Donnerstag, 17. November 2005

Israel: Reise ins gelobte Land - Ein Selbstversuch

Hier der Augenzeugenbericht eines Kommilitonen, der vor einigen Wochen versuchte von Jordanien nach Israel zu reisen.: Teil 2 gibt es hier
Ich war in Israel, mein erstes Mal. Aber weiter als bis zu den Sicherheitskontrollen habe ich es nicht geschafft. Die Israelis haben mich nicht ins Land gelassen. Die haben mich wieder zurück nach Jordanien geschickt. Der security check meiner Person sei wohl nicht erfolgreich zum Abschluss gekommen...

Letzten Donnerstag, um 17:00 Uhr kam ich mit meinem Mitbewohner (israelischer Staatsangehörigkeit, palästinensischer Abstammung) am Grenzübergang an. Um Punkt 22:00 Uhr ging mein Bus zurück Richtung jordanischer Grenzposten. Eskortiert von zwei israelischen Soldatinnen wurde ich bis zum Bus gebracht, sie warteten bis ich in den Bus eingestiegen war und gaben mir meinen Pass erst beim Einsteigen in den Bus zurück. 5 Stunden Verhör durch eine junge, süße Beamtin, Sachen -ja ich will es mal vorsichtig ausdrücken: Durchwühlen, Körperkontrolle, wieder Verhör & Warten gingen dem voraus. Die beste Frage war: "Do you have a friend... - I mean a girlfriend?" heng???

Ich war von meinem Mitbewohner zu ihm nach Hause (im israelischen Staatsgebiet, also nicht im Westbank) eingeladen worden. Ihm wurde dann schließlich sein Pass zurückgegeben und bei den "Röntgengeräten" der Sicherheitskräfte trennten sich unsere Wege: er nach Israel, ich nach Jordanien. Das Problem war nur: Ich kam nicht mehr zurück nach Jordanien. Der zeitliche Abstand zwischen meiner Ausreise und meiner Wieder-Einreise war zu kurz. Ich war also mitten in der Nacht, es war bald halb elf, im Niemandsland - wie in diesem Film. So schnell kann's gehen. Hätte ich auch nie gedacht, dass mir so etwas passiert.

Dann von den jordanischen Grenzsoldaten wieder Fragen: Warum wolltest Du nach Israel? Mit wem? Wie lange kennst Du ihn? Was machst Du hier in Amman? "Sorry, wir können Sie nicht wieder ins Land lassen - Sie sind erst vor 6 Stunden ausgereist." Irgendwann hat's mir gereicht (alle Lichter waren schon aus - der Grenzübergang schließt um 22:00 Uhr - ich war der letzte, allein in dieser Halle, überall nur noch Soldaten und Grenzbeamte), es hat mir gereicht und dann meinte ich, ich sei Muslim. Und auf einmal ging alles ganz schnell. Ich wurde mit dem Manschaftswagen mit den Beamten zum Haupttor gefahren, in ein Taxi gesetzt und ab da wusste jeder Militärposten auf dem Weg von der Grenze nach Amman, dass ich ein "zum Muslim gewordener" Deutscher war.

Bis hier ist es ja noch mal harmlos ausgegangen. Nur sei jetzt zu meinem Mitbewohner der Mossad oder die Polizei nach Hause gekommen - er war ja dann zu sich nach Hause gefahren -, und er wurde unter Haus-Arrest gestellt und muss wohl heute eine Aussage bei der Geheimpolizei machen. Das kommt davon, wenn man die falschen Leute kennt (=mich... :-) ). Morgen kommt er wohl wieder zurück nach Amman. Was meine beiden anderen Mitbewohner angeht, so glauben sie, dass sie Ähnliches bei ihrer nächsten Einreise erwartet. Dementsprechend ist die Stimmung zu Hause. Niemand hat gerne wegen eines Ausländers die Geheimpolizei im Haus.

Und warum das Ganze? Also, ICH weiß es nicht. Die haben mir nur gesagt: "because of security reasons" Ansonsten habe die geschwiegen wie ein Grab. Ich nehme an, das falsche Studium und das Zusammen-Wohnen mit Arabern. Na auf meinen nächsten Trip (Versuch) nach Israel freue ich mich auch schon.
Ansonsten geht's mir gut. Hab gestern Israel und das Tote Meer immerhin schon mal von weiten vom Berg Nebo aus gesehen - hab mal gewunken.
So, das war mein erstes politisches high-light, das ich meinen Enkeln noch erzählen werde. "Euer Großvater kam damals den Israelis gefährlich vor." Na ja, wenigstens hab ich jetzt die e-mail-Adresse von einer süßen israelischen Grenzpolizistin.

Teil 2

Kommentare:

Claudia hat gesagt…

Euer Blog ist eine Bereichung für die deutschsprachige Blogosphäre.

c. sydow hat gesagt…

Das geht ja runter wie Öl....
Wär schön, wenn das noch mehr Leute genauso sehen würden...