Donnerstag, 4. September 2008

Libanon: Israels Streubomben töten weiter

Mehr als zwei Jahre nach Ende des Zweiten Libanonkriegs im Sommer 2006 werden noch immer Menschen von Minen und Splitterbomben getötet, die Israels Armee während des Konflikts über dem Südlibanon abgeworfen hat. Jüngstes Opfer wurde am Mittwoch der 35-jährige Belgier Stefaan Vanpeteghem, der für die UNIFIL ein Feld nahe des Dorfes Aitaroun von den gefährlichen Hinterlassenschaften des Krieges säubern sollte.

Während des Julikriegs hat die israelische Luftwaffe nach Angaben der Vereinten Nationen etwa 1 Millionen Splitterbomben über dem Libanon abgeworfen. Etwa 40% der Streubomben detonierten nicht sofort und ruhen als Blindgänger auf Feldern und Plantagen des Südlibanon. Mehr als 30 Libanesen wurden seit Kriegsende von diesen Sprengfallen getötet, etwa 280 weitere verletzt. Allein 14 Kampfmittelräumungsexperten der UNIFIL, der libanesischen Armee oder privater Firmen kamen in den letzten zwei Jahren bei ihrer Arbeit ums Leben.

Die israelische Armee beharrt darauf, die Cluster Bombs nur in Übereinstimmung mit internationalen Gesetzen eingesetzt zu haben. Kritiker verweisen darauf, dass der Großteil der Streubomben in den letzten 72 Stunden des Krieges abgeworfen wurden - also just in jenem Zeitraum, indem der Waffenstillstand zwischen Israel und der Hizbollah längst beschlossene Sache war.

Nach Angaben der UN wurden bislang 43% der bombardierten Gebiete von den Splitterbomben gesäubert. Doch noch immer können viele Felder im Südlibanon von den Bauern nicht bestellt werden, da die herumliegende Munition ihre Arbeit lebensgefährlich macht. Zudem ruhen selbst in Gebieten die nach der Arbeit der Sprengstoffexperten als minenfrei deklariert werden noch immer einzelne Blindgänger die unentdeckt geblieben sind.

Umso verwunderlicher erscheint da die Tatsache, dass die Hälfte der Minenräumteams im September ihre Arbeit einstellen musste, da dem UN Mine Action Coordination Centre (MACC) die Gelder ausgegangen seien. Für 2009 ist die Finanzierung der Munitionsräumer noch vollkommen ungesichert, so eine MACC-Sprecherin.

Im Mai einigten sich 111 Staaten auf einer Konferenz in Dublin auf eine Konvention zur Ächtung der Produktion, Lagerung und Verwendung von Streumunition die am 3. Dezember 2008 in Oslo unterzeichnet werden soll. Die USA, Russland, China und auch Israel haben sich an der Konferenz von Dublin jedoch nicht beteiligt. Die NATO hat Cluster Bomben unter anderem in Kosovo und Afghanistan eingesetzt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Na, jetzt müsst ihr aber aufpassen, dass man Euch nicht den Antisemitenstempel aufdrückt!

Ruth hat gesagt…

Die Aussage, dass Israel eine Million Streubomben abgeworfen habe ist falsch. Sie geht auf diesen Ha'aretzartikel zurueck:
http://www.haaretz.com/hasen/spages/761781.html
wo die Ha'aretzredaktion entweder aus Unwissenheit oder aus ideologischen Gruenden falsch titelte. Im Text selber wird von 1800 Streubomben, die zusammen ueber 1 Million "bomblets" (keine Ahnung, wie das auf Deutsch heisst) enthielten.

Groessere Sorgfalt bei der Wiedergabe von solchen Nachrichten waere angebracht.

Ruth hat gesagt…

Und das "Wort zum Tag" geht tatsaechlich in die antisemitische Richtung. Aegypten ist offensichtlich sehr wohl ein paar Billionen Dollar wert und der Irak einige tausend US-Soldaten.

Anonym hat gesagt…

Und man sollte auch in der Lage sein, zwischen Splitterbomben und Streu- bzw. Clusterbomben zu unterscheiden!

C.Sydow hat gesagt…

Richtig, ich habe nicht genau genug zwischen Streu- und Splitterbomben unterschieden.

Leider setzte die IDF keine Splitterbomben sondern Streubomben ein. Die einzelnen Teile einer Splitterbombe haben nämlich im Gegensatz zu den Bomblets einer Streubombe keine eigene Sprengkraft und wären somit für die Menschen in den bombardierten Gebieten heute weitaus ungefährlicher.

Anonym hat gesagt…

Interessant ist, dass der UN Mine Action Coordination Centre (MACC) die Gelder ausgegangen seien sollen und dass deshalb die Räumung der Minen abgebrochen wurde. Wenn der Libanon selbst ein Interesse an der Räumung hat, könnte er ohne weiteres das Program aus eigenen Mitteln fortsetzen.