Dienstag, 25. Januar 2011

Neuer Regierungschef im Libanon: Die Wutprobe

Der Machtkampf im Libanon ist fürs Erste entschieden. Nur knapp zwei Wochen, nachdem die Hizbullah und ihre Verbündeten die Regierung unter Führung von Saad Hariri zu Fall brachten, hat das Land einen neuen Premierminister. Staatspräsident Michel Suleiman ernannte am Dienstagmittag Nijab Miqati zum neuen Premier und beauftragte ihn mit der Bildung der neuen Regierung. Zuvor hatte sich Miqati die Unterstützung von 68 der 128 Parlamentsabgeordneten gesichert.

Damit ist es der Hizbullah und ihren Bündnispartnern gelungen innerhalb von zwei Wochen ein Bündnis gegen Hariri zu schmieden. Den Ausschlag hierfür gaben sieben Abgeordnete aus dem Parlamentsblock von Drusenführer Walid Jumblatt, sowie vier sunnitische Parlamentarier aus Tripoli, unter ihnen Miqati selbst. Beide Gruppen waren bei der Parlamentswahl im Juni 2009 noch für das „March 14“-Bündnis von Saad Hariri angetreten.

Al-Jazeeras »Palestine Papers«: Die normative Kraft des Offensichtlichen

von Henrik Meyer

Vielleicht bringen sie die israelischen und palästinensischen Verhandlungsführer in Erklärungsnot, viel Neues bieten die »Palestine Papers« von Al-Jazeera aber nicht. Dafür sind die Fronten so klar wie nie. Besonders die internationalen Friedenspartner stehen nun in der Pflicht.

Montag, 24. Januar 2011

Orientalistische Wurzeln: Arabien als Teil der hellenistisch-römischen und christlichen Welt

Liebe Leser,

der folgende Artikel von Ayad Al-Ani beleuchtet die im Kontext des Orientalismus-Diskurses bisher kaum erforschte Epoche von den römischen Eroberungen im Orient bis hin zum Aufkommen des Islams.


Verdrängung und keine Erklärung

Seit Edward Saids Buch „Orientalism“ stehen die westlichen Wissenschaften, die sich mit dem Orient beschäftigen, unter dem Generalverdacht ihre Objektivität einer Machtbeziehung unterzuordnen, die danach trachtet, die östliche Gesellschaft, Kultur und Religion unter westliche Hegemonie zu stellen. In eindrucksvoller Art und Weise gelang es Said die Vorurteile, Fehlurteile und teilweise Stimmungsmache vieler alter und aktueller Orientalisten von Cromer bis zu Lewis zu „entlarven“. Einen wichtigen Startpunkt für diese Beziehung sieht Said vor allem in der Besetzung Ägyptens durch Napoleon, die den Zeitpunkt einer verstärkten Kontaktaufnahme des Westens mit dem Orient darstellt. Allerdings werden bei dieser Betrachtung zwei wesentliche Fragen ausgespart: Wie konnten die Orientalisten quasi aus dem Stand auf derartige Denkmodelle zurückgreifen? Und vor allem: Ist dieser Orientalismus wirklich allein durch eine imperialistische Beziehung begründbar und gibt es nicht auch eine andere motivierende Dimension abseits dieser reinen Machtbeziehung?

Dienstag, 18. Januar 2011

Ägypten: Religiöse Intoleranz oder Aufbegehren gegen die Staatsmacht?

Von Simona Pfister

Der Anschlag auf eine koptische Kirche in Alexandria erschütterte nicht nur die christlichen Glaubensbrüder in aller Welt, sondern auch viele muslimische Ägypter. Der Alexandriner Mohamed Abdel Aziz zeigt in seinem Bericht der Ereignisse, dass sich der Terrorakt nicht auf antagonistische Glaubenskonflikte reduzieren lässt.

Montag, 17. Januar 2011

Homosexualität in Gesellschaft und Literatur des mittelalterlichen Iran

von Sebastian Tschorn

Als der iranische Präsident Ahmadinedschad im September 2007 bei einem Besuch der Columbia University erklärte, im Iran gebe es keine Homosexuellen, erntete er Gelächter und Buhrufe aus dem Auditorium. Offenbar existiert für den iranischen Präsidenten nichts, was nicht existieren darf – gilt die Liebe zwischen Männern doch sowohl nach den Gesetzen der Islamischen Republik als auch nach Auffassung eines Großteils der muslimischen Theologen als ein mit dem Tode zu bestrafendes Verbrechen. Eine genauere Betrachtung der persischen Literatur des Mittelalters führt demgegenüber zu dem Schluß, dass erotische Beziehungen zwischen Männern und Jünglingen in langen Phasen der iranischen Geschichte verbreitet und zumindest in den höheren Kreisen der Gesellschaft akzeptiert waren.

Freitag, 14. Januar 2011

Regierungskrise im Libanon – Déjà-vu in Beirut

Nach zweieinhalb Jahren relativer Stabilität wird die Politik im Libanon von einer neuen Krise erschüttert. Die im November 2009 gebildete Regierung der Nationalen Einheit ist am Ende. Am Mittwoch verkündeten elf Minister der 30 Minister ihren Austritt aus dem Kabinett von Premierminister Saad Hariri – just als der sich mit US-Präsident Barack Obama in Washington traf. Zwei der zurückgetretenen Ressortchefs sind Hizbullah-Mitglieder, drei gehören der schiitischen Amal-Bewegung an. Außerdem verlassen die drei Minister der christlichen Freien Patriotischen Bewegung von Ex-General Michel Aoun, ein Politiker der ebenfalls christlichen Marada-Bewegung sowie ein Mitglied armenischen Tashnaq-Partei das Kabinett. Das elfte zurückgetretene Regierungsmitglied ist Staatsminister Adnan Hussein, der vor 14 Monaten von Präsident Michel Suleiman als unabhängiger Politiker in die Regierung geschickt wurde.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Zum Abriss des Shepherd Hotels – Friedensprozess in Trümmern

Von Lea Frehse

Ein Bagger thront nun auf den Überresten des Shepherd Hotels in Ost-Jerusalem. Am Sonntag, den 9. Januar im Morgengrauen rückten die Bulldozer zum Abriss an. Übrig geblieben ist ein politischer Trümmerhaufen.

Montag, 10. Januar 2011

Unruhen in Tunesien – Die schöne Fassade bröckelt

Es begann mit einem Fanal. Am 17. Dezember letzten Jahres übergoss sich der 26-jährige Mohammed Bouazizi in der tunesischen Stadt Sidi Bouzid mit Benzin und setzte sich selbst in Brand. Der Hochschulabsolvent musste Obst und Gemüse verkaufen um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Nachdem ihm die Polizei seine Waren abnahm, da er keine Verkaufslizenz besaß, versuchte sich Bouazizi das Leben zu nehmen und mit seiner Selbstverbrennung gleichzeitig auf die miserable Lage vieler junger Menschen in Tunesien aufmerksam zu machen. In der vergangenen Woche erlag Mohammed Bouazizi seinen schweren Verletzungen.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Gewalt und Diskriminierung gegen Kopten in Ägypten

Ein Gastbeitrag von Daniela Schlicht
Weltweit hat der Selbstmordanschlag auf die koptische al-Qiddissin Kathedrale in Alexandria für Schlagzeilen gesorgt. Die über 20 Toten und 70 Verletzten der Neujahrsnacht markieren einen neuen Höhepunkt der Gewalt gegen die Kopten Ägyptens. Der Anschlag reiht sich ein in die massiven Anfeindungen, denen sich Christen im Nahen und Mittleren Osten seit George W. Bushs vermeintlichem „Kreuzzug gegen das Böse“ ausgesetzt sehen. So wundert es auch nicht, dass die regierende Nationaldemokratische Partei Ägyptens und ihr voran Präsident Hosni Mubarak hinter dem Anschlag von Alexandria ausschließlich „ausländische Kräfte“ wähnen, die sie in den irakischen Zellen al-Qaidas verorten.

Dienstag, 4. Januar 2011

Der „zivile Tod“ - Kriegsdienstverweigerer in der Türkei

Soldat, Deserteur oder »Geisteskranker« - das sind die Optionen, die einem türkischen Staatsbürger zur Verfügung stehen, wenn der Einberufungsbefehl zum Wehrdienst im Briefkasten liegt. Entkommen möchten ihm viele. Wer aus Gewissensgründen verweigert, lässt sich auf einen jahrelangen Kampf gegen den Staat ein – mit ungewissem Ausgang

Sonntag, 2. Januar 2011

Eine vergebliche Reise nach Jerusalem - Follow-Up zum Fall Firas Maraghy

 
Liebe Leserinnen und Leser,

im August 2010 berichtete Alsharq über den Fall Firas Maraghy. Der Palästinenser aus Ostjerusalem war vor der israelischen Botschaft in Berlin in einen Hungerstreik getreten. Dort protestierte Firas 41 Tage lang gegen die Weigerung israelischer Behörden, seine im Dezember 2009 geborene Tochter und seine deutsche Ehefrau in seinen Papieren zu registrieren. Am 4. September beendete Firas den Hungerstreik nachdem ihm ein Gespräch mit Herrn Amos Arbel, dem Direktor des „Registration and Civil Status Department“ des Innenministeriums Israels, zugesichert worden war. Firas Ehefrau Wiebke Diehl berichtet im Folgenden über die Hintergründe des Hungerstreiks und ihre (vergebliche) Reise nach Jerusalem.

Von Wiebke Diehl

Am Eingang zum israelischen Flughafen Ben Gurion, auf unserem Weg zurück nach Berlin, werden wir und unser Taxi-Fahrer angehalten. Keinesfalls ungewöhnlich, alle Araber, die sich dem Flughafen nähern, werden zunächst am Eingang sicherheitsüberprüft. Der Beamte studiert die Ausweise von Firas und dem Fahrer. Kurz darauf fragt er, wer wir – Firas Frau und Tochter – seien. Firas antwortet. Der Beamte fragt daraufhin, warum Firas uns denn nicht in seine Papiere habe eintragen lassen, dies sei Vorschrift…

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Kirgistan nach den Sommerunruhen: »Die Atmosphäre ist vergiftet«

Ein halbes Jahr ist seit den blutigen Unruhen in Kirgistan vergangen. Im Interview berichtet der Geograf und Zentralasien-Experte Matthias Schmidt über die Aufarbeitung der Ereignisse, das sowjetische Erbe und die Chancen für Versöhnung zwischen Kirgisen und Usbeken

Montag, 27. Dezember 2010

Alsharq zu Gast bei DRadio Wissen

Liebe Leserinnen und Leser,

wir hoffen ihr hattet schöne und erholsame Weihnachtsfeiertage. Bevor in wenigen Tagen der Jahreswechsel ansteht, wartet noch ein besonderes Schmankerl auf euch und uns. Björn, Max und ich sind morgen, also am Dienstag, dem 28.12. zu Gast beim DRadio Wissen. In der Sendung "Redaktionskonferenz" reden wir ab 18 Uhr 30 über Alsharq, den Nahen Osten, das Jahr 2010 zwischen Kairo und Katar und alles, was uns in 90 Minuten noch so einfällt. Dazu gibt es arabische und israelische Musik. Reinhören lohnt sich also!

DRadio Wissen könnt ihr digital über Kabel, Satellit, Web-Radios oder direkt im Internet hören. Weitere Infos gibt es hier.

Update: Eine Aufzeichnung der Sendung könnt ihr euch ab sofort online anhören.

Freitag, 24. Dezember 2010

Wenn Christen und Muslime gemeinsam der Armut entfliehen - Zum 150-jährigen Bestehen der Schneller Schulen im Nahen Osten

Lieber Leserinnen und Leser,

die Schneller-Schulen im Nahen Osten feiern in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen im Nahen Osten. Auch für Alsharq ein Grund zum Feiern, schließlich trug insbesondere die Schneller-Schule im Libanon bei einigen "Sharqisten" in nicht unerheblichem Maße dazu bei, dass sie sich bis heute eingehend mit Politik und Gesellschaft des Nahen Osten beschäftigen. Unser Reiseexperte Simon Welte und ich absolvierten unseren Zivildienst an der Schule, außerdem diente die Schule Robert Chatterjee und Christoph Sydow während der turbulenten Tage der sogenannten Zedernrevolution 2005 als Herberge.
Es folgt ein ausführlicher Artikel der freien Journalistin Katja Dorothea Buck zur bewegten Geschichte und zur gegenwärtigen Situation der Schneller-Schulen.

Von Katja Dorothea Buck
Seit 150 Jahren setzen sich die evangelischen Schneller-Schulen im Nahen Osten für Kinder aus armen Verhältnissen ein – egal ob sie Christen oder Muslime sind. Die Kinder bekommen nicht nur eine Schul- und Berufsausbildung, sie lernen gleichzeitig, dass Religion nicht trennen muss.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Alsharq-Reise nach Israel und Palästina 2011

Liebe Leserinnen und Leser,

in den vergangenen Wochen war es um Alsharq etwas ruhig geworden. Dies hat gute Gründe: Alsharq wird professionalisiert. Immer häufiger erhalten wir Macherinnen und Macher des Blogs Aufträge für Seminare, Vorträge, Dossiers, etc. Momentan überarbeiten wir deshalb mit Hilfe eines Programmierers und eines Grafikers den Webauftritt von Alsharq grundlegend. In Übereinstimmung mit unserem Selbstverständnis als Nachrichten- und Analyseportal sowie als Reiseveranstalter werden wir das Blogformat durch eine komplexere und vor allem professionellere Website ergänzen.

Apropos Reisen: Neben der Reise in den Libanon im April 2011, für die man sich noch anmelden kann, bieten wir im September 2011 (15.-28.9.) eine politische Studienreise nach Israel und Palästina an:

Zur Grundidee:

Täglich sind wir durch Nachrichten und Bilder mit dem Nahostkonflikt konfrontiert. Trotz einer breiten Berichterstattung in den Medien ist das Wissen um Hintergründe und Geschichte des Konfliktes zwischen den Israelis und Palästinensern jedoch häufig nur gering und besteht nicht selten aus vereinfachten und polarisierenden Meinungsbildern.

Freitag, 17. Dezember 2010

Waldbrände in Israel: »Die Umwelt kennt keine Grenzen«

Vor zwei Wochen wüteten die schwersten Waldbrände in der Geschichte Israels. Schaul Chorev, Hauptdelegierter des Jüdischen Nationalfonds (KKL) in Deutschland, im Gespräch über die ökologischen Folgen der verheerenden Waldbrände und langfristige Auswirkungen auf die Touristenregion

Montag, 13. Dezember 2010

Trikotwerbung beim FC Barcelona: Zwischen Katar und Katalonien

Nach 111 Jahren bricht der FC Barcelona mit einer Tradition. Die Qatar Foundation zahlt 170 Millionen Euro um für fünf Jahre auf dem Trikot der Katalanen zu werben. In Spanien ist die Aufregung groß, einige befürchten Werbung für Islamisten

Mittwoch, 8. Dezember 2010

„Wie ein Wald entsteht.“ - Eine literarische Begegnung in Tel Aviv

Liebe Leserinnen und Leser,

die Filmemacherin Yulia Lokshina arbeitet momentan an einer Dokumentation über die größte jüdische Minderheit innerhalb Israels, den russischprachigen Einwanderern. Durch massive Zuwanderungswellen, ausgelöst durch den Zusammenbruch der Sowjetunion, ist ihr Anteil an der gesamten israelischen Bevölkerung auf etwa 15 Prozent gestiegen. Unter anderem zeichnen sich die russischsprachigen Juden in Israel durch einen vergleichsweise sehr hohen Bildungsgrad aus - ihr Einfluss auf die israelische Ökonomie und Wissenschaft, aber etwa auch auf die Kunstszene ist dementsprechend groß.
Gleichwohl hat sich die Minderheit ihre partikulare Identität innerhalb der jüdischen Gesellschaft Israels bewahrt. Weiterhin wird untereinander auf Russisch kommunziert. Darüber hinaus rezipiert die Minderheit größtenteils russischsprachige Medien, organisiert sich in russischsprachigen Interessensverbänden und wählt nicht zuletzt Parteien, die hauptsächlich von russischsprachigen Einwanderern repräsentiert werden. Prominentestes Beispiel ist die an der Regierung beteiligte säkular-konservative Partei "Jisrael Beitenu", deren schillernde Führungsfigur Avigdor Liebermann 1978 aus Moldawien einwanderte.

Bei ihren Recherchen trifft Yulia auf Charaktere, deren Lebenswege hätten kaum unterschiedlicher verlaufen können. Ihre Eindrücke verarbeitet und teilt sie auf literarische Weise mit ihren Lesern auf ihrem Blog zuhause projekt. Auf Alsharq schreibt sie über einen Abend mit dem russischsprachigen Dichter Michail Ziv.

Hо землю,                Doch das Land
с которою                mit dem du
вместе мерз,            gemeinsam frorst,
вовек                        für ewig
разлюбить нельзя.  nicht aufhörst zu lieben.

Samstag, 4. Dezember 2010

Amerikas Diplomatenberichte bei Wikileaks: Die schmutzige Wäsche der USA

von Christoph Sydow, Kathrin Hagemann und Dominik Peters

Ein großer Teil der von Wikileaks veröffentlichen US-Diplomatenberichte befasst sich mit dem Nahen Osten. Über die Bedeutung der Enthüllungen und ihre Folgen gehen die Meinungen in arabischen, türkischen und israelischen Zeitungen auseinander

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Entscheidung für Katar 2022: FIFA setzt WM in den Sand

Die Sensation ist perfekt: Katar ist Gastgeber der Fußball-WM 2022. Das Land punktete mit einer emotionalen Bewerbung und versteht sich als Vertreter der gesamten Arabischen Welt. Doch in den nächsten zwölf Jahren liegen gewaltige Aufgaben vor dem Golfemirat

Dienstag, 30. November 2010

Erdogan im Libanon: »Oh mein Gott...er spricht türkisch!«

Von Christoph Sydow, Kathrin Hagemann und Dominik Peters
Die libanesischen Kommentarspalten sehen den Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan als weiteren Beleg für die wichtige Rolle, die Ankara in der Region spielen kann. Während in Israel wieder einmal mit Sorge nach Norden geschaut wird, interessieren sich die türkischen Kommentatoren kaum für die Visite des Premiers

Montag, 29. November 2010

Lebanon at stake

Liebe Leserinnen und Leser,
es folgt ein Gastbeitrag der libanesischen Journalistin Sarah El-Richani zu gegenwärtigen politischen Entwicklungen im Zedernstaat. Zurzeit promoviert sie in Erfurt über das libanesische Mediensystem. Auf Bitten vieler Alsharq-Freunde, die nicht deutsch sprechen, veröffentlichen wir den Artikel in seinem englischen Original.


As the truce brokered by Lebanese brawling camps for the Al-Adha feast holidays and Independence Day came to an end early last week, the weary and the wary in Lebanon are holding their breath.

Donnerstag, 25. November 2010

"Brücken statt Mauern" - Ein Internationales Seminar zu Israel und Palästina

Wir möchten auf ein Internationales Seminar zu Israel und Palästina hinweisen, das zum Jahreswechsel 2010/11 im Westjordanland stattfinden wird und für Alsharq-Leser interessant sein könnte. Das Seminar unter dem Titel "Bridges instead of Walls" wird vom "Alternative Information Center" (AIC) durchgeführt, einer israelisch-palästinensischen NGO, die es sich zum Ziel gesetzt hat, über den israelisch-palästinensischen Konflikt zu informieren und diesen "kritisch zu analysieren".

Das Seminar vom 28. Dezember 2010 bis 04. Januar 2011 führt die Teilnehmer ins israelische Jaffa, nach Jerusalem und verschiedene Orte in der West Bank, darunter Bethlehem, Ramallah und Hebron. Auf dem Programm  stehen Termine mit israelischen und palästinensischen Organisationen und Politikern, die für ein Ende der israelischen Besatzung arbeiten, Vorträge von Wissenschaftlern, Gespräche mit palästinensischen Familien, sowie "die Teilnahme an gewaltfreien pro-palästinensischen Demonstrationen."

Die Teilnahmegebühr für das AIC-Seminar beträgt 350 Euro. Anmeldeschluss ist der 15. Dezember 2010. Weitere Informationen gibt es hier.

Übrigens leiten wir selbst ein Seminar zu Israel und Palästina im Rahmen der Sommeruniversität des Evangelischen Studienwerks in Villigst, das vom 05. bis 09. September 2011 allen Interessierten offen stehen wird. Und last but not least werden wir vom 15. bis 28. September 2011 eine Studienreise nach Israel und Palästina durchführen. Alle Informationen zu diesen Veranstaltungen gibt es in Kürze auf diesem Blog.

Mittwoch, 24. November 2010

„Selbst wenn sie freigesprochen werden, sind sie bestraft“ - der KCK-Prozess

Die türkische Regierung macht 152 kurdischen Aktivisten, die unter dem Dach einer PKK-Nachfolgeorganisation, der KCK, die Grundlagen einer »demokratischen Autonomie« aufbauen wollen, den Prozess. Der Staat will hart bleiben, gerät aber immer stärker in die Kritik – und untergräbt die Annäherungen in der Kurdenfrage

Dienstag, 23. November 2010

Nomadisches Denken. Edward Saids Werk und seine Relevanz für die Gegenwart

von Florian Grosser

Mit Erscheinen seines Hauptwerkes Orientalism vor gut dreißig Jahren avancierte der palästinensisch-amerikanische Literaturtheoretiker Edward Said zu einem der globalen Stars des postmodernen linksliberalen Diskurses. In den geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern wie auch in den Medien, die diesen Diskurs tragen, wurde er seitdem nicht nur als besonders anerkennungswürdige Stimme eines aufgeklärten Palästina wahrgenommen und gehört.

Vielmehr galt und gilt er neben Homi Bhabha auch als einer derjenigen Intellektuellen, die einem machtbesessenen, eigene Wert- und Rationalitätsmaßstäbe verabsolutierenden Westen den Spiegel vorhalten und das nicht-westliche „Andere“ vor Augen führen, welches sich mit dessen politischen, moralischen und wissenschaftlichen Kategorien nie vollständig fassen lässt. Welche Anziehungskraft Saids Überlegungen und insbesondere die zentrale These, das im Okzident verbreitete Bild des Orients beruhe auf exotistischen Projektionen und stehe bis in die Gegenwart im Dienst einer imperialen Interessenpolitik, auch sieben Jahre nach dessen Krebstod noch ausüben, hat eine internationale Tagung gezeigt, die zu Monatsmitte in Krakau stattfand.