an Gewalt um Probleme zu lösen hat nur zum Aufstieg neuer und komplizierterer Probleme geführt und das wird so weitergehen bis die Israelis einen radikal neuen Weg einschlagen - den Weg des Friedens.
Mit Winograd als ihrer einzige Road Map mögen die Israelis für den nächsten Krieg besser vorbereitet sein. Aber sie werden eine noch größere Chance für Frieden verpassen und die Existenz ihres Staats weiter gefährden.

  • al-Akhbar kommentiert ironisch die Rolle der libanesischen Regierung während des Libanonkriegs:

Der Bericht erwähnt nicht die kluge Diplomatie von Ministerpräsident Fouad Siniora, die die USA zwang, ihre Position der Unterstützung Israels aufzugeben und sie zu zwingen, den Krieg so schnell wie möglich zu stoppen. Der Bericht geht auch nicht näher auf Sinioras Tränen ein, von denen er sagte sie hätten eine größere Wirkung als die Raketen gehabt. Der Bericht erzählt nicht von der Panik die den Staat Israel erfasste, nach dem Minister Ahmad Fatfat die Schlacht von Marjayoun führte. Der israelische Bericht hat all diese wichtigen Stationen des Julikriegs weggelassen, die das Pressebüro des libanesischen Ministerpräsidenten veröffentlicht hatte.

Samstag, 8. September 2007

Human Rights Watch stellt Berichte zum Zweiten Libanonkrieg vor


Der Großteil der 900 während des Julikriegs 2006 getöteten libanesischen Zivilisten wurde nicht von der Hizbollah als menschliche Schutzschilde missbraucht, sondern wurde Opfer der "wahllosen Luftschläge" durch die israelische Armee. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung von "Human Rights Watch", die am Donnerstag unter dem Titel "Why They Died: Civilian Casualties in Lebanon during the 2006 War" vorgestellt wurde.

Mit großer Akribie hat die Menschenrechtsorganisation die Umstände der Tode von 510 Zivilisten und 51 Kämpfern untersucht, mithin fasst die Hälfte der 1109 Todesfälle auf libanesischer Seite genauer beleuchtet. Für diesen Report besuchten HRW-Mitarbeiter mehr als 50 libanesische Dörfer, interviewten 316 Opfer und Augenzeugen, sprachen mit 39 Militärexperten, Journalisten, sowie Offiziellen aus Israel, dem Libanon und der Hizbollah.

Im Wesentlichen werden der israelischen Seite in dem 249-seitigen Bericht folgende Vorwürfe gemacht:

  • "Israel ging davon aus, dass alle libanesischen Zivilisten der Aufforderung zum Verlassen der Dörfer südlich des Litani gefolgt seien und betrachteten daher jeden der in seinem Dorf blieb als Kämpfer. Vor diesem Hintergrund betrachtete Israel jede sichtbare Person, oder jede Bewegung von Personen oder Fahrzeugen südlich des Litani-Flusses oder im Bekaa-Tal als Militäroperation der Hizbollah die beschossen werden könne. In ähnlicher Weise führe Israel weiträumige Bombardierungen des Südlibanon durch, einschließlich der massiven Verwendung von Streubomben kurz vor dem erwarteten Waffenstillstand, in einer Weise die nicht zwischen militärischen Zielen und Zivilisten unterschied."
  • "Israel beschoss Menschen oder Gebäude, die in irgendeiner Weise mit den miltärischen, politischen oder sozialen Strukturen der Hizbollah verbunden waren - ganz gleich ob diese ein legitimes militärisches Ziel in Übereinstimmung mit dem Humanitären Völkerrecht darstellten - unter unterließ es alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen um zivile Opfer beim Beschuss vermutlicher Hizbollah-Ziele zu verhindern."

Nach HRW-Angaben waren die meisten der Menschen, die in ihren Dörfern im Südlibanon blieben, keine Kämpfer der Hizbollah, sondern Menschen die zu alt, zu arm oder zu krank zur Flucht waren. Zudem hätte das israelische Militär gewusst, dass sich zum Zeitpunkt der flächendeckenden Bombardements noch immer Tausende Menschen im Südlibanon aufhielten. Insgesamt wurde mehrere tausend libanesische Häuser teilweise oder komplett zerstört. Allein in Aita al-Shaab wurden 750 Häuser vollständig zerstört, in Bint Jbeil gar 800.

Zudem seien oft auch Flüchtlingskonvois selbst zum Ziel israelischer Angriffe geworden. Detailliert schildert der Bericht den Fall eines Flüchtlingskonvois aus Marjayoun, der zunächst in Begleitung der UNIFIL, dann in Begleitung libanesischer Armeefahrzeuge in Richtung Norden aufbrach. Die israelische Armee wurde über den Konvoi in Kenntnis gesetzt, die Fahrzeuge waren mit weißen Fahnen versehen. Dennoch wurde er in Kefraya im Bekaa-Tal von einer israelischen Drohne beschossen, 7 Menschen wurden getötet, 32 weitere verletzt. Daneben schildert der Bericht auch Fälle in denen Fahrzeuge des Roten Kreuzes, die deutlich als solche erkennbar waren, beschossen wurden.

Des weiteren widerspricht der Bericht der israelischen Darstellung, nach der die Hizbollah Zivilisten als menschliche Schtzschilde missbraucht habe. Mit wenigen Ausnahmen habe die Miliz ihre Raketen in Bunkern und Einrichtungen in unbeweohnten Feldern und Tälern gelagert und ihre Kämpfer und zivilen Offiziellen aus bewohnten Gegenden gebracht. Die Raketen seien von vorbereiteten Stellungen außerhalb der Dörfer abgefeuert worden. "In der sehr großen Mehrheit der von Human Rights Watch untersuchten Luftschläge, die zum Tod von Zivilisten geführt haben, gab es keine militärische Präsenz oder Aktivität der Hizbollah, die einen Angriff gerechtfertigt hätte." Das gilt auch für den israelischen Luftangriff auf Qana, bei dem am 30.Juli 2006 28 Menschen getötet wurden.

Bereits vor einer Woche hatte Human Rights Watch einen Bericht veröffentlicht mit dem Titel "Civilians under Assault - Hezbollah´s Rocket Attacks on Israel in the 2006 War"
in dem die Hizbollah beschuldigt wurde, gegen Bestimmungen des Kriegsrechts verbrochen zu haben.

Die Hizbollah habe willkürlich und zum Teil absichtlich in von Zivilisten bewohnte Gebiete im Norden Israels Raketen geschossen. "Die Raketen der Hisbollah töteten während des Konflikts mindestens 39 Israelis und verletzten weitere 101 Personen zum Teil schwer.


Der Beschuss von Zivilisten bewohnter Gebiete mit Raketen von geringer Zielgenauigkeit wie etwa der Katjuscha, stelle ein Kriegsverbrechen dar, so Human Rights Watch. Unter anderem wurden 3 Krankenhäuser von Hizbollah-Raketen getroffen. Zwar habe auch das israelische Militär feste und mobile Militärposten in oder in der Näher ziviler Gebiete errichtet, doch verringere dies nicht die Verantwortung der Hisbollah, unter allen Umständen zwischen Zivilisten und legitimen militärischen Zielen zu unterscheiden.


Nach Vorlage der beiden Berichte gibt Human Rights Watch folgende Empfehlungen:

  • "Israel sollte seine Praxis revidieren, die praktisch alle Personen, die nach einer Aufforderung zur Evakuierung in dem betreffenden Gebiet verbleiben als Kämpfer behandelt, so dass in Zukunft nur solche Personen oder Gebäude angegriffen werden, die legitime militärische Ziele nach dem Kriegsrecht darstellen. Speziell Israels Winograd-Kommission sollte dieses Thema untersuchen"
  • "Die Hizbollah sollte alle durchführbaren Maßnahmen ergreifen um zu gewährleisten, dass Hizbollah-Kämpfer Zivilisten oder UN-Personal keinem unnötigen Risiko durch das Lagern und Abfeuern von Waffen in bzw. aus bewohnten Gebieten ausgeliefert sind. Die libanesische Regierung sollte dies überwachen."
  • "Die Vereinigten Staaten sollten Israels Verwendung von Waffen aus den USA unter Verletzung des Kriegsrechts untersuchen und die Lieferung solcher Waffen stoppen, die ungesetzlich verwendet wurden, ebenso die Finanzierung oder Förderung solchen Materials, solange bis das US State Department befindet, dass Israel diese Waffen nicht länger entgegen der Bestimmungen des Rechts einsetzt und seine Militärdoktrin geändert hat, die diesem Missbrauch zu Grunde liegt."
  • "Iran und Syrien sollten der Hizbollah kein Material, einschließlich Raketen, liefern, das die Hizbollah unter Verletzung des Kriegsrechts eingesetzt hat, solange bis sich die Hizbollah verpflichtet, diese nicht mehr in dieser Weise zu verwenden und tatsächlich diese Verwendung einstellt."
  • "Der UN-Generalsekretär sollte eine Untersuchungskommission einrichten, um Berichte über Verstöße gegen das Kriegsrecht durch alle Konfliktparteien zu untersuchen, einschließlich möglicher Kriegsverbrechen."

Sonntag, 18. März 2007

Besuch in Qana - Auf den Spuren der Massaker

Qana ist eigentlich ein ziemlich unbedeutender Ort irgendwo im Sueden des Libanon, kaum mehr als ein grosses Dorf mit ein paar tausend Einwohnern, malerisch auf einer Huegelkuppe gelegen. Nur etwa 12 Kilometer zur israelischen Grenze entfernt machte der Ort innerhalb von nur 10 Jahren jedoch gleich zwei Mal traurige Schlagzeilen.

Am 18.April 1996 beschoss die israelische Armee den UN-Stuetzpunkt im Ort, in dem etwa 800 Zivilisten Zuflucht vor den Kaempfen zwischen der Hizbollah und den Israelis gesucht hatten. An jenem Tag feuerte die libanesische Miliz Rakten und Moersergranaten von zwei Stellungen in mehreren hundert Metern Entfernung zu dem Stuetzpunkt ab. Daraufhin nahm die israelische Armee den mit Soldaten aus Fiji besetzten UNIFIL-Posten unter Beschuss, 106 Menschen verloren dabei ihr Leben.

Die israelische Seite bezeichnete den Beschuss als Versehen. Zum Zeitpunkt des Angriffs auf den UN-Posten waren jedoch zwei israelische Helikopter und eine Drohne ueber dem Gebiet in der Luft und beobachteten das Zielgebiet. Im UN-Untersuchungsbericht zu den Vorfaellen heisst es: "Obwohl die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden kann, ist es unwahrscheinlich, dass der Granatbeschuß des UN-Postens das Ergebnis von groben technischen und/oder Ausführungsfehlern war". Vieles spricht also dafuer, dass der UNIFIL-Stuetzpunkt 1996 vorsaetzlich angegriffen wurde.

Heute steht noch immer das Metallgerippe einer Baracke auf dem Gelaende des mittlerweile verlassenen Postens. In dem Gebaeude mit den Ausmassen von etwa 15 mal 8 Metern hatten damals 54 Fluechtlinge Zuflucht gesucht und den Tod gefunden. Unser Erklaerer, der uns gestern ueber das Gelaende am Ortsausgang von Qana fuehrt, zeigt ein Album mit Fotos, die unvorstellbare Verstuemmelungen bei den Opfern zeigen. Um die Erinnerung an das Massaker zu tilgen, habe Israel waehrend des juengsten Krieges im vergangenen Sommer versucht, die Ueberreste des Stuetzpunkts zu zerstoeren, erklaert er uns, ist mit diesem Vorhaben aber offenbar gescheitert.

Ein paar Meter abseits des Militaergelaendes befinden sich die Graeber der Opfer, die in marmornen Sarkophagen ihre letzte Ruhe gefunden haben. Unter einem Mahnmal sind die Namen der Toten aufgefuehrt, die meisten Opfer waren Kinder, viele haben ihren 10.Geburtstag nicht erlebt. Jedem Namen ist die Bezeichnung "Maertyrer" vorangestellt.

Wir verlassen den Platz und laufen durch den Ort. Die gruenen Flaggen der schiitischen Amal-Bewegung dominieren das Strassenbild, an einem Haus haengt eine schwarz-rot-goldene Fahne, offenbar ein Ueberbleibsel der Fussball-WM. Viele Haeuser entlang der Hauptdurchgangsstrasse die weiter in Richtung Sueden fuehrt, zeigen Kriegsschaeden. Wir fragen einen jungen Mann, der in seinem Laden Raubkopien aller aktuellen Musikalben und Filme vertreibt, nach dem "Ort des zweiten Massakers". Er tritt ein paar Schritte aus seinem Laden und zeigt zu einem kleinen Dorf etwa 500 Meter ausserhalb Qanas.

Wir machen uns auf den Weg in die angegebene Richtung in das Dorf al-Khuraybah, kaum mehr als eine Handvoll Haueser die sich auf einer Anhoehe um eine Moschee scharen, das Gotteshaus wurde im Sommer jedoch fast vollkommen zerstoert. Gleich am Dorfeingang stand jenes Haus, in dem am 30.Juli 2006 29 Menschen ums Leben kamen und das kleine Qana erneut auf die Titelseiten aller Tageszeitungen brachte. Die israelische Armee hatte den Ort beschossen, angeblich weil die Hizbollah aus der Naehe in Richtung Israel gefeuert hatte. Die Opfer seien von der Miliz als menschliche Schutzschilde missbraucht worden, so ein israelischer Armeesprecher kurz nach dem Angriff.

Bis heute hat das israelische Militaer keine Beweise dafuer vorlegen koennen, das in den Tagen vor dem Angriff auf das Gebaeude aus dessen Naehe Raketen von der Hizbollah abgefeuert wurden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch besuchte den Ort am Tag nach dem Angriff und hat keine zerstoerte Militaerausruestung in der Umgebung des Ortes gefunden. Ebensowenig haetten sich Hizbollah-Kaempfer in der Naehe befunden, auch unter den Opfern seien ausschliesslich Zivilisten gewesen.

Von einem grossen Foto-Plakat am Ortseingang blicken uns ein grimmiger Hassan Nasrallah und die Opfer des Bombenangriffs entgegen. Die meisten Portraets zeigen Kinder im Grundschulalter, 16 Tote waren 18 Jahre oder juenger, ein Baby wurde nur neun Monate alt. Die Nachmittagssonne taucht die marmornen Grabplatten, die in drei Neunerreihen angeordnet sind, in ein mildes Orange. Die Grabstaette, die nur etwa 500 Meter von jener Stelle entfernt liegt, in der Jesus Wasser zu Wein verwandelt haben soll, beeindruckt durch ihre Schlichtheit, Blumen sucht man vergebens, die lachenden Gesichter der Kinder auf den Fotos wirken bedrueckend und im Kontrast zu den Graebern gespenstisch.

Auf jedem Grabstein steht ganz oben die Formel: "Maertyrer der Operation 'Die Erfuellung des Versprechens'". Mit diesem Titel bezeichnet die Hizbollah die Gefangennahme der beiden israelischen Soldaten und den anschliessenden Krieg gegen Israel. Dann folgen Name und Geburtsdatum des Toten, dann steht der Satz: "Zum Maertyrer geworden durch die zionistische Agression gegen Qana am 30.Juli 2006."

Wir verharren einige Minuten als eine junge Frau, sie ist vielleicht Mitte Zwanzig, herbeigelaufen kommt. Sie kniet an drei Graebern nieder, legt ihre rechte Hand auf die Grabplatten und spricht leise einige Gebete. Auf den drei Graebern steht ueberall der gleiche Nachname, die Toten im Alter von 25, 16 und 8 Jahren koennen ihre Geschwister gewesen sein.

Freitag, 9. März 2007

Fahrt in den Südlibanon - Ait ash-Sha'ab, Bint Jbeil, Deir Mimas und mehr

Der Muezzin hat seinen Gebetsruf gestern Morgen um kurz nach halb fünf kaum beendet, da klingelt auch unser Wecker - wir haben viel vor, wollen in den Südlibanon an die Grenze zu Israel fahren. Wir nehmen uns einen Mietwagen und verlassen Beirut ueber die Küstenstraße in Richtung Saida, die Geburtsstadt Rafik Hariris und fahren am Mittelmeer entlang weiter gen Süden nach Tyros. Bananenplantagen säumen unseren Weg auf der Schnellstrasse, die wir mehrmals verlassen müssen, da sämtliche Brücken noch immer zerstört sind und die Autofahrer auf Behelfskonstruktionen ausweichen muessen.

In Tyros verlassen wir die Küstenstraße und biegen ab ins Landesinnere. Die Dominanz der schiitischen Bewegungen Amal und Hizbollah in der Region ist unübersehbar, die Straßen sind gesäumt von den bekannten Märtyrerfotos und Bildern Nasrallahs in Siegerpose. Auch Porträts von Ayatollah Khomeini sind häufig zu sehen, ebenso Plakate mit Sinnsprüchen wie "Die Waffe ist der Schmuck des Mannes" oder "Israel ist das absolut Böse".

Auf unserem Weg passieren wir Qana, jenen Ort, in dem Jesus der Legende nach Wasser in Wein verwandelt haben soll. In jüngster Zeit machte das Dorf traurigere Schlagzeilen. 1996 beschoss die israelische Armee einen UNO-Stützpunkt am Rande des Orts, in dem Flüchtlinge aus der Umgebung Schutz gesucht hatten, und tötete 106 Zivilisten. Bei einem israelischen Luftangriff am 30.Juli 2006 wurden 28 Menschen getötet, unter ihnen 16 Kinder, die in einem Haus im Ort Zuflucht gesucht hatten.

Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass wir uns im gesamten Gebiet frei bewegen können und weder die libanesische Armee, noch die UNIFIL oder die Hizbollah uns vom Besuch irgendeines Ortes abgehalten haben. Nur einmal müssen wir unsere Sondererlaubnis vorzeigen, die wir Tags zuvor vom libanesischen Geheimdienst in Saida erhalten haben.

Erheblich eingeschränkt wird unsere Bewegungsfreiheit jedoch durch mehr als 200000 Bomblets, die als Teile von Streubomben während des Krieges von der israelischen Armee abgeworfen wurden und nun darauf warten, Kinder, Frauen und Männer zu verstümmeln oder zu töten. Seit Abschluss des Waffenstillstands sind über 30 Menschen durch die Streumunition getötet worden. Nach UN-Angaben wurden 90% dieser Streubomben in den letzten 72 Stunden vor Inkrafttreten des Waffenstillstands über dem Libanon abgefeuert.

Auf Warntafeln werden die Einwohner in den Dörfern des Südens vor den Gefahren der Bomben und Minen gewarnt. Die glitzernden Farben der Sprengkörper und ihre verschiedenen Formen, die unter anderem an Telefone oder Spielzeug erinnern, lassen die Bomblets besonders für Kinder zur tödlichen Gefahr werden. Nach UN-Angaben wird es noch mindestens 2 Jahre dauern bis das Gebiet vollständig von der tödlichen Munition geräumt sein wird, ein Restrisiko wird jedoch ewig bestehen bleiben. Eine Armee, die diese Waffen einsetzt, zielt nicht auf Terroristen sondern auf die gesamte Zivilbevölkerung.

Unser erstes Ziel am heutigen Tag ist der mehrheitlich von Christen bewohnte Ort Rmeish wenige Kilometer vor der israelischen Grenze. Hier unterhält die renommierte Universite Saint Esprit de Kaslik eine Fakultät, in der 120 junge Libanesen aus der Umgebung Wirtschaft und Informatik studieren. Die Studentenschaft setzt sich in etwa zu gleichen Teilen aus Christen, zu meist Maroniten, und Schiiten zusammen. Waehrend des Sommerkriegs hatten tausende Flüchtlinge aus den umliegenden Dörfern im christlichen Rmeish Schutz vor den Kampfhandlungen gesucht. Der Ort selbst ist eine Hochburg der Lebanese Forces, deren Parteilogo an vielen Häuserwänden zu sehen ist, und wurde während des Kriegs weitgehend verschont.

Anders sieht es in Ayta ash-Sha'ab aus, das nur wenige Kilometer entfernt liegt. Nach dem Start der israelischen Bodenoffensive lieferten sich die Soldaten der IDF einen erbitterten Häuserkampf mit Hizbollah-Kämpfern, bei denen mindestens 13 israelische Soldaten und eine unbestimmte Anzahl an Hizbollah-Milizionären und Zivilisten umkamen. Sieben Monate nach Ende der Kämpfe steht in einigen Straßenzuegen kein Stein mehr auf dem anderen, fast jedes Haus zeigt Einschusslöcher, viele Gebäude sind zumindest teilweise zerstört. Ein junger Mann erklärt, dass 80% der Häuser im Ort beschädigt wurden. Gleichzeitig boomt das Baugewerbe - mit finanzieller Hilfe aus den Golfstaaten werden die ersten Häuser wieder aufgebaut.

Ähnlich schwere Zerstörungen sehen wir in Bint Jbeil, einem der Hauptschauplätze des Julikriegs. Tagelang bekämpften sich hier die israelischen Invasoren und die Kämpfer der Hizbollah. Auch hier sind in einigen Straßen die Häuser bis auf die Fundamente zerstört worden, selbst die Moschee am Stadtrand trug schwere Schäden davon. An vielen Häusern in der Kleinstadt weht die Fahne Katars, das einen Großteil der Kosten für den Wiederaufbau des Ortes schultert. Ungeachtet der immensen Schäden ist in dem Ort längst wieder Normalität eingekehrt, Kinder toben in der Pause auf dem Schulhof, auf der Hauptstraße findet zwischen den Ruinen ein Wochenmarkt statt.

Parallel zum Verlauf der libanesisch-israelischen Grenze setzen wir unseren Weg in Richtung Norden fort, unser nächstes Ziel heisst Nabatieh. Hinter dem Ort Addaisseh verläuft die Strasse nur wenige Meter vom israelischen Grenzzaun entfernt. Uns bietet sich ein malerischer Blick auf den Berg Hermon, die Shebaafarmen, die von Israel besetzten Golanhöhen und auf Metula, die nördlichste Stadt Israels. Nur etwa 15 Meter von uns entfernt ackern auf israelischer Seite Bauern in ihren Weinfeldern. Auf libanesischer Seite ist die Straße gesäumt von Fahnen der Hisbollah und Bildern ihrer "Märtyrer". In Höhe des libanesischen Dorfes Kfar Kila sind die ersten israelischen Häuser nur etwa 50 Meter vom Grenzzaun entfernt. Nur wenig deutet daraufhin, dass wir uns an hier einem der brisantesten Orte des Nahen Ostens befinden.

An einer Straßenkreuzung in Kfar Kila fragen wir einen Mann am Straßenrand nach dem Weg nach Nabatieh. Er will auch in die Hauptstadt des südlibanesischen Regierungsbezirks und so lassen wir den kräftigen Mittdreißiger mit Vollbart einsteigen. Er stellt sich uns als "Ghalib" vor, aber das ist sicher nicht sein richtiger Name, bedeutet aber "der Siegreiche". Ghalib erklärt er wohne in Nabatieh, arbeite aber für die Hisbollah in Kfar Kila. Auf unsere Frage nach seinem Tätigkeitsbereich innerhalb der Bewegung erklärt er kurz und knapp: "Ich bin Kämpfer. Ich töte Zionisten." Natürlich, so beeilt er sich hinzuzufügen, habe er überhaupt nichts gegen Juden, aber gegen die Zionisten müsse man sich verteidigen, andernfalls erginge es den Libanesen wie den Palästinensern und sie würden aus ihrer Heimat vertrieben. Er liebe seine Frau und die Wasserpfeifen viel lieber als das Töten, nur lasse ihm Israel keine andere Wahl.

Auf der knapp 20-minütigen Fahrt nach Nabatieh erklärt uns Ghalib, wann welcher Hizbollah-Kämpfer auf welchem der umliegenden Hügel zum "Maertyrer" geworden sei. Unter anderem zeigt er uns die Stelle, an der Hassan Nasrallahs Sohn Hadi Ende der 1990er von Israels Armee getötet wurde. Ich biete unserem Mitfahrer als Zeichen des guten Willens einen Kaugummi der im Libanon sehr beliebten Marke "Chiclets" an, doch Ghalib verzichtet, da Chiclets zu einem US-Konzern gehört und Ghalib US-amerikanische Firmen boykottiert. Einen Schluck von meiner Coca Cola biete ich ihm gar nicht erst an.

Wir haben einen Termin an der Libanesischen Universitaet in Nabatieh und setzen unseren Begleiter in der Stadt ab. Hier sind weitaus weniger Kriegsschäden zu erkennen als in den Orten weiter südlich. Es ist früher Nachmittag und wir entschliessen uns in Richtung Süden zurückzukehren und steuern die alte Kreuzfahrerburg Beaufort Castle an. Während der israelischen Besatzung des Südlibanon von 1982 bis 2000 diente die Burg der israelischen Armee als Beobachtungsposten, heute wehen die Fahnen der Hizbollah und der Amal-Bewegungüber dem Areal, das vor dem Rückzug von der israelischen Armee nahezu vollständig zerstört wurde.

Wir haben die Ruinen ganz für uns und bei strahlend blauem Himmel bietet sich uns ein majestätischer Rundblick bis zum Mittelmeer im Westen, Nabatieh im Norden, die schneebedeckten Höhen des Hermonmassivs, die grünen Golanhoehen, die israelische Ebene und die sanften Hügel des Jabal Amel im Südlibanon. Tief unter uns bahnt sich der knapp 10 Meter breite Litani-Fluss in einer Schlucht seinen Weg in Richtung Mittelmeer.

Fuer den späten Nachmittag sind wir mit einem Bekannten in Deir Mimas verabredet, einem kleinen christlichen Ort auf der anderen Seite des Flusses. Vor dem Dorfladen in Deir Mimas ist ein UNIFIL-Panzer vorgefahren, die spanischen Soldaten die mit ihren Bärten auch als Hisbollah-Kämpfer durchgehen könnten genehmigen sich um kurz nach 16 Uhr ihr Feierabendbier. Ein Soldat aus Cadiz trägt schon eine beachtliche Alkoholfahne vor sich her.

Wir trinken Kaffee mit unserem Gastgeber und er erzählt uns vom Leben hier. Das Verhältnis zwischen Schiiten und Christen in der Region sei unproblematisch, die Beziehungen aber nicht besonders eng. Anders als in Beirut sind die Dörfer hier sehr homogen. Deir Mimas sei zu 100% christlich, der Nachbarort Kfar Kila werde zu 90% von Schiiten bewohnt, man kann sich also aus dem Weg gehen.

Nach Einschätzung unseres Bekannten war das Leben zu Zeiten der israelischen Besatzung besser. Ohne Probleme habe man eine Einreiseerlaubnis für Israel erhalten, viele Bewohner des Südlibanon hätten gutes Geld in Israel verdient. War man krank, habe man sich im Krankenhaus von Haifa kostenlos behandeln lassen können, zum Urlaub gings nach Elat ans Rote Meer. "Israel ist ein großartiges Land, sehr fortschrittlich, wie die USA oder Europa."

Sein Cousin lebt mittlerweile in Deutschland. Während der israelischen Besatzung war er Mitglied der South Lebanese Army, der libanesischen Vasallenarmee der Israelis. Aus Angst vor Racheangriffen siedelte er nach dem israelischen Rückzug nach Israel über und ging später nach Deutschland.

Während des Sommerkriegs seien praktisch alle knapp 1000 Einwohner des Dorfes nach Beirut geflohen. Dann sei die Hizbollah gekommen und habe von Deir Mimas aus Raketen auf Israel abgefeuert. Gemeinsam mit unserem Gastgeber fahren wir ein paar hundert Meter außerhalb des Dorfes zu einer Kirche oberhalb des Litani. Die Kirche ist schwer beschädigt, eine israelische Rakete hat das Dach durchschossen. Vom Haus daneben stehen nur noch die Grundmauern. Auch der Friedhof wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen, viele der kleinen Häuser in denen die Toten hier bestattet werden zeigen Spuren des Kriegs.

Dann sehen wir den Grund fuer die Zerstörungen. Wenige Schritte von dem Kirchengelände sehen wir eine Art Befestigung die inmitten eines Olivenhains errichtet wurde. Von hier aus habe die Hizbollah Katjuscha-Raketen auf Israel abgeschossen, berichtet unser Bekannter. Dann seien die israelischen Flugzeuge gekommen, hätten die Hizbollahstellung unter Beschuss genommen und dabei auch die Kirche und das nebenstehende Haus zerstört.

Unser Gastgeber hat nach eigener Aussage keine Probleme mit der Hizbollah und respektiert Hassan Nasrallah als einen charismatischen Führer, der sich positiv von den anderen Politikern des Libanon abhebe. Er habe jedoch kein Verständnis dafuer, dass die Hizbollah Unbeteiligte in ihren Kampf hineinziehe. "Die Hizbollah hat von hier aus geschossen, die Israelis haben zurückgefeuert und die Kirche zerstört. Keiner von beiden wird sie wieder aufbauen. Wer hat also den Krieg verloren? Wir haben verloren. Deir Mimas hat verloren. Der Libanon hat verloren."

Dienstag, 27. Februar 2007

USA blockieren Wiederaufbau im Libanon

Mehr als 11000 Haeuser, die in den vergangenen 14 Jahren durch israelische Angriffe auf den Libanon zerstoert oder beschaedigt wurden, hat die libanesische Nichtregierungsorganisation Jihad al-Binaa wiederaufgebaut. Dem will das US-Finanzministerium nun ein Ende bereiten und hat daher die Bankkonten der Organisation in den Vereinigten Staaten eingefroren, sowie amerikanischen Staatsbuergern die Mitarbeit mit Jihad al-Binaa, zu deutsch etwa "Kampf fuer den Wideraufbau", untersagt.

Als Grund hierfuer gibt das Ministerium an, dass die Fuehrung der NGO der Hizbollah unterstellt sei und Geld vom iranischen Staat erhalte. In einer Presseerklaerung des US-Finanzministeriums heisst es, die Hizbollah nutze Jihad al-Binaa, um "Unterstuetzung im Volk durch die Bereitstellung von zivilen Aufbauhilfen zu erzielen. Wir werden gegen alle Facetten dieser toedlichen Terrorgruppe vorgehen."

Im juengsten Krieg zwischen Israel und der Hizbollah wurden mindestens 86000 Wohnungen im Libanon zerstoert oder schwer beschaedigt, der Grossteil von ihnen durch Waffen die in den USA hergestellt wurden. Gegenwaertig sind im Suedlibanon 1000 Ingenieure und 5000 Freiwillige noch immer damit beschaeftigt die Schaeden zu registrieren, der eigentliche Wiederaufbau wurde wegen der instabilen Lage vorerst auf Eis gelegt. Libanesen, deren Haeuser unbewohnbar sind, wurden Soforthilfen bereitgestellt, etwa um Ausweichquartiere zu bezahlen. Auch wenn das Ministerium auf ihre finanzielle Unterstuetzung fuer den libanesischen Staat hinweist, so ist dieser nicht in der Lage den Wiederaufbau des Landes allein voranzutreiben. Aus diesem Grund sind die Opfer der israelischen Luftangriffe und Bodeninvasion diejenigen die am meisten unter der US-Entscheidung zu leiden haben.

Auch wenn Jihad al-Binaa vermutlich keine groesseren Geldeinlagen bei amerikanischen Banken haben duerfte, so sorgt allein der symbolische Akt der US-Regierung fuer Unmut im Libanon. Einmal mehr sehen sich viele darin bestaetigt, dass Washington parteiisch auf Seiten Israels steht, dem man erst die Waffen liefere, ihm waehrend des Kriegs freie Hand lasse, um dann anschliessend den Wiederaufbau im Libanon zu sabotieren. Wie, so fragt man sich im Libanon, kann der Wiederaufbau von Wohnhauesern als terroristischer Akt verstanden werden?

Dass die Entscheidung des US-Finanzministeriums geeignet ist, der Hizbollah Unterstuetzung im Volk zu entziehen oder die Position des Regierungslagers im aktuellen inner-libanesischen Machtkampf zu staerken, darf bezweifelt werden.

Montag, 9. Oktober 2006

Libanon: 21 Tote durch israelische Blindgänger seit Kriegsende

Seit dem Ende des Krieges zwischen der Hizbollah und Israel sind im Libanon 21 Menschen durch die Explosion israelischer Bomben getötet worden. Diese waren während des Kriegs abgeworfen worden, dann aber nicht detoniert, sodass die Blingänger nun wie Zeitbomben in den Dörfern des Südlibanon wirken. Das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) gab an, dass bis zum 3.Oktober 124 Menschen durch nicht explodierte Munition im Libanon verwundet oder getötet worden seien.

Nach Angaben der libanesischen Polizei sind seit Kriegsende am 14.August 16 Zivilisten und 5 Experten für Kampfmittelräumung durch israelische Bomben ums Leben gekommen. Die libanesische Armee schätzt nach Angaben des "Daily Star" , dass bis zu 1 Million Bomblets - also hoch explosive Bestandteile von Streubomben - im Südlibanon herumliegen. Besonders in den letzten Kriegstagen, als ein Waffenstillstand praktisch nur noch eine Frage der Zeit war, warf die israelische Luftwaffe hunderte dieser Cluster-Bombs ab. Israel erklärte, die Waffen nur nach internationalem Recht eingesetzt zu haben, OCHA-Chef Jan Egeland bezeichnete den Einsatz der Waffen als "völlig unmoralisch".

Egelands Organisation ist nun damit beschäftigt, die Abwurfstellen der Streubomben zu identifizieren. Bislang wurden mehr als 600 Gebiete identifiziert, in denen Blindgängern ruhen, täglich kommen etwa weitere 30 hinzu. Hinzu kommen zirka 500000 israelischen Minen aus der Besatzungszeit die noch immer im Südlibanon vergraben liegen und von denen bis zum Julikrieg nur knapp 60000 entschärft werden konnten. Israel selbst will die Karten auf denen die Lage der Minen verzeichnet ist noch immer nicht an den Libanon oder die UNIFIL übergeben.

Freitag, 22. September 2006

Umfrage in Israel: "Unser Land ist unsicherer geworden - Wir kämpfen um unsere Existenz"

Drei Viertel der Israelis sind laut einer repräsentativen Umfrage der Jerusalem Post anlässlich des jüdischen Neujahrsfestes der Ansicht, ihr Land kämpfe momentan um seine Existenz. Gleichzeitig sind 56% der Meinung, Israel sei unsicherer als vor 10 Jahren. Nur jeder 6. glaubt, die Sicherheitslage habe sich seit 1996 verbessert.

Gleichwohl sind 45% der 501 vom Smith Reasarch Institute, einem israelischen Meinungsforschungsinstitut, befragten israelischen Staatsbürger der Meinung, Israel sei das Land, in dem es sich am besten leben lasse. Demgegenüber schätzen 27% die Lebensbedingungen in anderen Ländern für sich persönlich besser ein.

Ein Jahr nach dem israelischen Rückzug aus dem Gaza-Streifen, betrachtet eine absolute Mehrheit von 55% der Israelis die damalige Entscheidung Ariel Scharons als Fehler. Nur noch 38% der Befragten begrüßen den Schritt. Bei der letztjährigen Umfrage hatten laut JP noch 53% der Umfrageteilnehmer den Rückzug aus dem besetzten 1967 Küstenstreifen befürwortet.

Nach dem jüngsten Libanonkrieg im Juli und August ist das Misstrauen vieler gegenüber Arabern mit israelischem Pass weiter gewachsen. Fast jeder Fünfte ist der Ansicht, die etwa 1,3 Millionen israelischen Araber verhielten sich illoyal gegenüber dem jüdischen Staat. Bei einer Meinungsumfrage im Mai diesen Jahres hatten 62% der Befragten erklärt, sie wünschten sich ein Israel ohne Araber.

Die Umfrage wurde am 17. und 18.September erhoben. Die Fehlertoleranz liegt nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts bei 4,5%.

Sonntag, 27. August 2006

Umfrage im Libanon: Hizbollah hat gewonnen, Frieden mit Israel in weiter Ferne

Laut einer Umfrage des Beirut Center for Research and Information sind knapp drei Viertel der Libanesen der Meinung die Hizbollah sei siegreich aus dem Julikrieg mit Israel hervorgegangen. Die Befragung wurde zwischen dem 18. und 20.August unter 800 libanesischen Staatsbürgern der vier wichtigsten Konfessionen des Landes - Schia, Sunna, Christentum und Drusentum - durchgeführt.

Demnach sind 72% der Libanesinnen und Libanesen der Ansicht, die Hizbollah - im Fragebogen stest unter der Bezeichnung "al-Muqawama" (Der Widerstand) geführt - habe den Krieg gegen Israel gewonnen, 28% sind gegenteiliger Meinung.

Knapp 78% der Befragten begrüßten zudem, dass die Hizbollah-Miliz die libanesische Armee bei der Verteidigung des Libanon vor dem "feindseligen Vorgehen Israels" unterstützt habe. In der Realität leistete die schlecht ausgerüstete reguläre Armee des Libanon kaum nennenswerten Widerstand gegen die israelischen Luftangriffe und den Einmarsch der israelischen Armee in den Südlibanon.

Die Entführung der beiden israelischen Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser durch die Hizbollah am 12.Juli sieht die große Mehrheit der Befragten nur als Vorwand für die israelische Militäroffensive gegen den Libanon. Fast 85% der Umfrageteilnehmer sind der Ansicht der Krieg gegen die Hizbollah sei das Ergebnis eines lange gehegten Planes für den die Entführung nur einen willkommenen Anlass bot.

Skeptisch betrachten die Libanesen die Möglichkeiten der internationalen Schutztruppe, die in den kommenden Wochen laut UN-Resolution 1701 im Südlibanon stationiert werden soll. 65% der Umfrageteilnehmer glauben, die UNIFIL-Truppe böte in einem neuen Konfliktfall keinen wirksamen Schutz vor einer erneuten israelischen Invasion in den Südlibanon. Nur etwa jeder Dritte traut den Blauhelmen eine solche Funktion zu.

Auf die Frage, ob sie einen Frieden mit Israel für möglich halten, antworteten 74,5% der Befragten mit "nein", demnach hält nur ein Viertel der Libanesen einen Friedensschluss mit dem südlichen Nachbarland für möglich.

Wie bei praktisch allen Fragen fallen auch hier die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Konfessionsangehörigen bei der Beantwortung der Fragen ins Auge. Während weniger als 2% der Schiiten einen Friedensvertrag mit Israel für möglich halten, liegt die Zustimmung bei den Christen im Libanon bei immerhin knapp 42%.

Donnerstag, 24. August 2006

Timothy Kassis’ War Diary

Dieses Kriegs-Tagebuch unseres Freundes Timmy, unseren Lesern bislang unter dem Pseudonym "George" bekannt, erschien vor einigen Tagen bereits in deutscher Sprache auf Spiegel-Online , wurde dort aber zensiert und um wichtige Passagen gekürzt. Wir haben uns daher entschlossen hier den Originaltext zu veröffentlichen.:

Monday 14 August 2006

Today at 8am Lebanese-Israeli time, all hostilities were supposed to end in accordance with Security Council resolution 1701. Just minutes before the deadline Israel was still expanding its military offensive in the South of Lebanon and continuing its air strikes on civilian cars, trucks and houses.

During the day I heard a couple of reports that two Hezbollah fighters were killed in the South by Israeli fire and Hezbollah couldn’t retaliate because they were following the resolution. Although Hizbollah also fired 10 rockets none of them actually crossed the Lebanese-Israeli border, not because they couldn’t but because they didn’t want to. They just wanted to remind Israel that they were still there and still capable of defending Lebanon. Other than that it was relatively quite during the morning so almost all of the refugees staying at our school left to their villages a bit south of ours.

A group of friends and I were organizing special activities for the refugee children in our school and nearby camps, in order to make them forget the horrible days they were going through and to hopefully help them grow to be peacemakers rather than avengers. Because no refugees were left we canceled our activities and just decided to hang around together and talk about things, things other than the war. It was such a relief to be able to talk about something and not hear bombs landing and rockets being fired into nearby villages.

Being a 21-year old Lebanese, I, like thousands of people from my generation, was more than willing to accept Israel’s occupation of Palestine and have a peace agreement with Israel realizing that there is no solution but to accept the fact that Israel is here and here to stay. I looked forward to living peacefully with my neighbor, to visiting Israel and having Israeli friends only an hour away. Older generations always tell us that peace with Israel is impossible and they used to describe the horrific stories carried out by the Israeli ‘Defense’ Force (IDF). We thought they were just over exaggerated. Now that I have witnessed the destruction and immoral offences the Israeli government is cable of, I cannot imagine how any generation can live side by side and peacefully with Israel.

Hizbollah claimed a rightful victory today after 33 days of Israeli aggression. People celebrated and distributed candy in the streets as a sign of happiness. People whose houses were destroyed, whose family members were killed were for the first time capable of being proud and felt that they had some dignity. Winning a war against the ‘unbeatable IDF’ was thought to be a near impossible mission for Arabs, but Hizbollah shocked everyone with it’s capabilities.

Although Hizbollah doesn’t have a fraction of the fire power of the IDF and none of the tanks, planes, submarines or boats, they do have a heart for their country and a genuine love for justice and real peace. Not peace imposed by the US or Israel. Arabs have come to know what kind of peace the US imposes. It is the same peace in Afghanistan, Iraq and Palestine (also known as the largest prison in history).

People of Israel. Young men and women of Israel, I want to be your friend. We, the Lebanese youth, want to be your friends. We cannot let this hatred continue forever. Why do you accept what your government does? Does violence ever bring peace?


Tuesday 15 August 2006

Today is the second day after the start of the implementation of resolution 1701. Thousands of people are going back to their house and villages. Some of them are not so lucky and have to go back to the school they were staying at because their home was destroyed.

My friends and I decided today to go to a near-by village called Jib Jannine. We heard the school still had a lot of refugees who had come from villages near the Lebanese-Israeli border. We took our usual coloring pencils, balls, balloons and other toys and headed to the school. The kids there were really excited to see us. It was a bit challenging to gather them, but once they saw us playing with a couple of kids the rest came on their own.

Talking to the children we heard some very sad stories. Some of them went to their villages only to come back to the school because their house was destroyed. Other families didn’t want to take their kids back because of the presence of thousands of cluster bombs that are still active throughout the South (cluster bombs are illegal weapons by the way, but who am I to condemn when even the UN doesn’t say anything!).


Wednesday 16 August 2006

I didn’t really listen to any news today. In the morning, I was preparing for a weekly bible study my friends and I have which I am supposed to lead this Friday. The study is on Ruth 3 and how Ruth found a wonderful loving man called Boaz. It was a great encouragement for me to read this chapter as it reminds me that there are still righteous people in Israel. People who love and care for the well-being of others.

In the afternoon, my dad and I decided to visit the Southern Suburb in Beirut to see the destruction caused. I took my camera with me to take photos in order to show my children and possibly my grand children the kind of destruction war can cause.

When you first enter the area you immediately realize the extremely strong smell of gun powder, which explained why so many people were wearing surgical masks. Wherever you turn you see broken glass and doors and every once in a while you see a building completely destroyed. As we moved closer and closer to the middle of the suburb whole areas were destroyed. We passed a part were I think more than seven buildings next to each other were left in total ruin. Restaurants, living apartments, stores… nothing was spared. My sister asked whether Israel finished its rockets so that is why they didn’t destroy the few buildings still left unharmed, we couldn’t but just stare in wonder at the innocent questions a 7-year old can ask.

On our way to Beirut, I also took some photos of the largest bridge in Lebanon. It was rendered completely unusable. Half of it had fallen into the valley and the other half was just full of car-wide ditches. What’s really ironic is that a second road just parallel to it was not touched by Israel. They destroyed our bridge with an excuse that Hizbullah would use it to get supplies, but what about the road beside it? Is this really the case or do they just want to teach the Lebanese population a lesson? To destroy everything we worked hard to build.


Thursday 17 August 2006

Having woken up at 9am today I had a very relaxing night of sleep. Usually when I wake up I go directly to watch the news on TV, but today, I didn’t as not a lot seems to be happening the last couple of days.

Lunch was extra special. It was the first time I eat a proper home-cooked meal in almost three weeks as my mom was in Syria at her sisters where it was much safer for her and my little 7 year-old sister. In addition to a good meal I also heard some good news. Israel decided to lift its air blockade on Lebanon (at last realizing that it was illegal in the first place!). At 1pm Lebanon time the first civilian airplane was able to land in Beirut International Airport (or after Rafiq Harriri’s assassination it became named Rafiq Harriri International Airport). The sea blockade is still in effect; my hope is that they will lift it within the next few days. Fuel, food and medicines are running out in Lebanon. We urgently need to do what the Lebanese are good at doing; that is we need to start importing again.

Just before writing this entry into my diary, I was watching some news on TV. I saw the head of the Palestinian parliament locked up in chains at his feet. His hand chains were removed because he was appearing on camera. It was an unbelievable scene. How can anyone be so immoral and disrespectful as to not just imprison but lock the head of parliament of a country! Just unbelievable. Where is the west now and its calls for democracy?

The Bush administration has proven itself to be such an excellent, let me say, hypocrite. Calling for peace and democracy yet at the same time carrying out multiple wars all over the place. Saying nothing when a democratically chosen head of parliament is locked up in chains in Israel. I guess when it comes to Israel, there are no such things as human rights, democracy or even the proper meaning of the word peace. Israel is just above all International law and God’s laws.

For the last couple of days I have been actively promoting the ‘Draft Al Gore’ movement. They are a bunch of Americans who want Al Gore to run for president again in order to fix all the mess Pres Bush got the US into. I really wish he runs and wins for the benefit of world peace. He seems to be such an intelligent and moral person.


Friday 18 August 2006

Last night was a nightmare for me. During this time of year mosquitoes are all over the place and if you don’t have anti-mosquito mats it is a disaster. Unfortunately, my mosquito repeller is electrically powered and last night we didn’t have any electricity. No electricity, means no repeller, which in turn means no sleep!

Electricity is becoming very scarce now-a-days as the sea blockade continues on Lebanon. You never realize the importance of having electrical power until you lose it for 16 hours a day! No TV, no computers, no lights to read…. Nothing. You just sit there and talk with your family or stare at the tree in front of your house.

It was very quite today (although there were some jet fighters passing by every once in a while over our area). Two members of the German parliament visited us in the afternoon. They seemed to understand the situation in the Middle East very well, which really made me feel a lot better knowing that some in the German parliament know the truth.

At night we had an interesting Bible study in which we talked about husband and wife relationships and how God views that based on Ruth 3. After the study we usually have a small social in which we eat and talk. Fortunately, no one today said anything about any war related issue. It was as if nothing had/or is happening.

A couple of minutes ago I heard on the news that Israel launched a couple of air strikes in the north of the Bekaa valley. I really hope that it is not true. If it is true then Israel has broken resolution 1701 (as usual) and no one will condemn it. If Hizbollah retaliates for the airstrikes then we are in deep trouble, because according to the US lead resolution, Hizbolluh doesn’t have the right to defend itself! I always get a headache when I talk about the UN and US, especially after this war on Lebanon. There is so much injustice going on.

What really annoys my friends and I is all the lies the governments feed their people, whether in the US or Israel. Every time the people of the US oppose Pres Bush’s policy, he reminds them of the 9/11 attack and automatically labels anyone who doesn’t agree with his policy as a terrorist. He tricks the American people into thinking that they are fighting terrorists…

Tonight looks like a very bad night also. No electricity after 12, so I better have something to eat and kill the mosquitoes in my room before then.


Saturday 19 August 2006

Today I woke up early in order to listen to the news to see if the Israeli air strikes, which I heard about just before going to bed last night, were actually true. As expected, they were. It turned out that Israel attempted a raid in a village near the city of Baalbeck in an attempt to kidnap one of Hizbollah’s leaders called Mohammad Yazbik. The air strikes were used to help the Israeli soldiers escape from the scene. The failed attempt resulted in three Lebanese resistance fighters being killed and one Israeli general.

For lunch we had some family friends over. We all ate and celebrated my parents 23rd wedding anniversary. As usual, Lebanese lunch takes so long! It took us almost three hours to have lunch and then some cake, not to mention all the preparation that went on before the guests arrived!

In Lebanon, grade 9 students undergo official government exams at the end of the year the results of which are released sometime in the middle of July. This year they weren’t released in July due to war circumstances. I was sitting with one of my friends today and he got a phone call from his younger sister telling him that she had passed and had excellent grades. Grade 9 students were so relieved today to know their results. Even if they failed they still were happy because after waiting such a long time they got them!

In the evening, we had a small gathering with some friends. We discussed the war briefly and what each of us expected will happen. Some of them seemed optimistic but the rest were pessimistic especially after the Israeli raid early today, which violated resolution 1701 and greatly shook the peace process.


Sunday 20 August 2006

In the morning I went to church. I couldn’t really concentrate on the sermon because it was so hot and humid today.

For lunch today we also had guests, but this time it didn’t take so long because we were sitting outside and suddenly it began to rain! For people who don’t know the Middle East climate; the Middle East never sees rain in summer. Especially not in August! It was as if Earth was crying over what happened to Lebanon! This time I could take the car because it appears that the fuel supply is becoming normal again after it was not allowed to enter Lebanon for one month during the war due to the Israeli siege on my country.

In the afternoon I went with a couple of friends to visit our grade 9 friend who had passed with exceptional marks. It is an Arabic custom to visit people when they pass a major exam. So her mother treated us to some refreshing watermelon, juice and sweets.

At night I just sat around with some friends near our house. We talked a bit about the current situation and what might happen this week, especially after the Israeli defense minister said today that Israel is preparing for a second round of fights with Hizbollah.

As this is the last entry in my diary I would really like to wish everyone peace. All I can say is that we Lebanese, whether Christian or Muslim, want peace. We want to live in a peaceful country, feeling secure and confident that we will not be attacked any minute. Israel also wants the same. Let us work together for a peaceful Middle East keeping in mind that peace can never be reached by violence!


Timothy Kassis, An Lebanese-Syrian Evangelical Christian living in the West Bekaa, Lebanon

Samstag, 19. August 2006

The Sorrow of Survival

Dr. Riad schrieb mir diese Reflektion in der Hoffnung, dass es die Letzte zu diesem Krieg sei...


The Krehs are a dear German family that lived and served with us for three years told me that people congratulate them on returning on time from Lebanon before the start of the war. Although this family is thankful now to be safe in Germany, they felt much deep sorrow for watching the news of destroyed Lebanon and wondering what has happened to the roads and scenery they once enjoyed in Tyre and other parts of the country.

In the eve of August 13, eight air strikes were heard so close to our house. More than 2000 Christians were fleeing from Marjayoun, a southern town. Although the convoy had allegedly a “special permission” and was under surveillance since it left Marjayoun it was assaulted for an unknown reason as it approached Kefraya junction (2kms from us). One of our staff, Radwan, was among the courageous Red Cross aides who rushed to the scene. At least 7 were killed (one of them is a Red Cross volunteer and the Christian wife of Marjayoun’s mayor) and more than 40 injured. People began to run with their children and to drive their cars crazy. Another real massacre, just several hours away from the deadline to the “cessation of hostilities”!

August 14, 2006 was such a great day! It was the first time to wake up for the last 34 days to hear the birds singing rather than jet fighters crossing the clear blue Lebanese sky. I felt as if I was born anew. I could not believe that the “cessation of hostilities” scheduled to be effective at 08.00 am is really taking place! As I walked out I felt the trees greener, the air fresher, and the sun brighter. The people I met were shaking hands, kissing one another, and saying hamdillah alalsalamatika (Praise God for your safety!). During the day I was thankful to God for the joy of survival, but I began to think about the sorrow of survival that many will be experiencing today.

At 07.45 am, just 15 minutes prior to the deadline for “cessation of hostilities”, a public car was struck from the air and five Lebanese policemen and two civilians were killed. The families of these dead were surely experiencing the sorrow of survival wishing that the travel of their sons was delayed for at least 15 minutes!

On August 6 David Grossman, one of Israel’s most prominent writers and peace activists, wrote a public letter calling for Israel to accept a mutual cease-fire with the Lebanese. However, on August 12 news reached David that his own 21 year-old son, Uri, was one of the causalities of the war! Had the cease-fire been effective several days earlier, Uri and his family would have experienced the joy of survival instead of experiencing now, without Uri, the sorrow of survival.

Yesterday I visited with my son and daughter the southern suburb of Beirut. I have seen images of the destruction on TV, but to be there is quite a different experience. It is such a shocking experience to smell the odor of gun powder, to have the dust of rubble covering your whole body, and to walk on smashed glass is something different. It is such an experience to see the interior of hundreds of apartments being shattered; mattresses, personal belongings, toys, books. All were in heaps of wreckage. I wondered how those who returned home to find their beloved ones still under the rubble would have experienced the joy of survival. I wondered how the families of more than 1,300 Lebanese civilians are able to find comfort in their own survival. I wondered how those who knew that their homes and belongings had been wiped out are able to experience the joy of survival.

In the first days of the war I wrote an article for Christianity Today (http://www.christianitytoday.com/ct/2006/130/12.0.html) entitled: “The Silent Human Conscience: What should I tell my daughter when bombs fall and the great nations say nothing?” Finally the human conscience has been shyly awakened! Hopefully the “cessation of hostilities” will evolve into a permanent “cease-fire” in the near future. I am still unable to comprehend why it took so long to reach a UN Security Council resolution! How many of these dead on both sides of the conflict would have survived if an immediate ceasefire took place? Sadly it seems to me that Dr. K. Makdisi, Professor of International Relations in the Dept of Political Studies at the American University of Beirut, was right to say: “America and Europe can congratulate themselves not only on the total destruction of a country, but on the de-legitimization of the international legal order (UN Security council).” Are the individuals and nations who insisted on the continuation of the terrible war and those who took so long to reach an agreement for “cessation of hostilities” feeling the joy or the sorrow of survival?


The Revd Riad Kassis, PhD
Executive Director & Chaplain at J. L. Schneller Institute, West Beqaa, Lebanon
Lecturer in Old Testament studies, Near East School of Theology, Beirut, Lebanon

Dienstag, 15. August 2006

Nach dem Julikrieg: Assad droht Israel

Vor seinem heutigen Treffen mit dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat Syriens Staatschef Bashar al-Assad erklärt, die Hizbollah habe den Libanonkrieg gewonnen und damit Pläne der USA und Israels für einen "Neuen Nahen Osten" zerschlagen.

Ohne einzelne Staaten beim namen zu nennen kritisierte Assad die Haltung anderer arabischer Staaten, denen nicht an einem "wahren Frieden" gelegen sei, sondern an Friedensabkommen, die den Interessen der USA und Israels dienten. "Wir zwingen niemanden an unserer Seite zu kämpfen, aber niemand sollte auch die Ansichten unserer Feinde annehmen."

Der Krieg gegen die Hizbollah sei nur ein Teil einer weiter angelegten Strategie der USA, Libanon und Syrien ein Friedensabkommen mit Israel nach dessen Vorstellungen zu diktieren. "Es gibt keine Verbindung zwischen der Gefangennahme der beiden Soldaten und dem Krieg gegen den Libanon. Der Krieg war schon zuvor beschlossen Sache. Jeder der das nicht erkennt, hat eine gestörte Wahrnehmung.", so der Präsident in seiner Rede vor der 4.Konferenz der Syrischen Journalisten-Union heute in Damaskus.

Die von Syrien unterstützte Hizbollah bezeichnete Assad als legitime Widerstandsbewegung, da die israelische Agression auch seit dem Rückzug aus dem Südlibanon 2000 nicht geendet habe und Verletzungen des libanesischen Luftraums durch israelische Kampfflugzeuge an der Tagesordnung seien. Vor diesem Hintergrund kritisierte Syriens Präsident auch den Text der UN-Resolution 1701 , in der die Angriffe Hizbollah als Auslöser des Konflikts benannt werden.

Assad forderte Israel auf seine "Arroganz" aufzugeben. "Wir in Syrien, Libanon und Palästina haben noch immer Land, das nicht befreit ist. Entweder sie bewegen sich in Richtung Frieden und geben den Arabern ihre Rechte zurück, oder sie bewegen sich in Richtung anhaltender Instabilität." Unverhohlen drohte er: "In den letzten Schlachten habt ihr den Geschmack der Erniedrigung kennen gelernt. Eure Waffen werden euch nicht schützen, weder eure Flugzeuge, noch eure Raketen, auch nicht eure Atombombe. Die kommenden arabischen Generationen werden einen Weg finden Israel zu besiegen."

Sonntag, 13. August 2006

Civilized Discrimination!

Eine weitere Email von unserem Freund Dr. Riad Khassis:

Imagine a Red Cross worker saying to a severely wounded person agonizing under the rubbles of a destroyed building: “Show me your passport. If you hold a foreign passport I will help you, if not go to hell!” Such a response from a Red Cross worker is unimaginable, but this is similar to what took place in Lebanon.

Tens of thousands of foreign nationals have been evacuated as the war on Lebanon started on July 12, 2006. Their embassies worked hard to ensure successful evacuation. Many of my friends left among those who have been evacuated. I do fully understand the terrible situation that they experienced during the first days of war. I realize that it is an unwise behavior to stay, particularly with children, in a country that is being under siege and war if you have the chance to flee. However, my real dilemma is two folded. It is the irony of human value that is based on one’s nationality, not to say one’s race! It is also with the attitude of one’s own government.

Through newspapers, TV and radio stations foreign embassies in Beirut issued instructions concerning evacuation procedures. I admire what these governments were doing to help their people. It is the thirtieth day of the terrible war on Lebanon and I have not heard my Lebanese government issuing any safety measures for its citizens! Today when we approached the Lebanese authorities asking for cooking liquid gas so our kitchen can provide hot meals to the hundreds of displaced people we take care of we went into the complicated routine of bureaucracy with no avail. I do not wonder why many Lebanese are waiting on the doors of many embassies to immigrate.

On the other hand, not all foreign embassies were able to evacuate their citizens. This depended heavily on the richness of the nation. Rich nations evacuated their citizens first; poor ones were unable to do so. The government of the Philippines is just thinking to evacuate its citizens after several weeks of war. The Sri Lankan government started to evacuate, but then halted the process due to lack of funding and difficult logistics. Other poor nations did not even entertain the thought of evacuation!

I wonder what the children of the city of Tyre and nearby villages were saying to themselves when they saw other children holding their teddy bears and walking peacefully to a ship or a bus to be evacuated only because they hold a foreign passport of a particular country. I wonder what was the feeling of a foreign child who, after arriving to a safe destination, hears that his/her friend was killed by an air strike because his/her friend holds a Lebanese passport and was unable to leave the country!

A news article on a website carried the heading: “Christian foreigners depart war-torn Lebanon, but leave behind thousands changed and being changed by the Gospel.” In reality, not all Christian foreigners departed war-torn Lebanon. Several decided to stay in the country to be identified with the sufferings of the people they came to serve. Some stayed even in dangerous areas like the south and West Beqaa. An example of those courageous people is a Swiss friend of mine. He is currently offering a “glass of cold water” in the name of Jesus Christ to the sisters and brothers of Jesus, the displaced Shiites! (I hope that his case is not to be considered an act of disobedience to his mission organization, but an act of heroism).

During the evacuation process the Israelis halted their operations to ease the evacuation. When the UN asked for a 72 hour humanitarian cessation of hostilities for the burial of the dead and the evacuation of the injured the Israelis, backed by several western governments, objected! Those who hold foreign passports will be evacuated, but down to hell to those who hold Lebanese passports! A statement from one foreign embassy stated that “pets would not be evacuated”. Yes, pets should stay with the Lebanese children to face the “smart bombs” air strikes and the shelling. Yes, pets and Lebanese children should stay together. They should drink polluted water, face hunger, and get ready to die. Is this civilized discrimination, civilized racism, or what?

The Revd Riad Kassis, PhD
Executive Director & Chaplain at J. L. Schneller Institute, West Beqaa, Lebanon
Lecturer in Old Testament studies, Near East School of Theology, Beirut, Lebanon

Samstag, 12. August 2006

What can I say? Nothing!

Unser Freund George hat uns eine weitere Email aus der Bekaa-Ebene geschrieben. Gestern wurde das Nachbardorf angegriffen...

Dear Friends,

As we start the second month of this sixth Israeli war on Lebanon I am helpless to find any words to describe the situation. What can I say when near my village when a convey of civilians and security forces were coming back from the South (given full permission of the Israeli air force and accompanied by the International Red Cross) was hit with 8 air strikes? What can I say when a family trapped under a house is not given any help because Israel doesn't allow the Red Cross to enter that village? What can I say to another family that was being dug out of their houses' rubble by the Red Cross and suddenly they had to leave the rest of the children behind because their allowed time that Israel had given had ended? What can I say when a small truck carrying medical supplies and food to distribute to refugees living in schools around our area was hit with a rocket and as the Red Cross was coming to help the driver a second rocket was fired at both of them? What can I say about a mass funeral that was happening in Tyre for 60 civilians when it was hit by Israeli air strikes? Can you kill a person twice? What can I say to the people crying between the refugees we are having in our school when 7 of their relatives were killed in a nearby village?

After 31 days of allowing Israel to continue its aggression on Lebanon, the UN security council approved resolution 1701 which called for an immediate cessation of military attacks. When will Israel start to obey? no one knows. The Israeli PM ordered attacks on Lebanon to be broadened and that's after the resolution was approved!

I really have nothing to say.

George

Mittwoch, 2. August 2006

Home, sweet home!

Eine weitere Email von Dr. Riad Kassis:

Almost every time we, as a family, return from a wonderful vacation, as we enter our home we say: Home, sweet home! No place is like home! I am sure that you have had the same feelings in many occasions. However, imagine being forced to leave suddenly your home! Imagine yourself as a child forced to leave behind all the dear things you had once, your pillow, your teddy bear, your favorite cartoon programs…! Imagine yourself forced to leave the comfort of your own bed to sleep on a thin mattress in a park or in a classroom! Imagine yourself without a hot meal, but hardly surviving on canned donations! Imagine that your daily routine has suddenly been turned upside down! Imagine that you do not know when you will return home and unsure whether you will find a heap of rubble instead of a sweet home! Imagine the long lasting psychological effects, on both children and adults, for being displaced!

For me personally it was hard to imagine. I have heard and seen reports on the displaced people in Indonesia, Sudan, and other places in the world. But I have never imagined that to be displaced is such a tragedy until I have encountered this with my own eyes in my dear country Lebanon. Now there is no place for imagination. It is a bitter reality that we live with on a daily basis! It is estimated that more than 800,000 Lebanese are displaced now! In 2005, more than a million Lebanese were in the streets of Beirut united for a free and democratic country. Many nations expressed their support and promised to improve the life of the Lebanese. Now almost a million Lebanese are displaced. In just 20 days their whole life was shattered into pieces. The same nations that promised support are now unable or unwilling to call for a cease fire. Their promises are also shattered into pieces. The fulfillment of their promises is now in form of medical supplies and blankets! As Lebanese we are grateful for all the help we receive, but we are losing faith in the credibility of many supposedly friendly nations!

Here close at home, humanitarian and Christian organizations are working hard to take care of the displaced people in spite of the difficulty of the siege and the destruction of the infrastructure (power, roads, bridges…). At our institution in West Beqaa valley, we are trying to be creative not only to help the displaced, but also by helping the farmers and merchants who are suffering economically. As our budget allows us we buy the produce from farmers and goods from the merchants in the area and distribute them to the displaced people. Currently we are taking care of 150 displaced people at our institution and about 300 displaced people located in nearby villages. We are distributing meat, fish, fruits, and vegetables. However, our main focus is on children under 15 years of age. We distribute suitable toys for them, invite them to watch a movie on a big screen (if power is on), and bake them special cookies in our own German bakery. We are also in the process of having a psychologist to help the children overcome the trauma of war, destruction, and displacement.

The psalmist writes: “If the foundations be destroyed, what can the righteous do? (Ps. 11.3). My response to him is: The righteous does not lose hope. The righteous will rebuild the foundations again. The righteous will work hard to let the displaced feel home even away from home. The righteous continues to build a destroyed nation and to uplift the broken souls. We will build the foundations of Lebanon again. In fact, we have already started this process when we became united against the aggression. By God’s grace we will have, in the near future, a sweet, sweet home for every Lebanese!


The Revd Riad Kassis, PhD

Montag, 31. Juli 2006

Email von George aus der Beqaa-Ebene

Es folgt eine weitere Email von unserem Freund George, der uns seit Kriegsbeginn ueber das Geschehen im Libanon und speziell in der Beqaa-Ebene berichtet:

Dear Friends and Family,

Peace greetings from the land of strife and violence!
I am close to my computer now trying to find some encouragement from
friends like you. My hands are trembling as seven air strikes hit the
area next to us. It is only 3 km away from our house. Our house and
the whole Schneller campus were shaking. Earlier today the road to the
lake south of us was hit three times. It is really terrible!

I woke up today to listen to the news and I saw our Aljazeera reporter shaking and crying. Our professional highly trained reporter couldn't handle what he was seeing. In a village called Cana, South of Lebanon, more than 60 people were hiding in a bomb shelter when suddenly 3am at night, Israeli warplanes brought the building down, killing more than 55 civilians, most of them children under 10 years old. Bodies are still being recovered as I write this, I already corrected the above number twice as it keeps increasing.

Qana or Cana, is greatly regarded by theologians as the same Qana where Jesus turned water into wine. Jesus' first miracle, brought laughter and joy to the wedding party. Today, water was turned into blood.

In 1996 the same village witnessed a mass genocide in which more than 100 people died within a couple of minutes due to an Israeli attack.

This is just one story of several thousand that is happening all across Lebanon. Condelliza Rice was and still is in Israel yesterday. Why was she there? To stop the war or to confirm that the new weapons and bomb shipment sent out by the US to Israel a couple of days ago arrived safely?

What really strikes my heart is that I know that behind all this. Behind all the support to Israel. Behind all the funding for creating a war, are American Evangelicals not so far from what I believe, except they have a big big mistake, called Christian Zionism based on what is known as End-time theology. In short, it basically turns completely over what Jesus taught and says that Israel is still God's chosen people and the only way to be a Christian is to support Israel in every way possible. Imagine, collecting offerings in your church to give Israel in order for it to continue its war on Lebanon, Palestine and in the future, other surrounding countries.

Jesus the peacemaker, the one who turns water into wine, not water into blood. When will they realize this?

We know that Israel wants to stop the war. They don't want to fight anymore, but the US is not allowing them!

Please pray for wisdom to all parties involved in this war. Especially to Pres. Bush and Mrs Rice who have full control of what is happening.
Regards,

Qana: Turning water into blood, not wine!

Vor wenigen Monaten haben wir in diesem Blog einen Bericht zu dem Massaker von Qana 1996 publiziert . Aufgrund der gestrigen Ereignisse veröffentlichen wir eine weitere Email von Dr. Riad Kassis:


Qana is about 10 miles east of the southern Lebanese coastal city of Tyre. According to traditions it is the village where Jesus Christ performed his first miracle by turning water into wine (John 2: 1-???). The presence and work of Jesus gave the wedding a new turn and flavor. He brought in joy, happiness and gladness to all present. This is what Jesus did when he was in Qana! The story in Qana is different in 1996 and today!
In 1996, a Fijian UNIFIL compound in the village was shelled by Israeli artillery. Around 800 Lebanese civilians had taken refuge there to escape the fighting, of whom 106 were killed and around 116 others injured. Four UNIFIL soldiers were also seriously injured. This was the First Massacre of Qana!
In 1996, Roberst Fisk wrote in the Independent: “The Lebanese refugee women and children and men lay in heaps, their hands or arms or legs missing, beheaded or disembowelled. There were well over a hundred of them. A baby lay without a head. The Israeli shells had scythed through them as they lay in the United Nations shelter, believing that they were safe under the world's protection.” The words of Fisk could be repeated today as well.

Last night, was a noisy and fearful night as Israeli jet fighters were hovering the skies of Lebanon. While I was trying to sleep in the middle of the night I was thinking of what the morning will bring to Lebanon. I woke up to the news that an Israeli air strike hit a four-story residential building used as a shelter by Lebanese refugees in the southern Lebanese town of Qana Sunday morning, killing and wounding more than 65 people, 30 of them are infants and young children. This is the Second Massacre of Qana!

In 1996, Israel Army Deputy Chief of Staff, Matan Vilnai stated that the shells hit the base not because they were off target, but because Israeli gunners used outdated maps of the area. He also stated that the gunners miscalculated the firing range of the shells. Today Israeli army officials state again that the targeted building was used as a human shield.

Enough of this nonsense! I am sick not only because of such excuses, but because many in the West believe these claims as well! There is and will never be an acceptable excuse for the killing of civilians most of them children and women. The excuse that the US is waiting for a “sustainable solution”, without calling for an immediate cease fire, is nonsense too. It is only a green light for Israel to continue it atrocities on Lebanon.

My great disappointment is with the international community, with fundamentalist evangelical community, with some Arab regimes! I have written on this elsewhere . Now as I watch the bodies of little children I am really outraged and furious! How many “Qanas massacres” are we waiting for to happen before a cease fire takes place?

As an Arab evangelical I call, at least, all Christians and particularly evangelicals who enjoy seeing the turning of water into blood in the name of end time prophecy to think seriously that their call is rather to turn water into wine of gladness, peace, and life. Are we looking for the presence of Christ in Lebanon and Israel or for the presence of US smart bombs? Are we peacemakers or angels of death?


The Revd Riad Kassis, PhD

Weitere Mails von Herrn Kassis: Klick , Klick

A "Prayer to Ms. Rice"

Es folgen weitere Gedankengaenge meines Freundes Dr. Riad Khassis, dem Direktor einer Schule im Libanon:

Normally children pray brief and sweet prayers before they go to bed. This evening my seven year old daughter, a Lebanese, and her four year old cousin, an American, stood side by side, stretched up their hands, and prayed. It was neither a prayer to keep them safe during night nor it was a prayer for blessing dad and mom. It was not even a prayer that was addressed to God or Jesus, as they usually do. It was a spontaneous prayer coming out of pure hearts that mingled with the politics and the tragic events of nowadays. They said, “Condoleezza Rice. We are in trouble in Lebanon. Please save us!”
They repeated this prayer several times. When my daughter was told that prayers should be directed and addressed to Jesus or God she answered: “But Condoleezza is able to stop the war on us, is she not?”

Ms. Rice, would you hear and answer these children’s prayer? It is not a prayer of just two children. It is a prayer of thousands of children who are displaced in Lebanon and thousands of children who are in shelters in Israel. It is a prayer of the physically and psychologically injured children. It is a prayer that comes out of the rubbles of southern Lebanon and Haifa.

I beg you not to respond to this prayer by saying that the timing for a cease fire is not politically appropriate or that circumstances are not ready for such a cease fire. For stopping a war, for holding a fight, for holding the destruction of homes and livelihoods, for peace and for negotiations, the time is always appropriate.

Ms. Rice, I heard recently that you are an ardent evangelical. I am an Arab evangelical as well. I have always believed that evangelicals are peacemakers. They are those who hold fast to the gospel of peace and reconciliation. Please answer the above children’s prayer; at least, I will continue not to lose faith in my being an evangelical.

Today I received an e-mail message from a friend who lives in Washington, D.C. informing me that he has just seen a sign displayed in front of one independent evangelical church there. The sign was neither a call for prayer nor a call for a vigil. The sign simply stated: “Go Israel!” It is also toady that I knew that the father of one of our six year old boarding students was killed in an air strike while he was going to bring bread for his family. For the sake of the children’s tears, for the sake of the children’s blood in this terrible war, for the sake of the children’s smile, please say and write: “Go for peace!” “Go for reconciliation!” “Go for love”! Go for a cease fire!”



The Revd Dr Riad Kassis

Israel-Libanon-Krieg: Muslimbrüder kritisieren saudische Fatwa gegen die Hizbullah

Die Beurteilung der Hizbullah und ihrer Rolle im derzeitigen Bombenkrieg gegen den Libanon bringt die islamistischen Parteien in der arabischen Welt weiter auf Konfrontationskurs mit den außenpolitisch gemäßigten Regimen.

In den letzten Wochen hatten sowohl die ägyptische wie auch die saudische Regierung die Eskalation der Gewalt gegen den Libanon verurteilt, der Hizbullah aber auch eine nicht unerhebliche Teilschuld angelastet. Dass man sich von seiten islamistischer Parteien, wie den Muslimbrüdern, den Vorwurf der Kapitulation vor dem Westen und mangelnder Solidarität einhandeln würde, war abzusehen. Doch letzte Woche ging die saudische Führung noch einen Schritt weiter: Der politischen Verurteilung der Hizbullah folgte nun die religiöse Brandmarkung:

„Es ist nicht erlaubt, diese schiitische Partei zu unterstützen, unter ihrer Kontrolle zu operieren oder für ihren Sieg zu beten.“, heißt es in einer Fatwa des saudischen Rechtsgelehrten Sheikh Abdullah bin Jabreen, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. Die Antwort der ägyptischen Muslimbrüder, die vorbehaltlos hinter der Hizbullah stehen, folgte prompt. So mutmaßte Muhammad Mahdi Akif, einer der Anführer der Organisation, dass wohl einige Leute versuchen würden alte Spannungen zwischen Sunna und Schia wiederzubeleben.
Ähnlich äußerte sich sein Kollege Muhammad Habib gegenüber Reuters:“ Die Fatwa vermittelt den Eindruck, dass es eine schiitische Gefahr gibt, die die Region bedroht, und zur Spaltung der arabischen und muslimischen Welt führt.“

Zwar ist die wahhabitische Ausrichtung des Islams in Saudi-Arabien für seine traditionell feindliche Haltung gegenüber den Schiiten bekannt, eine derart offene Verurteilung für die Hizbullah hatte es aber bisher in dieser Form noch nicht gegeben. Da sich Saudi-Arabien selber als führende Regionalmacht im Nahen Osten sieht, ist dies zugleich als ein Zeichen in Richtung des größten Gegenspielers Iran zu verstehen, dessen negativer Einfluss auf die Region zurückgedrängt werden soll. Schon vor einem halben Jahr beispielsweise sahen sich die saudischen Veranstalter der Islamischen Gipfelkonferenz dazu gezwungen, die antisemitischen Ausfälle des iranischen Präsidenten Ahmadinejad zurückzuweisen.

Ökonomische Überlegungen stellen indes einen weiterer wichtige Faktor in der saudischen Beurteilung der Lage dar. Ebenso wie der jetzige libanesische Premier Fouad Siniora verfügte ja auch der ermordete Ministerpräsident Rafiq Hariri über exzellente Kontakte ins Königreich. Nicht umsonst wurde 1990 im saudischen Ta `if das offizielle Ende des Krieges ausgehandelt. Es war vor allem saudisches Kapital, mit dem das Land, und dabei hauptsächlich Beirut, nach dem Bürgerkrieg wieder aufgebaut wurde. In den letzten turbulenten anderthalb Jahren erlebte die libanesische Wirtschaft schließlich einen moderaten Aufschwung, der auf weitere Kapitalinvestition, vor allem auch im boomenden Tourismussektor (Die meisten Touristen im Libanon kommen aus Saudi-Arabien) hoffen ließ.

Die destabilisierende Rolle der Hizbullah bedroht somit auch saudisches Geld und saudische Interessen politischer wie wirtschaftlicher Natur in der Region. Eine religiös verbrämte Verurteilung der Organisation allerdings, die auf den „schiitischen Charakter“ der Hizbullah rekurriert, ist wohl weniger als Antwort auf eben jene Verletzung von sehr materiellen Interessen zu sehen. Vielmehr erscheint es offenkundig als Versuch, der wachsenden Popularität der Hizbullah in weiten Teilen der Bevölkerung etwas religiös Autoratives entgegenzusetzen.